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Sport

DFB setzt auf Projekte in Entwicklungsländern

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist ein wichtiger Akteur der internationalen Sportförderung. In vielen Entwicklungsländern unterhält er Projekte, die dort langfristig für eine Verbesserung der Strukturen sorgen sollen.

Die deutsche Trainerin Monika Staab mit pakistanischen Mädchen (Foto: dpa)

Die Deutsche Monika Staab trainiert Mädchen in Pakistan

Ruanda in Ostafrika: "Land der tausend Hügel" wird es wegen seiner abwechslungsreichen Landschaft genannt. Doch vor allem wird es mit dem blutigen Konflikt zwischen Hutu und Tutsi in Verbindung gebracht. Der Völkermord 1994 an den Tutsi forderte rund eine Million Opfer. Davon kann sich ein Land so schnell nicht erholen, aber immerhin wirtschaftlich geht es seit Jahren bergauf.

Michael Weiß hat die letzten vier Jahre in Ruanda gelebt und gearbeitet. "Fußball hat hier eine enorme Bedeutung und ist auch für das Verständnis untereinander wichtig", sagt der Trainer. 2007 begann er mit seinem Langzeitprojekt, bei dem er die Jugendarbeit verbesserte, dem Frauenfußball Strukturen gab und bei der Trainerausbildung half. "Der Frauenfußball war zum Beispiel überhaupt noch nicht entwickelt. Heute gibt es eine der wenigen funktionierenden Ligen in Ostafrika mit Spielen an jedem Wochenende", berichtet er. Auch eine U-17-Liga der Herren hat inzwischen den Spielbetrieb aufgenommen.

"Wir fordern immer auch eigene Verantwortung ein"

Die Nationalmannschaft Ghanas Foto: dpa)

Wie Ghana an der WM teilnehmen wollen viele Länder - der DFB fördert den Wunsch

Basisarbeit, die dem Fußball in dem ostafrikanischen Land langfristig helfen soll. Ruanda gehört zu den Entwicklungsländern, mit denen der Deutsche Fußball-Bund eine Kooperation unterhält. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Auswärtigen Amt werden und wurden verschiedene Projekte durchgeführt. Andere Länder, in denen der DFB auf ähnlicher Ebene tätig ist, sind zum Beispiel Aserbaidschan, Mosambik oder Namibia. "Schwerpunkt unserer Arbeit sind Talentförderung, Trainerausbildung und Administration", erklärt Markus Weidner, der beim DFB für internationale Beziehungen verantwortlich ist. Doch damit ein Projekt erfolgreich ist und die Arbeit auch wirklich etwas bewirkt, bedarf es vieler Voraussetzungen, sagt Weidner. Gute Kooperation mit den Akteuren im Partnerland zum Beispiel. "Da fordern wir immer auch eine eigene Verantwortung mit ein. Sonst heißt es schnell: ´Prima, macht ihr mal´. Aber mit Beendigung des Projektes zerfällt dann wieder alles."

"Wir können nicht in kürzester Zeit alles umdrehen"

Aber auch von den deutschen Experten wird viel verlangt, so Weidner: "Deswegen schauen wir in erster Linie nach Experten, die die höchste Trainerlizenz haben, aber auch einen pädagogischen Hintergrund mitbringen. Denn sie sollen ja als Ausbilder wirken. Insofern unterscheidet sich die Arbeit in der Tat auch ganz erheblich von einem deutschen Spitzentrainer, der im Privatvertrag als Trainer einer Nationalmannschaft in einem Entwicklungsland tätig ist."

