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Politik

Die 60 Jahre der größten Demokratie der Welt

Am 15. August 2007 begeht Indien seinen 60. Unabhängigkeitstag - eine Unabhängigkeit, die sich die mit über einer Milliarde Menschen größte Demokratie der Welt teuer erkaufen musste.

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60 Jahre Unabhängigkeit unter der Fahne der Kongress-Partei

Die Väter: Mohandas Gandhi und Jawaharlal Nehru

Die Väter: Mohandas Gandhi und Jawaharlal Nehru

"Beim Schlag der Uhr um Mitternacht, wenn die ganze Welt schläft, wird Indien zum Leben und zur Freiheit erwachen. Es ist dies ein Augenblick, den man nur selten in der Geschichte erlebt: Wir lösen uns vom Alten und begegnen dem Neuen, ein Zeitalter endet, und die Seele der Nation, die lange unterdrückt war, äußert sich frei und ungehemmt."

Mit diesen schicksalsträchtigen Worten rief Indiens erster Premierminister und Weggefährte Mahatma Gandhis, Jawaharlal Nehru in der Nacht vom 14. auf den 15. August 1947 Indiens Unabhängigkeit aus. Die Geburt des modernen Indien verlief blutig, das Ende der britischen Kolonialherrschaft 1947 war auch der Beginn der Spaltung. Dort, wo überwiegend Muslime lebten, entstand die Islamische Republik Pakistan, der Rest bildet die säkuläre indische Union. Bei der Teilung kamen Schätzungen zufolge mindestens 750.000 Menschen ums Leben, über 17 Millionen Menschen wurden vertrieben. Drei Kriege hat Indien mit seinem Erzfeind Pakistan seither geführt.

Das junge Land nach den vielen Jahren der Kolonialherrschaft trotz dieses Traumas auch nach innen zusammenzuhalten, war Nehrus größter Verdienst. Der geistige Vater der derzeit regierenden Kongresspartei von Premierminister Singh, trat für ein demokratisches und säkulares Indien ein, mit einem Wirtschaftssystem sozialistischer Prägung. Vehement vertrat er die Ideologie der Nicht-Pakt-Gebundenheit und begründete in den 1950er Jahren die Bewegung der BlockfreienStaaten mit. Indien suchte damals die Nähe zu Russland. Pakistan und China galten als Erzfeinde.

Die unregierbare Weltmacht

Indien Pakistan Unabhängigkeitstag 2007 Feiern

Am indisch-pakistanischen Grenzposten von Wagah

Doch auch nach sechs Jahrzehnten Demokratie gilt Indien mit seinen mehr als einer Milliarde Menschen unterschiedlichster Religionen und Ethnien, mit seinen hunderten von Sprachen, mit seinen Regierungskoalitionen von zwei Dutzend Parteien als eigentlich nicht regierbar. "Meiner Meinung nach ist unser größter Erfolg in diesen 60 Jahren, den die Welt anerkennen muss, die Etablierung eines demokratischen Systems gewesen", sagt Rashid Alvi von der Kongresspartei. "Unsere Demokratie ist so stark geworden in diesen 60 Jahren, dass wir es mit jeder Demokratie auf der Welt aufnehmen können."

Die Demokratie war in den vergangenen 60 Jahren auch oft in ihren Grundfesten erschüttert. Premierministerin Indira Gandhi, die Tochter Nehrus, wurde 1984 ermordet, ihr Sohn Rajiv Gandhi 1991. Die Zerstörung der Babri-Moschee 1992 in Ayodhya durch Hindu-Extremisten, nach deren Meinung die Moschee auf einem Tempel des Gottes Rama erbaut wurde, die Ausschreitungen in Bombay 1993 mit knapp 1000 Toten und die barbarische Gewalt, der im westindischen Gujarat 1969 und 2002 hunderte von Muslimen und Hindus zum Opfer fielen, empfinden viele Inder als Schandmale. Was gerade im Westen aber oft vergessen wird: Das tägliche Zusammenleben zwischen den einzelnen Religionsgemeinschaften funktioniert vergleichsweise gut.

250 Millionen unter der Armutsgrenze

Indiens Vizepräsident Mohammad Hamid Ansari

Ansari: Das Glas ist halbvoll

Mit Stolz blicken Inder heute auf den enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Indien mausert sich mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von über acht Prozent von einem der ärmsten Entwicklungsländer zu einem der wirtschaftlichen Motoren Asien. Indien ist eine Nuklearmacht, die inzwischen mit Selbstbewusstsein von einem ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat spricht. "Es ist in jeder Beziehung viel erreicht worden. Das weiß die Öffentlichkeit, das weiß die Regierung und auch das ganze politische System", sagt Vizepräsident Hamid Ansari.

Indien bleibt aber auch das Land der Widersprüche, vielleicht mehr als je zuvor. Kulturell, vor allem aber wirtschaftlich: In Megastädten wie Bombay, Delhi oder Bangalore schwelgt eine kleine Elite seit den Wirtschaftsreformen Anfang der 1990er Jahre in kaum vorstellbarem Luxus, doch 250 Millionen Inder leben noch immer unterhalb der Armutsgrenze in kaum vorstellbaren Zuständen. Weltweit ist zwar jeder dritte Computerexperte Inder, aber jeder dritte Inder kann nicht lesen und schreiben. Wie ist es also bestellt um Indien, 60 Jahre nach seiner schweren Geburt? "Wenn mich jemand fragt, dann antworte ich, das Glas ist halb voll", sagt Vize-Präsident Asari.

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