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Fußball

DFL kooperiert mit Südafrikas Liga

Die DFL und Südafrikas Profiliga PSL wollen künftig ihre Erfahrungen im Management, Marketing, der Organisation, Kommunikation, Lizensierung und Spielbetrieb austauschen.

Das Logo zur Kooperation.DFL-PSL Aufgenommen im April 2010 in Südafrika Copyright: DW / Ulrich Reimann

Dieses Logo steht für die Zusammenarbeit der beiden Verbände

Wer einen Blick auf die Sportseiten in südafrikanischen Tageszeitungen wagt, der findet nur mit viel Glück regelmäßig die Ergebnisse der deutschen Bundesliga und manchmal wird dazu auch die aktuelle Tabelle abgedruckt. Ganz anders verhält es sich da seit Jahren mit der englischen Premier League: Rooney, Lampard, Ballack und Drogba sind allgegenwärtig, ausführliche Spielberichte über Chelsea, Arsenal, Manchester und Liverpool dominieren die Sportseiten. Der Sportkanal Supersport überträgt jede Woche Spiele der Premier League live und in voller Länge. Südafrikas Fußball-Fans können den englischen Fußball hautnah verfolgen.

Beim Zappen durch die TV-Kanäle konnte man nun auch den Klassiker Borussia Mönchengladbach-Bayern München live im südafrikanischen Fernsehen sehen. Seit Ende Februar tritt die Deutsche Fußball Liga im Land des WM-Gastgebers groß auf: Bis zu vier Bundesligaspiele gibt es wöchentlich live und in voller Länge, dazu soll noch eine Bundesligavorschau und eine Zusammenfassung der Highlights kommen.

DFL und Südafrikas Profiliga PSL vereinbaren Kooperation

Die Delegation in WM-Stimmung. Aufgenommen im April 2010 in Südafrika Copyright: DW / Ulrich Reimann

Schon in WM-Stimmung: Christian Pfennig (DFL), Kjetil Siem (PSL),Botschafter Dieter Haller und Rainer Zobel (v.li.)

Deutschland ein Sommermärchen – der Erfolg der Fußball-WM 2006 hat Südafrikas Fußballfunktionären keine Ruhe gelassen. Die WM in Deutschland hat nicht nur Euphorie im ganzen Land verbreitet, die Begeisterung der Fußball-Fans hat sich auch auf die Bundesliga übertragen. Der Zuschauerschnitt in der Bundesliga stieg von 28.000 auf 42.000 Fans, neue oder generalüberholte Stadien von Hamburg bis München haben ein Publikum angezogen, das vor der WM nicht zu den regelmäßigen Stadionbesuchern zählte.

Die schmucken WM-Stadien sind in Südafrika auch längst fertiggestellt, Fans aus aller Welt werden sich ab dem 11. Juni verwundert die Augen reiben. In Durban, Kapstadt, Johannesburg oder Port Elizabeth haben die Architektenganze Arbeit geleistet. Die Stadien auch nach der WM besser auslasten, die südafrikanische Profiliga gezielter vermarkten, neue Zuschauer besonders in der weißen Bevölkerungschicht gewinnen - davon träumt Kjetil Siem, wenn er von dem Vermächtnis der WM 2010 spricht. Noch vor dem Anpfiff des Eröffnungsspiels will der Norweger als Vorstandschef der südafrikanischen Premier Soccer League PSL die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen. Da scheint die Kooperation mit der Deutschen Fußball Liga DFL genau das Richtige zu sein, hier kann man sich das erfolgreiche Know How in Bereichen wie Marketing, Kommunikation, Lizenzierung und Organisation abgucken.

"Ich möchte sehr gerne den Spielplan von der Bundesliga haben, das ist das beste Spielplansystem der Welt. Die DFL möchte unser Akkreditierungssystem für die Medien haben", schwärmt Siem von den gut geplanten Ansetzungen in der Bundesliga und hat das Interesse der deutschen an einer einheitlichen Akkreditierung für die Ligaspiele entdeckt.

