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Deutschland

Deutschlands neue Bildungsministerin

Nach dem Rücktritt von Bundesbildungsministerin Schavan hat Johanna Wanka das Amt übernommen. Nicht nur mit ihrer Vorgängerin, auch mit Kanzlerin Merkel hat sie Gemeinsamkeiten.

Mit Bildung und Forschung kennt sie sich aus. Als Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg betrat Johanna Wanka im Oktober 2000 zum ersten Mal die große politische Bühne. Seitdem macht die Professorin und ehemalige Hochschulrektorin Bildungspolitik - bis 2009 als Ministerin in Brandenburg, seit 2010 mit gleicher Aufgabe in Niedersachsen. Zudem ist die 61-Jährige auch Bildungskoordinatorin der unionsgeführten Bundesländer in der Kultusministerkonferenz (KMK).

Wanka steht vehement für den Kurs aus Eliten- und Hochschulförderung, wie ihn auch Annette Schavan und Bundeskanzlerin Angela Merkel vertreten. In Niedersachsen verteidigte sie energisch die Studiengebühren, die sonst bundesweit fast vollständig abgeschafft sind. Ein Einwirken des Staates in die Hochschulen lehnt Wanka weitgehend ab. Auch wenn die vielen Plagiatsfälle in jüngster Zeit aus ihrer Sicht das Vertrauen in Politik und Wissenschaft erschüttert haben, setzt sie voll und ganz auf die Autonomie der Hochschulen und auf deren Einsicht, künftig für mehr Eigenkontrolle zu sorgen.

Mit Bundeskanzlerin Merkel teilt Wanka auch die DDR-Vergangenheit. "Das ist ein Stück gemeinsames Schicksal. Beide in der DDR groß geworden, beide in einem naturwissenschaftlichen Fach studiert und promoviert", sagt Politikprofessor Jürgen Falter von der Universität Mainz im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Auch die Art, wie sie mit Politik umgehen - dieses Nüchterne, Pragmatische, auch Vorsichtige. Das teilen auch beide".

In die Politik geriet die in Rosenfeld in Sachsen geborene promovierte Mathematikerin zur Wendezeit im September 1989. Damals war sie Mitglied der DDR-Bürgerrechtsbewegung und Gründungsmitglied des "Neuen Forums" in Merseburg. Doch erst als Ministerin in der Großen Koalition aus SPD und CDU in Brandenburg trat sie im März 2001 in die CDU ein.

Als Spitzenkandidatin chancenlos

Bei der Landtagswahl 2004 errang sie erstmals einen Sitz im brandenburgischen Landtag, dem sie zuvor nicht angehört hatte. Die Koalition aus SPD und CDU wurde nach der Wahl fortgesetzt, Wanka behielt ihr Ministeramt.

In den Landtagswahlkampf 2009 ging sie als Spitzenkandidatin der brandenburgischen CDU, war jedoch gegen SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck chancenlos. Die CDU landete abgeschlagen hinter der SPD und den Linken auf dem dritten Platz. Eine Neuauflage der großen Koalition gab es nicht, Wanka übernahm im Landtag die Rolle der Oppositionsführerin.

Johanna Wanka und Annette Schavan (Foto: dpa)

2010: Johanna Wanka mit Annette Schavan

Wechsel nach Niedersachsen

Trotz einer steilen Karriere in der brandenburgischen CDU entschied sie sich im April 2010, dem Bundesland den Rücken zu kehren und nach Niedersachsen zu wechseln. Dort machte der damalige Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) im Zuge einer größeren Kabinettsumbildung Wanka zur neuen Ministerin für Wissenschaft und Kultur.

Kommentatoren spekulierten damals über mangelnde politische Perspektiven im eher linksgerichteten Brandenburg als Grund für den Wechsel nach Hannover. Wanka wurde die erste ostdeutsche Ministerin in einem westdeutschen Landeskabinett.

Konservativ und pragmatisch

Auch unter dem Wulff-Nachfolger David McAllister behielt Wanka ihr Ministeramt, bis die CDU-geführte Regierung bei der Landtagswahl im Januar 2013 abgewählt wurde. Nachdem zunächst McAllister als möglicher Schavan-Nachfolger gehandelt wurde, hat Angela Merkel mit Johanna Wanka nun eine niedersächsische Kabinettskollegin mit ausgewiesener Fachkenntnis auf dem Gebiet der Bildungspolitik ausgewählt. "Frau Wanka braucht sich auch nicht mehr einarbeiten", sagt Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling von der Universität Tübingen im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Sie war fast neun Jahre Wissenschaftsministerin in Brandenburg und zwei Jahre in Niedersachsen und kennt die Hochschule von innen als ehemalige Hochschullehrerin. Sie wechselt im Grunde genommen nur den Schreibtisch."

Wanka gilt, wie ihre Amtsvorgängerin, als konservativ, pragmatisch und kompetent. Und es gibt eine weitere Gemeinsamkeit: Beide veröffentlichten 1980 ihre Doktorarbeit. "Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potential-theoretischen Mitteln" lautet der Titel von Wankas Arbeit.

Interessant dürfte werden, welche Position die neue Bundesministerin für Bildung und Forschung gegenüber ihren alten Amtskollegen aus den Ländern einnehmen wird. Die Bundesländer fordern geschlossen und mit viel Nachdruck vom Bund beim Hochschulpakt für Studienanfänger einen Nachschlag von 1,9 bis 3,4 Milliarden Euro. In der Planung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gibt es dafür jedoch kein Budget. Wanka befindet sich nach ihrem Amtsantritt also zunächst einmal zwischen den Stühlen.