Diese Erfahrung hat auch Michael Weiß in Ruanda gemacht. Auch hier gilt die größte Aufmerksamkeit der handelnden Akteure der A-Nationalmannschaft. "Das ist eine Prestigesache, hinter der auch der Präsident des Landes steht", sagt Weiß. Die Spitzentrainer werden hofiert und verdienen viel Geld. "Aber inzwischen erkennt der Verband auch, dass Erfolg auf Dauer nur möglich ist, wenn die Jugend ausgebildet wird." Gerade zu Beginn seines Projekts lief bei Weiß nicht alles glatt. "Ich hätte vielleicht einen noch größeren Schritt machen können, hätte ich mich am Anfang ein bisschen zurückgehalten und die Dinge nicht so sehr gepusht und kritisiert. Das ist deren Land, wir sind nicht die, die hier alles umdrehen können innerhalb kürzester Zeit", sagt er jetzt kurz vor Abschluss des Projekts.

Projekt in Ruanda soll fortgesetzt werden

Zwei Jungen spielen in Kigali (Ruanda) mit einem selbst gemachten Ball Fußball (Foto: dpa)

Auch die Kinder Ruandas träumen von der großen Fußballwelt

Schwierigkeiten, die auch Markus Weidner vom DFB sieht: "Ein großer Fehler ist es, zu schnell zu viel zu erwarten. Das mussten wir auch lernen. Die Dinge entwickeln sich in solchen Ländern langsamer, aber im Fall Ruanda entwickeln sie sich auf jeden Fall in die richtige Richtung." Eindrücke, die in die Evaluation des Projekts einfließen - ein wichtiger Baustein der Arbeit: Leben die Projekte doch vor allem von den Erfahrungen der Akteure, die dann einschätzen können, welche Hilfe wo Sinn machen könnte. So auch in Ruanda. Der Fußballverband wünscht sich, dass das Projekt auch in den kommenden Jahren fortgesetzt wird. Ein Konzept dafür ist zurzeit in Arbeit.

Weiß zieht auf jeden Fall eine positive Bilanz seines Engagements, auch wenn er sich im Nachhinein gewünscht hätte, besser vorbereitet gewesen zu sein. "Für mich war es das erste Projekt dieser Art und ich bin mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen worden. Es musste schnell gehen und da war dann einfach keine Zeit mehr", erzählt Weiß. Schulungen und ein Besuch im jeweiligen Land, bevor die wirkliche Arbeit losgeht, hält er für eine sinnvolle Vorbereitung. Der DOSB ist gerade dabei, gezieltere Vorbereitungskurse für Sporttrainer zu entwickeln, die im Rahmen der internationalen Sportförderung im Ausland arbeiten sollen.

Trainerausbildungen in Hennef und Koblenz

Hilfe zur Selbsthilfe geben ist auch auf dem Gebiet des Fußballs eine anspruchsvolle Aufgabe, die nichts mit dem simplen 'Almosen an arme Länder verteilen' zu tun hat. Für Weidner und Weiß steht aber fest: Die Sportförderung kann mit geringen finanziellen Mitteln viel bewirken. "Manchmal mehr als die Politik", meint Weidner. "Ich sehe die Sportförderung als ein Instrument für den Abbau von sozialen Spannungen und für Friedenssicherung an." Als Beispiel nennt er das von DFB und Auswärtigem Amt organisierte Turnier "Four Countries 4 Peace". Mannschaften aus den Nachbarländern Ruanda, dem Kongo, Burundi und Uganda nahmen daran teil. Die Spiele wurden auf beiden Seiten der ruandisch-kongolesischen Grenze ausgetragen und sollten einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten.

Neben den Auslandsprojekten bietet der DFB außerdem ausländischen Trainern Lehrgänge in Hennef und Koblenz an. In den mehrwöchigen Kursen können Trainerscheine verschiedener Kategorien erworben werden. Hier findet auch eine Verzahnung mit den Auslandsprojekten statt: 2008 war Grâce Nyinawumuntu aus Ruanda in Koblenz zu Gast. Die Sportlehrerin und Fußballtrainerin wurde nach beendeter Ausbildung erste Nationaltrainerin des ruandischen Frauenteams.

Autor: Felix Hoffmann
Redaktion: Wolfgang van Kann