Kritik von Ex-Spielern

Stadion in Durban DW/Arnulf Boettcher.

Tolle Stadien sind vorhanden

Kurzfristig angesetzte Ligaspiele, Vereine die mangels eigenem Stadion ihre Heimspiele nach dem Willen der PSL irgendwo in Südafrika austragen müssen und ein Mitspracherecht der Vereine bei der Saisonplanung gibt es nicht. Sean Dundee, der als südafrikanischer Profi erfolgreich für den Karlsruher SC und den VfB Stuttgart in der Bundesliga gespielt hat, kennt Bundesliga und PSL und sein Vergleich fällt wenig schmeichelhaft aus: "Diese Saison war ein einziges Durcheinander, so erwartet man das nicht von einer Profiliga. Mit der DFL werden wir auf jeden Fall in die richtige Richtung gehen“, befürwortet Dundee die Kooperation.

Ein Verein wie die populären Kaizer Chiefs aus Soweto, der zu jedem Ligaspiel mindestens rund 20.000 Fans in die Stadion lockt, spielt seine Heimspiele mal im über 1000 Kilometer entfernten Kapstadt oder in Durban, das ist auch noch knapp 700 Kilometer von Johannesburg entfernt. Die WM-Fußballarenen sind als Spielstätten der Profivereine ideal, hier sollen die rugbyverrückten weißen Südafrikaner durch geschickte Vermarktung als neue Fußballfans gewonnen werden.

Jugendarbeit in der Bundesliga gilt als vorbildlich

Jugendliche Fuißballer aus Südafrika Aufgenommen im April 2010 in Südafrika Copyright: DW / Ulrich Reimann

Auch im Jugendbereich will sich Südafrikas Fußball etwas abgucken

"Wir haben Jugend-Leistungszentren für die wir jährlich 70 Millionen Euro investieren“ sagt Christian Pfennig, der als Kommunikationsdirektor der DFL zur Vorstellung der Kooperation nach Johannesburg gereist war. Das bei einer besseren Nachwuchs-Ausbildung weit mehr südafrikanische Fußballer in Zukunft den Sprung in die Bundesliga schaffen, dass können sich die DFL-Verantwortlichen gut vorstellen. Ex-Bayern-Profi Rainer Zobel, der seit einem Jahr den Johannesburger Proficlub Moroka Swallows trainiert, kennt das Problem aus dem Trainingsalltag. Ungeschliffene Fußball-Diamanten lernen oft viel zu spät das Fußball-Einmaleins: "Das ist einfach so, dass hier die ganzen Straßenfußballer rumlaufen. Die großen Bewegungstalente sind leider in der Jugend nicht ausgebildet. Ich kriege 18jährige in meine Mannschaft, mit denen ich letztendlich von vorne anfangen muss“, hofft Zobel, dass die Kooperation besonders für den südafrikanischenNachwuchs Vorteile bringt. Im Januar wollen sich DFL und PSL zu einer ersten Sitzung treffen, dann könnte ein hochkarätiges Jugendturnier den entsprechenden Rahmen bieten.

Und dass die Kooperation nicht nur den Südafrikanern Vorteile und neue Erkenntnisse bringt, dafür sorgten dann Rainer Zobel und PSL-Chef Kjetil Siem. Hooligans und Fanausschreitungen gibt es in der Premier Soccer League nicht, dass gaben die Beiden den DFL-Vertretern mit auf die Heimreise: "Unsere Fans sind sehr freundlich, tanzen und singen. Es gibt überhaupt keine einzige Situation im Stadion, wo sich Leute prügeln oder sich gegeneinander aufhetzen. Also da können auch die deutschen Zuschauer schon etwas lernen“, stimmten Siem und Zobel die Fans schon einmal auf eine stimmungsvolle und friedliche WM ein.

Autor: Ulrich Reimann
Redaktioin: Wolfgang van Kann

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