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Wissen & Umwelt

Dicke Zugvögel sind im Vorteil

Gartengrasmücke sitzt auf einem Ast (Foto: flickr.com/Sergey Yeliseev)

Von wegen zu dick! Ein paar Gramm mehr können bei der Gartengrasmücke ein großer Vorteil sein

Jedes Jahr sind rund 50 Milliarden Zugvögel weltweit unterwegs. Sie fliehen vor dem Winter in wärmere Regionen. Wenn der Sommer kommt, kehren sie zurück, um zu brüten und ihre Jungen großzuziehen. Kleine Zugvögel wie die Gartengrasmücke ( Sylvia borin) sind auf ihrem Weg von den Überwinterungs- zu den Brutgebieten auf Zwischenstopps angewiesen. Haben sie größere geographische Barrieren - beispielsweise eine Wüste oder ein Meer - überquert, müssen sie landen und sich erholen.

Die Pausen, die dicke Vögel machen, fallen dabei deutlich kürzer aus. Das haben Wolfgang Goymann vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und ein Team italienischer Kollegen festgestellt. Sie haben die Aufenthaltsdauer von Gartengrasmücken auf der italienischen Insel Ventotene gemessen. Die Forscher statteten zehn dicke und zehn dünne Vögel mit temporär haftenden Radiosendern aus. Dann kontrollierten sie in regelmäßigen Abständen, ob das Signal, das von den Sendern ausging, noch auf der Insel zu hören war. Neun der zehn dicken Vögel flogen in der folgenden Nacht weiter, die dünnen Vögel jedoch blieben im Schnitt über 40 Stunden auf der Insel, bevor sie sich wieder auf den Weg machten. Sie mussten zunächst ihre Fettreserven wieder auffüllen, um für den strapaziösen Weiterflug gerüstet zu sein. Ein Vorteil für die schwereren Zugvögel: Sie benötigen weniger Pausen, gelangen daher schneller in ihre Brutgebiete und können sich so die besseren Nistplätze sichern.

Von der absoluten Rekordmarke bei den Zugvögeln sind aber auch die dicksten Gartengrasmücken weit entfernt: Im September 2007 fanden Forscher heraus, dass eine weibliche Pfuhlschnepfe ( Limosa lapponica) einen 11.500 Kilometer langen Flug von Alaska nach Neuseeland ohne Zwischenlandung vollführt hatte. Der Vogel war zuvor mit einem Sender ausgestattet worden. Die Schnepfe hält damit, soweit bekannt, den Flugweitenrekord für Zugvögel. Ob es sich bei der Rekordpilotin um eine dicke oder eine dünne Schnepfe handelte, ist allerdings nicht überliefert.

Autor: Andreas Ziemons (mit idw)
Redaktion: Nicole Scherschun