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Kultur

Dialog in schweren Zeiten: Ein deutsch-iranisches Theaterprojekt

Trotz der Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen geht der Kulturaustausch weiter: In einem neuen Projekt bereiten iranische und deutsche Theaterstudenten unter anderem gemeinsame Tourneen vor.

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Die Stuttgarter Theaterproduktion "I Furiosi" in Teheran (2003)

Es ist ein ehrgeiziges und couragiertes Dialogprojekt in politisch schwierigen Zeiten: Drei Jahre lang wollen sich iranische und deutsche Theaterdozenten, Studierende, Schauspieler sowie Regisseure zu einem kulturellen Austauschprogramm treffen. Ein erster Orientierungsbesuch der iranischen Gäste in Deutschland ist bereits im Juli vorgesehen: Insgesamt sechs Wissenschaftler des Fachbereichs bildende Künste der Universität Teheran, der Azad-Universität und der Theater- und Filmhochschule Teheran werden dann im Institut für Theaterpädagogik der Fachhochschule Osnabrück erwartet.

Zahlreiche Exkursionen

"Zunächst einmal interessiert uns der Hochschul- und der wissenschaftliche Austausch über Theaterpädagogik, das heißt Lernen mit Theater", erklärt Andreas Poppe, Institutsdozent und Partnerschaftsbeauftragter in Osnabrück. "Und da würden wir ganz gerne Erfahrungen, die im Iran gemacht werden, mit unseren austauschen. Wir würden auch gerne Hochschuldidaktiken miteinander besprechen und was an Theatererziehung beispielsweise in Deutschland und im Iran vorhanden ist und wie sich das aufbaut."

Doch damit nicht genug: Das wissenschaftliche Austauschsprogramm soll durch zahlreiche Exkursionen und Besuche kultureller Veranstaltungen in Deutschland, wie etwa dem Internationalen Kindertheaterfestival in Lingen bei Osnabrück, abgerundet werden. Geplant ist ebenfalls eine gemeinsame Theatertournee von Studierenden im Iran sowie in Deutschland. "Es soll ein Gruppenaustausch entwickelt werden, bei dem Studierende auch an Theaterprojekten mitarbeiten - zu den unterschiedlichsten Themen, die uns betreffen", erklärt Poppe. "Ein wesentliches Thema, das auch mit im Programm ausgeschrieben ist, ist sicher die Berücksichtigung von Frauen."

Einschränkungen

Ein weiterer Punkt sei das gegenseitige Verständnis, sagt Poppe. Es sei wichtig, dass nicht nur ein Erfahrungsaustausch zwischen Studierenden und Lehrenden stattfinde, sondern auch ein Forschungsprojekt entstehen könne - zum Beispiel zu Fragen der Theatererfahrungen im Islam und im Christentum sowie in unterschiedlichen Kulturen." Finanziert wird der Hochschul-Dialog vom Deutschen Akademischen Austauschdienst.

Dass das Bühnenspiel in der Islamischen Republik Iran einen völlig anderen Stellenwert einnimmt als im Westen, ist den deutschen Teilnehmern des Dialogprojekts bewusst. Daher sehen sie das Austauschprogramm auch als Chance, möglichst viel über die andere Kultur zu erfahren, wenn der Gegenbesuch in wenigen Monaten in Teheran ansteht. Allerdings sind die dort herrschenden religiösen Vorschriften auch mit bestimmten Einschränkungen für alle Schauspielerinnen im Umgang mit ihren männlichen Kollegen auf der Bühne verbunden.

Dies erfordere ein besonders subtiles und umsichtiges Auftreten im öffentlichen Raum, erklärt die Iranerin Mahvash Firouzzadeh, Mitinitiatorin des Dialogprojekts. "Das Problem im Iran ist, dass die Körperarbeit nur sehr begrenzt möglich ist - und dass theaterpädagogische Arbeit ja ganz intensiv mit Körperarbeit zu tun hat", sagt Firouzzadeh. "Aber trotzdem kann man gleichzeitig auch viel machen - es reicht, wenn man demokratisch und diplomatisch denkt und handelt, wenn man Respekt vor den Ideen anderer Menschen hat. Und man muss natürlich vorsichtig sein, die Gesetze nicht zu übertreten."

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