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Fußball

DFB gegen EM-Boykott

Am 8. Juni startet die Fußball-Europameisterschaft. Wegen Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine mehren sich die Rufe nach einem EM-Boykott. DFB-Präsident Niersbach lehnt dies kategorisch ab.

Wolfgang Niersbach hat sich als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ausdrücklich gegen einen Boykott der Fußball-Europameisterschaft 2012 in der Ukraine ausgesprochen. "Unsere Position ist seit vielen Tagen klar, und ich kann nur wiederholen, dass wir absolut gegen einen sportlichen Boykott sind. Das ist auch die einhellige Meinung der Bundesregierung", sagte Niersbach am Rande eines Medientermins in Köln. "Wenn da einmal Stimmen von hinteren Plätzen auftauchen, registrieren wir das, finden das aber nicht so gut, weil diese Dinge natürlich auch in die Ukraine transportiert werden."

Zuletzt hatten vor allem deutsche Politiker gefordert, wegen des Umgangs der ukrainischen Regierung mit der erkrankten früheren Ministerpräsidentin Julia Timoschenko EM-Partien in ein anderes Land zu verlegen oder das Turnier ganz zu boykottieren. Die frühere Regierungschefin Timoschenko, die an Bandscheibenproblemen leidet, verbüßt eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Die Europäische Union kritisiert ihre Haft als politisch motiviert. Aus Protest gegen ihre Haftbedingungen befindet sich Timoschenko im Hungerstreik. Die Ukraine ist gemeinsam mit Polen Gastgeber der Fußball-EM vom 8. Juni bis 1. Juli.

"Von der Heftigkeit überrascht"

Vor dem Olympiastadion von Kiew ist ein übergroßer Fußball mit dem Logo der UEFA Euro 2012 aufgestellt. (Foto: Jens Kalaene)

Fußball in der Ukraine? Vor allem deutsche Politiker fordern einen EM-Boykott

Aktuell könne er nicht erkennen, dass der DFB seine Position ändern müsste, betonte Niersbach. "Wir stehen in ständigem Kontakt zur Bundesregierung. Uns hat das Thema nicht überrascht, uns hat es in der Heftigkeit überrascht. Aber das ist nachzuvollziehen, weil Frau Timoschenko in Hungerstreik getreten ist und sich die Lage deshalb zugespitzt hat", ergänzte der DFB-Chef.

Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat sich bisher geweigert, Timoschenko frei zu lassen oder zur medizinischen Behandlung ihres Bandscheibenvorfalls ausreisen zu lassen. Niersbach hofft hier auf ein Umdenken. "Wir appellieren als Sportverband. Es wäre ein Zeichen der Humanität, wenn Timoschenko zur Behandlung nach Deutschland kommen darf", sagte der 61-Jährige. "Wir setzen darauf, dass Präsident Janukowitsch sich bewegt."

Der Fußball habe in diesem Zusammenhang bereits viel bewirkt, der positive Effekt sei schon eingetreten, ergänzte Niersbach. "Denn nur über die bevorstehende Europameisterschaft ist dieses Thema zu einem Thema für die Weltöffentlichkeit geworden."

Kein Plan B

Falsch sei die Meldung gewesen, so Niersbach, dass es vor eineinhalb Jahren schon einen Plan B gegeben hätte, nach dem der DFB und Deutschland als Gastgeber einspringen sollten. "Das ist nie mit uns diskutiert worden, auch mit der UEFA nicht", betonte der DFB-Präsident. "Überhöht den Sport nicht, überfordert uns nicht als Sportverband! Unsere Position ist klar, aber die Dinge müssten auf der politischen Ebene gelöst werden", forderte Niersbach.

In Sachen Sicherheit verwies er auf die "eindeutige Zuständigkeit" der UEFA und des lokalen Organisationskomitees. Die UEFA sei am vergangenen Montag mit Vertretern Polens und der Ukraine zusammengetroffen. Danach habe es ein Statement gegeben, "dass es keine Bedenken gibt. Darauf vertrauen wir, genauso wie wir es 2010 in Südafrika getan haben. Da gibt es keine Zweifel."

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