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Amerika

Die Ära Oscar Arias geht zu Ende

Am 7. Februar wird in Costa Rica ein neuer Präsident gewählt. Damit geht die zweite Amtszeit von Oscar Arias Sánchez zu Ende, der die Geschichte seines Landes in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt hat.

(AP Photo/Kent Gilbert)

Bei seinem Amtsantritt 2006 blickt Arias optimistisch in die Zukunft Costa Ricas.

Oscar Arias Sánchez wurde 1941 als Sohn wohlhabender Eltern in Heredia in Costa Rica geboren. Schon mit 20 Jahren engagierte er sich politisch und begann seine Karriere in der sozialdemokratischen Partei der Nationalen Befreiung (PLN). Er studierte Jura und Wirtschaftswissenschaften in Costa Rica und England und promovierte in Staatswissenschaft in Essex. Zurück in Costa Rica lehrte er Politikwissenschaft an der Universität in San José und arbeitete als finanzpolitischer Berater der Regierung. Er ließ sich für die PLN ins Parlament wählen und hatte in den 70er-Jahren zweimal das Amt des Wirtschaftsministers in einer sozialdemokratischen Regierung inne.

Jüngster Präsident

1986 wurde er mit nur 46 Jahren zum jüngsten Präsidenten seines Landes gewählt. Zu den Herausforderungen zu Beginn seiner ersten Amtszeit gehörten nicht nur die Korruption und die hohe Verschuldung seines Landes sondern auch die Auswirkungen der vielen bewaffneten Konflikte in der Region.

Mittelamerika war zum Nebenschauplatz des Kalten Krieges geworden. Von den USA unterstützte paramilitärische Söldnergruppen, die so genannten "Contras", nutzten Costa Rica als Ausgangspunkt für ihren Kampf gegen die sandinistische Regierung im Nachbarland Nicaragua. 1979 hatten die Sandinisten mit Hilfe der UdSSR in Nicaragua die Macht übernommen.

(Foto: picture-alliance/dpa)

Verleihung des Friedens-nobelpreises in Oslo 1987

Frieden für Mittelamerika

Arias übernahm die Federführung bei der Ausarbeitung eines Abkommens zur Befriedung der Region, das 1987 auf einem Gipfeltreffen in Guatemala von den Staatschefs aus Honduras, Nicaragua, El Salvador und Guatemala unterzeichnet wurde.

Darin erklärten sie sich bereit, einen Waffenstillstand mit den Guerillabewegungen herbeizuführen, den Rebellen Amnestie zuzusichern und vor allem die Verbindung zu den jeweiligen Großmächten zu kappen, um die ausländische Hilfe für die Kämpfer zu unterbinden. Außerdem verpflichteten sich alle Unterzeichnerstaaten, die Demokratie und den Parteienpluralismus in ihren Ländern voranzutreiben.

Für seine Bemühungen um den Frieden in Mittelamerika wurde Arias 1987 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das Preisgeld verwendete er zur Gründung einer Stiftung, die sich für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzt und den Friedensprozess in der Region vorantreiben will.

(AP Photo/Kent Gilbert)

Applaus für Arias nach Annahme des Freihandelsabkommens.

Freier Handel gegen Armut?

Eine Änderung der Verfassung erlaubte es Arias 2006 ein zweites Mal bei einer Präsidentschaftswahl anzutreten, die er mit knapper Mehrheit für sich entscheiden konnte. Wie schon während seiner ersten Amtszeit versuchte er die wirtschaftliche Entwicklung des Landes unter neoliberalem Vorzeichen anzukurbeln. Im lateinamerikanischen Vergleich gilt Costa Rica zwar als eines der reichsten Länder, aber auch hier lebt etwa ein Fünftel der Bevölkerung in Armut.

Besonders umstritten war das unter Arias Führung zustande gekommene zentralamerikanische Freihandelsabkommen zwischen Costa Rica, Guatemala, Honduras, Nicaragua, El Salvador, der Dominikanischen Republik und den USA. Aufgrund des großen Widerstandes gegen das Abkommen in der Bevölkerung ließ Arias ein Referendum abhalten, in dem 51 Prozent der Costa Ricaner ihre Zustimmung zu seinen Plänen gaben.

(AP Photo/Kent Gilbert)

Zwischen den Fronten: Vermittlungsversuch in Honduras.

Scheitern in Honduras

Zuletzt setzte sich Arias als Vermittler für eine friedliche Lösung der Staatskrise in Honduras ein. Sein Plädoyer für die Bildung einer Regierung der Nationalen Versöhnung und die Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten Zelaya blieb allerdings ohne Erfolg.

Bei den kommenden Wahlen am 7. Februar 2010 wird Arias nicht noch einmal kandidieren. Für seine Partei der Nationalen Befreiung tritt die bisherige Vizepräsidentin Laura Chinchilla an, der gute Chancen vorausgesagt werden, als erste Frau zur Präsidentin Costa Ricas gewählt zu werden.

Autorin: Julia Belke

Redaktion: Mirjam Gehrke