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Sommermärchen-Affäre

DFB droht Millionen-Nachzahlung

Das könnte richtig teuer werden: Das Finanzamt soll nach Medienberichten Steuer-Nachzahlungen von bis zu 25 Millionen Euro wegen der "Sommermärchen-Affäre" um die WM 2006 vom DFB verlangen.

Die Affäre um die WM-Endrunde 2006 kommt den Deutschen Fußball-Bund (DFB) womöglich noch teuer zu stehen. Wegen der Verschleierung einer weiterhin ungeklärten Millionen-Zahlung der WM-Macher an den Weltverband FIFA soll das zuständige Finanzamt Frankfurt I insgesamt zwischen 20 und 25 Millionen Euro vom Verband fordern. Das berichten die Süddeutsche Zeitung am Donnerstagabend nach gemeinsamen Recherchen mit WDR und NDR unter Berufung auf Experteneinschätzungen von Behördenunterlagen.

Demnach geht die Steuerfahndung des Finanzamtes Frankfurt I nach über einjährigen Ermittlungen zu den mysteriösen Vorgängen von 2005 von einem schweren Fall der Steuerhinterziehung durch frühere DFB-Funktionäre aus. Die SZ zitiert aus einem Vermerk der Behörde vom 24. Januar dieses Jahres, wonach der DFB ein privates Darlehen für Beckenbauer über die fraglichen 6,7 Millionen Euro verschleiert habe. Das Blatt zitiert in diesem Zusammenhang die Begriffe "Luftbuchungen" und "Scheingeschäfte". Der DFB teilte am Donnerstagabend mit, dass "die Finanzverwaltung die Fachanwälte des DFB  angeschrieben hat und rechtliches Gehör gewährt". Eine Stellungnahme werde fristgrecht abgegeben.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte kurz nach der Aufdeckung der Affäre Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem schweren Fall eingeleitet. Die früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie der ehemalige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt gelten in dem Verfahren als Beschuldigte. Die kolportierte Millionen-Forderung des Fiskus soll sich aus der laut Bild-Zeitung 2,72 Millionen Euro betragenden Nachzahlung für die an die FIFA gezahlten und nicht versteuerten 6,7 Millionen Euro, sowie den seit 2006 aufgelaufenen Zinsen dafür und weiteren Zahlungen durch eine drohende Aberkennung der Gemeinnützigkeit des DFB für das Jahr 2006 zusammensetzen. Ein entsprechend korrigierter Bescheid soll SZ-Angaben zufolge bis zum Sommer an den DFB ergehen.

DFB-Anwalt: "ungerechtfertigte Nachforderungen"

Laut SZ hält DFB-Steueranwalt Jan Olaf Leisner die mutmaßlichen Nachforderungen für "ungerechtfertigt". Der Jurist würde dem Verband empfehlen, "gegen derartige Bescheide vorzugehen". Leisner bezeichnet demnach die als Kostenbeitrag für eine WM-Gala deklarierte Millionen-Zahlung an die FIFA zur Tilgung eines Darlehens des Unternehmers Robert Louis-Dreyfus als "betrieblich veranlasst". Deswegen sieht der DFB-Anwalt die Zahlung trotz der falschen Bezeichnung auch nicht als Verstoß gegen das Steuerrecht. "Es fehlt", hieß es auch in der DFB-Erklärung vom Donnerstag weiter, "nach der derzeitigen Bewertung durch die Fachanwälte des DFB an den Voraussetzungen für den Erlass geänderter Steuerbescheide und die nachträgliche Aberkennung der Gemeinnützigkeit".

Die WM-Organisatoren hatten vor zwölf Jahren 6,7 Millionen Euro an die FIFA überwiesen. Der Weltverband leitete das Geld an Dreyfus weiter, der dem deutschen WM-Organisationskomitee diese Summe Jahre zuvor gegen einen Schuldschein von WM-Chef Franz Beckenbauer vorgeschossen haben soll. Mit dem Geld soll ein späterer Organisationszuschuss der FIFA über 170 Millionen Euro abgesichert worden sein. Der tatsächliche Verwendungszweck des Geldes allerdings ist nicht zuletzt wegen entsprechender Geldflüsse auch über ein auf Beckenbauer laufendes Konto nach Katar zum früheren FIFA-Strippenzieher Mohamed Bin Hammam weiterhin unklar.

to/og (sid)

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