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Kultur

Deutschlands Schulen holen auf

Die Leistung deutscher Schüler hat sich seit dem Jahr 2000 kontinuierlich verbessert. Allerdings bestehen weiter erhebliche Unterschiede im Bildungsniveau.

Gymnasiasten in Frankfurt (Oder), Quelle: dpa

Gymnasiasten in Frankfurt an der Oder

Sachsen ist der große Sieger des nationalen Pisa-Tests und hat sich auch international in der Spitze etabliert. Das geht aus dem am Dienstag (189.11.2008) in Berlin von der Kultusministerkonferenz veröffentlichtem Länderbildungsvergleich hervor. Demnach ist Sachsen nicht nur beim Schwerpunktthema Naturwissenschaften auf Rang eins, sondern auch in den beiden anderen Bereichen Mathematik und Lesen. Bayern als bisheriger Spitzenreiter fiel beim dritten Ländervergleich jeweils auf Platz zwei zurück. Die ostdeutschen Länder drängen insgesamt stark nach vorn. Im aktuellen PISA-Untersuchungsschwerpunkt Naturwissenschaften liegen 13 Bundesländer mit ihren Leistungen inzwischen über dem Schnitt der Industrienationen.

Ein Siebtklässler in Bremen, Quelle: AP

Ein Siebtklässler in Bremen

Wenig Bewegung gibt es dagegen bei der Schlüsselkompetenz Lesen/Textverständnis. Noch immer kann jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland auch einfache Texte nicht richtig verstehen. In Mathematik und Lesen liegen nur vier beziehungsweise fünf Länder über dem Durchschnitt, drei beziehungsweise fünf liegen darunter. Die Forscher testeten bei dem Bundesländer-Vergleich rund 57.000 Schüler im Alter von 15 Jahren aus etwa 1500 Schulen.

Direkt hinter Finnland

Im internationalen Vergleich ist Sachsen in den Naturwissenschaften direkt hinter Sieger Finnland auf Rang zwei platziert. Auch bei der Lesekompetenz und Mathematik liegt das Land deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Sachsen habe sehr erfolgreich auf die demografischen Veränderungen reagiert, erklärte der Koordinator der nationalen Studie, Manfred Prenzel. Man habe sich vornehmlich Inhalten im Unterricht zugewandt.

Zudem habe man sich dort Probleme mit der Schulstruktur "vom Halse geschafft". Sachsen, Thüringen und auch Sachsen-Anhalt haben gleich nach der Einheit eine zweigliedrige Schulstruktur eingeführt - ohne Hauptschule.

Schulanfänger in Dresden, Quelle: dpa

Schulanfänger in Dresden

Insgesamt sind der neuen Studie zufolge seit Pisa 2000 in allen drei Kompetenzbereichen in den Ländern Verbesserungen sichtbar. Die größten Zuwächse sind in den Naturwissenschaften zu verzeichnen, die geringsten im Lesen. Auch Bremen hat sich stark verbessert, ist aber erneut Schlusslicht. 15-Jährige haben dort gegenüber Gleichaltrigen aus Sachsen einen Lernrückstand von zwei Schuljahren.

Herkunft entscheidet über Lernerfolg

Trotz der Verbesserungen ist in Deutschland aber auch der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Lernerfolg weiter besonders stark. Zudem weist die große Mehrzahl der Bundesländer erhebliche Anteile leistungsschwacher Schüler auf. Starke Unterschiede gibt es zwischen Jungen und Mädchen. Während in allen Ländern die Schülerinnen beim Lesen deutlich bessere Ergebnisse erzielten als Schüler, war es in Mathematik umgekehrt. Positiv fällt auf, dass die Zahl der Sitzenbleiber sich in allen Ländern verringerte.

Die Kultusminister sehen die Studie als Beleg dafür, dass die Schulen auf einem guten Reformkurs seien. Nach dem Schock über das schlechte PISA-Abschneiden beim ersten Test vor sechs Jahren gebe es inzwischen in allen Bundesländern deutliche Leistungsverbesserungen, unterstrichen die Minister in Berlin. Ungeachtet des großen Leistungsgefälles zwischen den Ländern zeigte sich die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zuversichtlich: "Die Schere schließt sich." Auch Länder "am unteren Rand" der Leistungsskala hätten deutlich aufgeholt.

"Besorgniserregende Ungleichheit"

Die Lehrerverbände bewerteten die Ergebnisse sehr unterschiedlich. Der Deutsche Philologenverband bezeichnete die Ergebnisse als "insgesamt erfreulich und positiv". Der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger zeigte sich erfreut: "Fast alle Bundesländer haben sich zum Teil sogar signifikant verbessert." Besorgnis erregend sei dagegen die enorme Differenz innerhalb Deutschlands, sagte der Vorsitzende der Interessenvertretung der Gymnasiallehrer.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erklärte am Dienstag, zentrale Probleme seien weiterhin mangelhafte Chancengleichheit, ein großer Anteil schwacher Schüler sowie eine starke Leistungsspreizung innerhalb und zwischen den Bundesländern. "Nach der Zeit des Messens und Wiegens muss endlich die Zeit des Fütterns folgen", erklärte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. Die Probleme müssten endlich an den Wurzeln gepackt werden und vor allem die schwächeren Schüler gefördert werden. "Halbherzige Absichtserklärungen, wie der Bildungsgipfel sie jüngst verabschiedet hat, ignorieren den Problemdruck", sagte Demmer. (stu)

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