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Fußball

DFB-Schiedsrichter unter Verdacht

Der europäische Fußball wird vom größten Betrugsskandal seiner Geschichte erschüttert. In neun Ländern soll die Wettmafia Spiele manipuliert haben. Angeblich ist auch ein DFB-Referee in den Skandal verwickelt.

Pressekonferenz der Behörden (Foto: AP)

Polizei und Staatsanwaltschaft informieren über den Skandal

Die Zahlen sind schon jetzt schwindelerregend hoch. Nach den bisherigen Erkenntnissen wurden rund 200 Spiele manipuliert. "Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs", sagte der Bochumer Polizeidirektor Friedhelm Althans. Die Ermittler waren über abgehörte Telefongespräche im Rotlicht-Milieu des Ruhrgebiets auf die Betrügereien aufmerksam geworden. Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle sollen Bestechungsgelder kassiert haben. So wurden offenbar die Ergebnisse von Spielen beeinflusst, auf die hohe Geldsummen gesetzt worden waren.

Wettbüro (Foto:AP)

Sportwetten - alles andere als sportlich

Betroffen waren nach den Ermittlungen Spiele in Deutschland, Belgien, Österreich, der Schweiz, Kroatien, Bosnien, Slowenien, Ungarn und der Türkei. Selbst in drei Champions-League-Spielen und zwölf Europa-League-Partien der laufenden Saison soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Welche Folgen das hat, wollte Peter Limacher vom Europäischen Fußballverband UEFA noch nicht preisgeben. Erst müssten die Verantwortlichen festgestellt werden. "Dann sprechen wir über die Konsequenzen."

Kroate Sapina unter den Verhafteten

Der fruehere Schiedsrichter Robert Hoyzer verlaesst im November 2005 das Gericht in Berlin. Foto: AP

Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer

Die Manipulationen wurden offenbar hauptsächlich von Deutschland aus gesteuert. Es gebe 200 Verdächtige, teilten die Ermittler mit. 17 Personen wurden festgenommen, 15 davon in Deutschland. Darunter ist auch Ante Sapina. Der Kroate war Hauptdrahtzieher des Manipulationsskandals um den deutschen Schiedsrichter Robert Hoyzer, der 2005 den deutschen Fußball in seinen Grundfesten erschüttert hatte. Sapina und Hoyzer hatten Haftstrafen abgesessen, der Kroate aber offenbar nichts daraus gelernt. "Wir hatten gedacht, dass mit dem Fall Hoyzer dieses Thema ausgestanden wäre", sagte Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL). "Das war ein Irrtum." Rauball will sich beim für den Sport zuständigen neuen Bundesinnenminister Thomas de Maiziere für härtere Gesetze stark machen. Wettmanipulation, so der DFL-Chef, müsse ein eigener Straftatbestand werden. De Maiziere sieht die Verantwortung zunächst aber beim Sport und bei den ermittelnden Behörden. Sie müssten weitere Schritte einleiten. Der Wettskandal, sagte der CDU-Politiker, sei "ganz schlecht für den Sport".

"Wo es Geld gibt, ist Korruption"

Der Vereinschef des Drittligisten VfL Osnabrück, Dirk Rasch. Foto: AP

Osnabrücks Vereinschef Rasch

In Deutschland sollen 32 Spiele manipuliert worden sein. Partien der ersten Bundesliga sind bisher nicht dabei, jedoch vier der zweiten Liga. Angeblich werden unter anderem Spieler des Zweitliga-Absteigers VfL Osnabrück verdächtigt. Vereinschef Dirk Rasch sagte, er wolle sich zu den Verdächtigungen nicht äußern. "Wichtig ist für uns zu betonen, dass der Verein VfL Wolfsburg der Leidtragende ist." Der Landesligist Würzburger Kickers teilte mit, einer seiner Spieler gehöre zu den Verhafteten. Er sei bereits in einen früheren Wettskandal verwickelt gewesen.

Ins Visier der Ermittler soll auch ein DFB-Schiedsrichter geraten sein. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Der Unparteiische soll bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmaßlichen Wett-Betrügern kassiert haben.

Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), zeigte sich, zumindest nach außen hin, von den neuen Enthüllungen wenig überrascht: "Überall wo es Geld gibt, ist Korruption. Das ist auch bei uns so. Das können wir gar nicht ausschließen." Er sei froh, dass die Staatsanwaltschaft mit Nachdruck ermittle. Der DFB werde, wenn es notwendig sei, "die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen".

Immer mehr Live-Wetten

Ein Monitor n einem Wettbuero zeigt Partien und Quoten. Foto: AP

Schwer zu überwachen

Nach dem Hoyzer-Skandal 2005 hatten DFB und DFL mit dem Unternehmen Sportradar zusammengearbeitet, das den Wettmarkt regelmäßig auf ungewöhnliche Veränderungen der Wettquoten untersucht. Dieses Frühwarnsystem konnte die neuen Manipulationen offenkundig nicht verhindern. Der Wettmarkt hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Immer beliebter sind Live-Wetten geworden. Sie beginnen erst, wenn der Ball rollt, und sind nur schwer zu überwachen.

Uli Hoeneß, Manager des deutschen Rekordmeisters Bayern München, warnt davor, angesichts des neuen Wettskandals in Panik zu verfallen. Er finde das Ganze zwar schlimm, "aber nicht so dramatisch, dass man sich jetzt stundenlang darüber aufregen muss. Ich sage nur eines: Staatsanwaltschaft, übernehmen Sie! Stecken Sie die gnadenlos in den Bau. So lange wie möglich, damit sie Zeit haben zum Nachdenken. Und das war's für mich."

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Dirk Eckert/Marko Langer

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