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Wirtschaft

Deutschlands Wirtschaft tritt auf der Stelle

Die deutsche Wirtschaft ist vom Wachstumspfad abgekommen. Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt nur noch marginal zu. Das hat auch das Wachstum in der Eurozone insgesamt kräftig gebremst.

Konjunktur Symbolbild (Quelle: bilderbox)

Das hat viele Experten auf dem falschen Fuß erwischt: Nach Zahlen, die das Statistische Bundesamt am Dienstag (16.08.2011) in Wiesbaden veröffentlichte, ist der deutsche Aufschwung im zweiten Quartal praktisch zum Erliegen gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen April und Juni gegenüber dem ersten Quartal des Jahres nur noch leicht um 0,1 Prozent zu. Viele Beobachter hatten zumindest mit einem Plus von einem halben Prozent gerechnet. Die Statistiker in Wiesbaden vermerkten das langsamste Wachstum seit dem Jahresbeginn 2009: Damals hatte die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreicht.

Arbeiter beim Betonieren (Foto: apn)

Es gibt weniger zu tun am Bau - das bremst die Konjunktur

Bau und Außenhandel bremsen

Ursache für diese Vollbremsung sind nach Angaben der Statistiker zum einen sinkende Konsumausgaben der privaten Verbraucher und zum anderen schrumpfende Investitionen in der Baubranche. Zudem kamen auch vom Außenhandel negative Impulse: Zwar legte der Export weiter zu, doch die Importe stiegen schneller als die Exporte. Das schmälert den Beitrag des Außenhandels zum Wachstum. Dagegen zogen die Investitionen der Unternehmen an und sicherten damit zumindest das kleine Plus. Und dieses Plus wird größer, wenn man den Fokus erweitert: Im Vergleich zum Vorjahresquartal hat die Wirtschaftsleistung um immerhin 2,8 Prozent zugelegt. Aber auch hier werden Bremsspuren sichtbar: Im ersten Quartal hatte das BIP im Jahresvergleich ein Plus von fast fünf Prozent aufzuweisen.

Experten überrascht

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank (Foto: Commerzbank AG)

Jörg Krämer erwartet weiteres Wachstum

Volkswirte reagierten überrascht auf die unerwartete Abkühlung der Konjunktur. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank etwa sieht eine Ursache in Bauinvestitionen, die auf Grund der milden Witterung ins erste Quartal vorgezogen worden seien. Vor allem aber habe die weltweite Konjunkturabkühlung der Exportnation Deutschland zugesetzt. "Auch Deutschland kann sich nicht völlig abkoppeln vom Rest der Weltwirtschaft", so Krämer gegenüber Reuters. Auch in seinen Szenarien zeigten die Frühindikatoren mittlerweile nach unten. Dennoch erwartet Krämer für 2012 noch immer zwei Prozent Wachstum für Deutschland. Andreas Scheuerle von der Dekabank rätselt über die sinkenden Konsumausgaben: "Das passt nicht zu den Rahmenbedingungen wie höheren Lohnabschlüssen und einem Plus bei den Beschäftigtenzahlen."

Deutschland ist nicht allein

Auch in anderen führenden Industrienationen hat sich das Wachstum zum Teil deutlich abgekühlt. Die USA als noch immer weltgrößte Volkswirtschaft verzeichnen derzeit nur ein kleines Plus von 0,3 Prozent. In Japan schrumpfte die Wirtschaft als Folge von Tsunami und Atomkatastrophe um 0,3 Prozent. In Frankreich – immerhin Deutschlands wichtigster Handelspartner kam das Wirtschaftswachstum ebenfalls zum Erliegen. Wenn aber mit Deutschland und Frankreich gleich zwei Wachstumstreiber ausfallen, dann kann das nur negative Folge für die gesamte Euro-Zone haben: Nur um 0,2 Prozent konnte die Wirtschaft in den 17 Euro-Ländern zulegen, teilte die europäische Statistikbehörde in Luxemburg am Dienstag mit. Im ersten Quartal hatte der Aufschwung deutlich mehr Fahrt, da waren es immerhin 0,8 Prozent Zuwachs.

Autor: Henrik Böhme (mit rtr, dapd)
Redaktion: Monika Lohmüller

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