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Welt-Diabetes-Tag

Diabetes - Fakten und Mythen zur honigsüßen Krankheit

Zuckerkrankheit? Kennt doch jeder. Die Betroffenen müssen sich täglich Insulin spritzen und dürfen nur Diabetiker-Kost essen. Bitte was? Zeit, mit den Vorurteilen aufzuräumen. Ein DW-Faktencheck.

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Fit & gesund - Diabetes

1. Diabetes? Das ist doch diese harmlose Zuckerkrankheit.

Richtig und falsch. Richtig ist: Diabetes wird auch Zuckerkrankheit genannt. Der Begriff geht darauf zurück, dass unbehandelte Diabetiker mit ihrem Urin Zucker ausscheiden und dieser dadurch süßlich riecht. Die Stoffwechselkrankheit lässt sich gut behandeln - doch harmlos ist sie nicht. Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall können Folgen einer Diabetes-Erkrankung sein, genau wie Nieren- oder Augenschäden. Alle sechs Sekunden stirbt jemand an der Krankheit. Die Internationale Diabetes-Stiftung zählte 2014 weltweit fast fünf Millionen Todesfälle durch Diabetes. Und die Weltgesundheitsorganisation WHO prognostiziert, dass Diabetes schon 2030 die siebthäufigste Todesursache sein wird.

2. Diabetes bekommt, wer zu viel Zucker isst - oder?

Nicht direkt. Zunächst müssen verschiedene Diabetes-Typen unterschieden werden. Bei Typ 1 produziert der Körper aufgrund einer genetischen Störung zu wenig Insulin, bei Typ 2 kann das Insulin nicht richtig verarbeitet werden. Daneben gibt es auch noch weniger verbreitete Formen, wie der Schwangerschaftsdiabetes. Der Typ 2 ist die "erworbene Form", die rund 90 Prozent aller Diabetiker haben: der Diabetes mellitus. Sie entsteht oft durch Bewegungsmangel und Übergewicht als Folge von zu fettiger, kohlenhydratreicher und zuckerlastiger Ernährung. Das Zusammenspiel all dieser Faktoren zählt - Zucker allein ist nicht die alleinige Ursache von Diabetes, auch nicht beim Typ 2. Bei der Autoimmunerkrankung Diabetes Typ 1 spielt Zucker vermutlich überhaupt keine Rolle.

Zuckerstangen Candy Cane dpa - Bildfunk

Zucker allein macht noch keinen Diabetiker

3. Nur übergewichtige Menschen können an Diabetes erkranken.

Falsch. Zwar ist das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, bei Übergewicht doppelt so hoch wie bei Normalgewicht und bei stark übergewichtigen Menschen sogar dreimal so hoch. Doch der Stoffwechsel von mehr als einem Viertel der Dicken bleibt gesund. Das heißt: Auch andere Risiken bedingen Diabetes. Dazu gehören zum Beispiel die familiäre Veranlagung oder das Alter. Gänzlich geklärt ist das nicht. Im vergangenen Jahr fanden Wissenschaftler außerdem heraus, dass auch bestimmte Enzymwerte eine wichtige Rolle spielen: Menschen mit niedrigen Werten des Enzyms Hämoxygenase-1 entwickeln trotz Übergewicht kein Diabetes. Kurz: Je dicker jemand ist, umso wahrscheinlicher ist eine Diabetes Typ 2-Erkrankung. Dennoch können auch dünne und normalgewichtige Menschen daran erkranken.

Diabetes Indien

Diabetes wird zunehmend auch in Schwellenländern zum Problem - zum Beispiel in Indien

4. Diabetes ist eine "Wohlstandskrankheit".

Ganz falsch. Diabetes-Erkrankungen nehmen weltweit zu, vor allem Diabetes Typ 1. Die Gründe dafür sind unklar. Im Jahr 2014 zählte die Internationale Diabetes-Stiftung weltweit rund 387 Millionen Diabetiker. 80 Prozent von ihnen lebten in Entwicklungs- und Schwellenländern. Laut der Stiftung ist davon auszugehen, dass in 20 Jahren rund 24 Millionen Afrikaner an Diabetes erkrankt sein werden. Die Dunkelziffer ist hoch: In Subsahara-Afrika soll sie bei rund 90 Prozent liegen; in Südostasien weiß rund die Hälfte aller Diabetiker nichts von ihrer Erkrankung.

Karte Verbreitung von Diabetes 2014

5. An Diabetes leiden nur alte Menschen.

Falsch. Zwar tritt Diabetes mellitus bei älteren Menschen häufiger auf als bei jungen. Doch Diabetes Typ 1 und 2 betreffen alle Altersgruppen. Eine Studie der "International Diabetes Federation" (IDF) von 2014 fand heraus, dass rund eine halbe Million Kinder und Jugendliche Diabetes Typ 1 haben. Auch Menschen mit Diabetes Typ 2 werden immer jünger. Die Anzahl der Typ 2-Neuerkrankungen hat sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht.

