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Wirtschaft

DHL wechselt Kurs auf US-Markt

Rund eine Milliarde Dollar Verlust macht die Deutsche Post-Tochter DHL jährlich in den USA. Den Betrag will der Konzern künftig an Konkurrent UPS zahlen – und so auf dem amerikanischen Markt profitabler werden.

Gelbes Flugzeug hebt ab (undatiert, Leipzig - Deutschland, Quelle: DPWN)

DHL unterhält in den USA künftig kein eigenes Lufttransportnetz mehr

Mit einem radikalen Kurswechsel will die Deutsche Post mit ihrer Expresstochter DHL auf dem amerikanischen Markt die Verluste verringern. Für den neuen Postchef Frank Appel ist die Sanierung des hoch defizitären Lufttransportgeschäftes in Amerika von solch großer Bedeutung, dass er deswegen mit dem bislang erbitterten Konkurrenten UPS zusammenarbeitet. Eine entsprechende Ankündigung machte Appel am Mittwoch (28.5.2008) in Bonn.

Rund eine Milliarde Dollar wird DHL in Zukunft pro Jahr an UPS überweisen, wofür der amerikanische Marktführer für DHL den Lufttransport innerhalb Amerikas abwickelt. Im inneramerikanischen Geschäft ist DHL zu klein, um ein profitables Netzwerk unterhalten zu können. Im vergangenen Jahr ist ein Verlust von einer Milliarde Dollar (635 Millionen Euro) angefallen, im laufenden Jahr werden es durch die Abschwächung der amerikanischen Konjunktur 1,3 Milliarden Dollar sein.

UPS übernimmt Lufttransport für DHL

Ab dem kommenden Jahr, wenn die Kooperation mit UPS greift, sollen die Verluste sinken: 2009 auf 800 bis 900 Millionen Dollar, 2010 weniger als 500 Millionen Dollar und 2011 weniger als 300 Millionen Dollar. Freilich laufen erst noch einmal zusätzlich zu den Verlusten Kosten von zwei Milliarden Dollar für die Restrukturierung an. Postchef Appel gibt sich zuversichtlich, dass dieses Programm helfen könne, die Existenz des DHL-Geschäfts in den USA zu erhalten: "Wir werden die Profitabilität der US-Express-Geschäftes signifikant steigern. Wir haben keinen Zweifel daran, dass wir damit erfolgreich sein werden."

Künftig wird die Posttochter DHL sich in den USA auf das Einsammeln und Ausliefern sowie auf das Sortieren der Briefe, Päckchen und Pakete beschränken. Den Lufttransport übernimmt für eine Milliarde Dollar pro Jahr der bisherige Konkurrent und künftige Kooperationspartner UPS. DHL trennt sich jedoch nicht nur von der Flugzeugflotte von 105 Maschinen, sondern zieht sich auch dort, wo das Netzwerk nicht profitabel ist, aus der Fläche zurück. Rund vier Prozent der Sendungen werden aufgegeben, weil sich damit kein Geld verdienen lässt.

Weniger Niederlassungen

LKW auf Brücke (Quelle: DW)

Das Unternehmen hält am eigenen Straßennetzwerk in den USA fest

Die Kapazitäten in der Bodeninfrastruktur, also die Niederlassungen vor Ort, sollen um ein Drittel verringert werden. Bei den Abhol- und Lieferrouten soll der Rationalisierungseffekt fast zwanzig Prozent ausmachen. Um ebenfalls fast zwanzig Prozent soll die Effizienz des Transportnetzwerkes am Boden, also der Transporter- und LKW-Verkehr, effizienter werden. Schließlich sind auch Einsparungen bei den Verwaltungskosten geplant.

Appel stellte klar, dass DHL das Kurier- und Straßennetzwerk behalten und weiterhin in eigener Regie betreiben will. Lediglich der Transport in der Luft werde an UPS abgegeben. Appel erklärte: "Wir werden weiterhin alle Produkte anbieten. Wir werden durch diese Restrukturierung ein noch zuverlässigeres Netz bekommen."

Vier Prozent Stellenabbau möglich

Natürlich geht dieses Sanierungsprogramm nicht ohne Arbeitsplatzverluste ab.

Von den insgesamt 45.000 Arbeitsplätzen der Posttochter DHL in Amerika sind zwischen 1500 und 1800 Jobs gefährdet. Der Postchef betonte, DHL werde sich nicht vom amerikanischen Markt verabschieden, sondern mit der Übertragung des Flugverkehrs an UPS stärker sein als bislang. Amerika bleibe einer der wichtigsten Märkte für das globale Netzwerk von DHL. Beide Partner hätten Vorteile von der Kooperation: DHL könne in Amerika seine Verluste verringern. UPS erhalte nicht nur eine Milliarde Dollar pro Jahr für den Lufttransport, sondern erreiche auch eine bessere Auslastung seiner Kapazitäten.

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