DFB-Team beginnt Mission Titelverteidigung | Fußball | DW | 12.06.2018
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Ankunft im Mannschaftsquartier

DFB-Team beginnt Mission Titelverteidigung

Das deutsche Nationalteam landet plangemäß in Russland. Bundestrainer Löw geht die WM mit Freude an. Seine Spieler sind hochkonzentriert und wollen die Titelverteidigung. Doch im Gepäck hat der DFB-Tross auch Sorgen.

Ganz offensichtlich amüsierte sich Joachim Löw bei der Begrüßungsrede des Hoteldirektors prächtig, auch das süße Gebäck, das von tanzenden Damen in Tracht gereicht wurde, nahm er gerne und sogar mit einer Verbeugung entgegen. In bester Laune haben der Bundestrainer und seine 23 WM-Hoffnungsträger am Dienstagabend ihr luxuriöses Turnierquartier im ansonsten arg trostlosen Watutinki vor den Toren Moskaus bezogen. Begleitet wird die DFB-Elf von der Hoffnung auf einen historischen Titel, von sportlichen Enttäuschungen in den abschließenden Testspielen und - immer noch - von den Nachwehen der "Erdogan-Affäre" um Mesut Özil und Ilkay Gündogan.

Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff hatte vor dem Abflug aus Frankfurt noch einmal versucht, den schwelenden Erdogan-Brand endgültig auszutreten. Allerdings musste er zugeben, dass wohl keine Chance auf eine weitere Aufklärung bestehe: Gündogan hat sich zur Foto-Affäre geäußert, Özil zieht es vor, weiter eisern zu schweigen. "Ich gehe davon aus, dass er das durchzieht", sagte Bierhoff der "Bild"-Zeitung. "Ob es in diesem Fall richtig und gut für ihn ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Konsequenzen haben wir ihm aufgezeigt, er kennt sie aus Erfahrung", sagte Bierhoff, der beiden Spielern attestierte, "nicht bösartig", sondern lediglich "naiv und gedankenlos" gehandelt zu haben. Er warb zugleich um "positive Unterstützung unserer Fans", wie es zuvor schon Angela Merkel in der ARD-Talkshow "Anne Will" getan hatte.

Thomas Müller: "Es kribbelt"

Bierhoff wäre das leidige Thema gerne los, schließlich geht es in Russland eigentlich um einen Kraftakt von sporthistorischem Ausmaß: Das WM-Turnier werde dem von allen Gegnern gehetzten Weltmeister "Übermenschliches" abverlangen, sagte Löw, der als erster Trainer seit dem Italiener Vittorio Pozzo (1934/1938) zum zweiten Mal den Titel holen kann: "Es wird wahnsinnige Widerstände geben. Frankreich ist besser geworden, Spanien ist besser geworden, Brasilien sowieso - und Argentinien auch."

Und wo steht Deutschland? Eine erste belastbare Antwort auf diese Frage wird es wohl am Sonntag (17.00 Uhr MESZ) im Auftaktspiel gegen Mexiko im Luschniki-Stadion von Moskau geben.

"Das erste Gruppenspiel ist immer ein Knackpunkt, da kribbelt es", sagte Thomas Müller. Die lausige Generalprobe gegen Saudi-Arabien sei längst vergessen: "Es gibt keinen Grund, jetzt Trübsal zu blasen. Wir sind Weltmeister", sagte Müller locker, "und wir haben viele Spieler, die in einem topfitten Zustand sind."

Willkommen am Ende der Welt

Deutschland Ankunft Nationalmannschaft im Hotel (picture-alliance/GES/T. Eisenhuth)

Ankunft der Mannschaft in Watutinki

Optimistische Stimmung also beim deutschen Chef-Optimisten - eher trostlose Atmosphäre dagegen im deutschen WM-Lager: Watutinki ist schmucklos, kein Vergleich mit dem idyllisch abgelegenen Campo Bahia in Brasilien vor vier Jahren, das als wichtiger Baustein für den Titel gesehen wird. "Jammern gilt nicht", betonte Löw, der dem Turnier "in freudiger Erwartung" entgegenfiebert. Seine Spieler schlossen sich an: "Wir wollen Geschichte schreiben", sagte Toni Kroos, der nicht erst seit seinem neuerlichen Champions-League-Triumph mit Real Madrid weiß, wie das geht.

Für den erneuten Coup, die erste erfolgreiche Titelverteidigung seit Brasilien 1962, müsse alles passen, insistierte der Bundestrainer. Kleinigkeiten könnten "einen riesigen Effekt haben". Womöglich auch solche Kleinigkeiten wie die Befürchtung, dass bei der WM verdiente Spieler ausgepfiffen werden, weil sie sich mit dem türkischen Präsidenten haben fotografieren lassen?

Doch vielleicht bleiben die Pfiffe auch aus, weil weder Gündogan noch Özil gegen Mexiko auf dem Platz stehen werden. Gündogan ist hinter Kroos und Sami Khedira nur Ersatz, Özil plagen immer noch Kniebeschwerden. Alternativen für den Spieler des FC Arsenal sind Marco Reus und Julian Draxler.

asz (sid, dpa)

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