6. In Deutschland betrifft Diabetes alle – egal ob arm oder reich.

Das stimmt. Das Vorurteil "dick, dumm, Diabetes" ist schlicht falsch, erklärt Albert Pollack von der Deutschen Diabetes-Stiftung. Dennoch zeigen Studien, dass bestimmte Risikofaktoren Diabetes Typ 2 bei Kindern fördern können. Zum Beiskpiel Schutzfaktoren, also die Umstände, unter denen das Kind aufwächst. Dazu gehören auch stabile emotionale Bindungen. Das Robert-Koch-Institut fand heraus, dass übergewichtige Kinder über weniger dieser Schutzfaktoren verfügen als ihre schlanken Altersgenossen. Oft liege das an Problemen in den betroffenen Familien, wie zum Beispiel einem niedrigen Sozialstatus. Der habe aber nicht nur mit dem Einkommen zu tun, sondern auch mit Bildung. Zum Beispiel mit konkretem Wissen über Mineral- oder Ballaststoffe in Lebensmitteln. Studien zu Unterschieden bei Diabetes Typ 1 nach Schulbildung und Einkommen gibt es bisher jedoch kaum, die Ergebnisse lassen sich also nicht einfach übertragen.

7. Diabetiker müssen sich täglich Insulin spritzen…

Richtig und falsch. Typ-1-Diabetiker müssen auf jeden Fall Insulin spritzen, weil der Körper das Hormon Insulin nicht mehr selbst produzieren kann. Für Typ-2-Diabetiker stimmt das nicht, zumindest nicht ab dem Zeitpunkt der Diagnose. Zunächst kann der Körper die Insulin-Resistenz noch kompensieren, indem er größere Mengen des Hormons herstellt. Erst nach vielen Jahren erschöpft sich die Bauchspeicheldrüse und produziert immer weniger. Irgendwann kann die Insulinproduktion ganz aussetzen. Dann brauchen auch Typ-2-Diabetiker Insulin von außen.

Medizin Diabetes Insulinspritze

Dauernd müssen sie sich Insulin spritzen, die Diabetiker - oder?

8. …und richtig dramatisch wird's, wenn das Insulin leer ist

In Filmen wie Con Air oder Panic Room wälzen sich Diabetiker schwitzend am Boden und brechen zusammen, wenn keine Insulin-Spritze in Reichweite ist. So dramatisch läuft der Insulinmangel nicht ab. Die dargestellten Schweißausbrüche mit Krämpfen sind eher Anzeichen einer Unterzuckerung, also einer zu geringen Menge an Glukose im Blut. Dazu kommt es unter anderem durch ein Übermaß und nicht den Mangel an Insulin, das ja den Blutzucker senkt. Bei einer Hyperglykämie, also einer krankhaft vermehrten Menge an Glukose im Blut, erwartet die Diabetiker Durst, Kopfweh, Abgeschlagenheit, oder auch Übelkeit und Magenkrämpfe. Das ist der Filmindustrie offenbar nicht dramatisch genug. Eine diabetische Ketoazidose, eine schwere Stoffwechselentgleisung, kann allerdings durchaus dramatisch sein. Sie kommt hauptsächlich bei Typ-1-Diabetikern vor, entwickelt sich relativ plötzlich und kann lebensbedrohlich werden.

Deutschland Zu spät Fotalia

Zu spät! Wurde die Insulin-Zufuhr verpasst, droht der sofortige Zusammenbruch. Zumindest in einigen Hollywood-Streifen.

9. Menschen mit Diabetes sollten spezielle Diabetiker-Lebensmittel essen.

Falsch. Weder spezielle Diabetiker-Lebensmittel noch Diät-Lebensmittel sind gut für Menschen mit Diabetes. Seit Ende 2012 dürfen Lebensmittel sogar nicht mehr als spezielle Diabetikerkost produziert und gekennzeichnet werden, weil das irreführend für die Erkrankten ist: Durch den Aufdruck "für Diabetiker geeignet" wird dem Konsumenten weisgemacht, das Produkt könne ohne Konsequenz für die Therapie verzehrt werden. Dennoch muss auch bei Diabetiker-Keksen auf die Kohlenhydratmenge und den Energiegehalt geachtet werden. Insgesamt gelten für Diabetiker die gleichen Regeln einer gesunden Ernährung wie für Menschen ohne Diabetes: wenig Fett, Zucker und Salz in Maßen, viel Gemüse und Früchte.

10. Diabetes ist nicht heilbar.

Richtig. Menschen mit Diabetes Typ 1 sind ihr Leben lang auf Insulin angewiesen. Doch bei Typ 2 Diabetikern sieht das anders aus. Übergewicht und Bewegungsmangel fördern die Krankheit – im Umkehrschluss können Diabetiker sie durch gesunde Ernährung und viel Bewegung in eine Art "Schlummerzustand" versetzen. Das heißt, die Krankheit wird dauerhaft oder vorübergehend zurück gedrängt. Eine Heilung durch Medikamente oder durch Operation ist jedoch nicht möglich.

11. Tiere sind vor Diabetes sicher.

Falsch. Auch Tiere sind vor der Krankheit nicht gefeit. Am häufigsten sind weibliche Hunde und Kater betroffen. Beim Hund, der besonders häufig vom Typ 1 betroffen ist, liegt oft eine genetische Veranlagung vor, durch die die insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. Bei Katzen, die eher an Typ 2 leiden, liegt die Ursache meist an Übergewicht oder Medikamenten. Wie beim Menschen muss Insulin verabreicht und die Ernährung umgestellt werden. Bei 10 bis 30 Prozent der Katzen kann die Krankheit innerhalb der ersten zwölf Monate "rückgängig" gemacht, also wie beim Menschen in einen Ruhemodus versetzt werden.

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