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Kultur

Dichter, Denker und Raucher

"Raucher stinken" und "Gesundheitsminister sind Neandertaler" – auf dem Niveau bewegen sich die Schlachten zwischen Rauchern und Nichtrauchern. Es gibt genug Stoff für Zoff – vor allem im Internet.

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Es geht um die Glut


Schwere Zeiten für Raucher. Seit dem 1.Oktober 2003 müssen sie von der EU angeordnete Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln lesen und die Tabaksteuer wird auch mal wieder erhöht. Hinzu gesellt sich nun noch in Deutschland eine immer größer werdende Fraktion der Raucherhasser, -beschimpfer und –bekehrer, die sich im Internet mit den standhaften Rauchern regelrechte Online-Schlachten liefert.

Dichter, Denker und Raucher

"Das Rauchen macht dumm; es macht unfähig zum Denken und Dichten", befand schon der alte Goethe, doch er irrte gewaltig: Nur wenige Wochen nach Einführung der fett umrandeten Schreckensbotschaften auf Zigarettenschachteln, die den Raucher auf die Gefahr seines Tuns hinweisen, scheint deren poetische Ader geradezu beflügelt. Schon kann man im Internet unter rauchergedicht.de eigene Schilder zum Überkleben erstellen: "Wer das Rauchen aufgibt, langweilt sich an der Bushaltestelle", steht dort etwa drauf. Radikalere Seiten finden: "Gesundheitsminister sind verwandt mit Neandertalern" - noch eine der harmloseren Varianten.

Diskurs zwischen "Erdferkeln" und Philosophen

In privaten Chats macht sich hingegen die militante Nichtraucherfraktion Luft: "Alle Raucher stinken" und sind "Erdferkel" befindet User "Andy". Ein anonymer Raucher kontert: "Immerhin helfen wir dem Staat, ohne uns hätte der noch mehr Schulden." Sinnvoller Austausch wie "Tod allen Rauchern!" und "Die sterben eh' von selber", findet hier statt.

Einen eher philosophischen Ansatz wählt die Seite buchegger.de: "Ich habe viel über das Rauchen nachgedacht. Mehrere Male in meinem Leben bewegte es mich sogar sehr intensiv. Wie mag da die Lunge von Rauchern ausschauen, fragte ich mich." Das Ergebnis der Denkanstrengung: "Ich habe so viel Schlimmes über das Rauchen gelesen, dass ich es schließlich doch aufgegeben habe. Das Lesen."

Online das Rauchen aufgeben

Das Aufgeben des Rauchens und damit ein eher seriöses Ansinnen verfolgen hingegen Seiten wie rauchen.de: Raucher seien 30 bis 40 Prozent häufiger krank als Nichtraucher, der volkswirtschaftliche Gesamtschaden durch Raucher liege bei rund 20 Milliarden Euro - Mit Zahlen und Fakten soll hier den Tabakliebhabern der Geschmack vergehen. Das selbst ernannte Entwöhnungsprojekt rauchfrei-online.de lockt: "Wir zeigen Ihnen den Weg in ein wertvolleres Leben". Und verspricht mit täglichen Tipps und Aktivitäten die erfolgreiche Entwöhnung – via Internet. Fast schon missionarischen Charakter hat jedoch eine selbst ernannte Raucherbekehrungspage, die garniert mit Bildern von Raucherbeinen und Lungentumoren den Raucher zum Ablass von seinem sündigen Handeln zu bewegen versucht. Das Resümee: "Ich wünsche Dir, falls Du idiotischerweise weiter rauchst, eine eiserne Gesundheit und ein Abonnement des Magazins "Focus" (wegen der Reihe "Deutschlands beste Tumorspezialisten)".

Schwarzer Humor

Allen wüsten Beschimpfungen, gut gemeinten Ratschlägen und neuen EU-Warnhinweisen zum Trotz: Die wenigsten Raucher dürfte dies zum Aufhören bewegen. Gute Verdrängungsstrategen hinsichtlich der gesundheitlichen Risiken sind sie allemal. Aber mangelnden Humor, wenngleich (teer-)schwarzen, kann man ihnen nicht vorwerfen, denn auch Raucherwitze haben sich mittlerweile schon im Netz neben Ostfriesen und Blondinen etabliert: "Drei kleine Raucherlein, die rauchten auf dem Klo. Das Klo, das war voll von Biogas: Da waren's nur noch zwo…".

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