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Amerika

Deutschlands neue Lateinamerika-Politik

Die deutsche Wirtschaft soll vom Wachstum in Lateinamerika profitieren. Das Bundeskabinett hat mit einem neuen Konzept dafür die Weichen gestellt. Es soll auch helfen, die Konkurrenz auf Abstand zu halten.

Blick über die Bucht bei Botafogo auf den Zuckerhut in Rio de Janeiro (Foto: dpa)

Deutschland will eine engere Beziehung zu Lateinamerika

Viele der Staaten in Lateinamerika haben in den letzten Jahren international stark an Bedeutung gewonnen und werden von anderen Ländern umworben. Damit Deutschland nicht abgehängt wird, will die Bundesregierung die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den aufstrebenden Staaten Lateinamerikas massiv verstärken. Mit dem neuen Lateinamerika-Konzept werden die Beziehungen zu den insgesamt 33 Ländern Lateinamerikas und der Karibik auf eine neue Grundlage gestellt.

Großes Potenzial durch WM und OL

Bundesaußenminister Westerwelle und die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner (Foto: AP)

Besuchte im Frühjahr auch Argentinien und seine Präsidentin Kirchner: Bundesaußenminister Westerwelle

Bundesaußenminister und Vizekanzler Guido Westerwelle leitete am Mittwoch (04.08.2010) zum ersten Mal in Urlaubs-Vertretung für Kanzlerin Angela Merkel die Sitzung des Bundeskabinetts, in der das 64-Seiten-Papier verabschiedet wurde. Westerwelle sagte nach der Kabinettssitzung, Lateinamerika, mit dem Europa und Deutschland gemeinsame Werte teile, sei auch ihm "ganz persönlich ein sehr wichtiges Anliegen". Es handle sich um eine Weltregion, die in Europa unterschätzt werde und um einen der dynamischsten Wachstumsmärkte.

In den meisten Ländern der Region bestehe durch den Wirtschafts-Boom Bedarf für einen Ausbau der Infrastruktur, heißt es in dem Lateinamerika-Konzept. Hier biete sich großes Potenzial für ein Engagement der deutschen Wirtschaft. Ein gutes Beispiel sei Brasilien, das mit der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Sommerspielen 2016 vor besonderen Herausforderungen stehe.

Beste Voraussetzungen für deutsche Unternehmen

Für deutsche Unternehmen interessant sind große Vorhaben wie der Bau von Straßen, Eisenbahnlinien, Häfen, Flughäfen und Logistikzentren. Aber auch im Bereich Bergbau werde Deutsche Spitzentechnologie gefragt sein, genauso wie bei den erneuerbaren Energien, in der Umwelttechnik und im Gesundheitsbereich, heißt es in dem Konzept. Deutsche Unternehmen hätten beste Voraussetzungen, bei der Modernisierung der Energieerzeugung in Lateinamerika zu helfen.

Hilfe gegen ausländische Konkurrenz

LKW fahren durch El Cerrejón, eine Steinkohlemine in Kolumbien (Foto: AP)

Im Lateinamerikanischen Bergbau ist deutsche Spitzentechnologie gefragt

Außerdem verweist das Papier auf die bedeutenden Rohstoff-Vorkommen in der Region, wo große Lagerstätten mit mineralischen Rohstoffen wie Eisen, Kupfer, Zinn und Lithium liegen. Auch bei der Versorgung der Weltmärkte mit Erdöl und Erdgas werde Lateinamerika künftig eine größere Rolle spielen. Daher will die Bundesregierung konkrete Vorhaben der Industrie beim Zugang zu Rohstoffen begleiten und den Unternehmen soweit wie möglich Hilfe leisten. Und so hilft das Konzept auch, der Konkurrenz, die Deutschland aus anderen großen Industrienationen oder China droht, besser standzuhalten.

Kooperation auf breiter Basis

Die deutsche Wirtschaft müsse sich aktiver engagieren, um auf dem südamerikanischen Kontinent das Interesse an einer engen Partnerschaft zu erhalten, heißt es außerdem in dem Konzept. Für die deutsche Wirtschaft sei Lateinamerika nicht nur wichtiger Produktionsstandort, sondern auch "stetig wachsender Absatzmarkt".

Es spielen aber nicht nur Absatz und Märkte eine Rolle, Deutschland will die Kooperation auf breiter Basis deutlich ausbauen. Dabei geht es um vertiefte Beziehungen in der Umwelt- und Klimapolitik ebenso wie um einen verstärkten Austausch in Kultur, Bildung und Wissenschaft. Sicherheitsfragen wie der Kampf gegen Terrorismus und Drogenkriminalität sind ebenfalls ein Thema. Auch bei den Vereinten Nationen will sich Deutschland stärker für Lateinamerika einsetzen, dessen Staaten - genauso wie Deutschland - bisher keinen ständigen Sitz im Sicherheitsrat haben.

Autorin: Pia Gram (dpa, rtr)
Redaktion: Ursula Kissel

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