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Kultur

Deutschlands Kulturgüter gehen online

Deutschland will seine Kulturbestände digitalisieren. Bücher, Bilder, Filme, Noten – das alles soll zukünftig über ein Portal im Internet abgerufen werden können. Die deutsche Antwort auf Google?

Digitalisierungsprojekt in der Anna Amalia Bibliothek (Foto: dpa)

Goethes 'Faust' digital

Kulturstaatsminister Bernd Neumann sprach bei der Bekanntgabe von einem "Jahrhundertprojekt", von einem "Quantensprung in der Welt der digitalen Information." Für die geplante Deutsche Digitale Bibliothek sollen über 30.000 Datenbanken von Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen vernetzt und dann über ein einziges Portal den Bürgern frei zugänglich gemacht werden, "dauerhaft und ohne rein kommerziellen Zweck" - wie Neumann betonte.

Was ist mit den Urheberrechten?

Es ist nicht lange her, dass die Bundesregierung Kritik an dem Unternehmen Google geäußert hatte. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich dafür ausgesprochen, dass Urheberrechte im Internet stärker geschützt werden sollen. Wie nun sieht es mit dem Schutz bei dem deutschen Großprojekt aus? Neumann betonte, Urheber- und Leistungsschutzrechte blieben "selbstverständlich uneingeschränkt gewahrt". Im Unterschied zu Google würden bei der Deutschen Digitalen Bibliothek die Rechteinhaber zuerst gefragt, dann werde gehandelt.

Ein aufgeschlagenes Buch liegt vor einem Computerbildschirm mit dem Logo der Internetsuchmaschine Google (Foto: dpa)

Bereits 10 Millionen Bücher hat Google weltweit digitalisiert

Die Recherche wird leichter

Nun ist die Idee, Kulturbestände zu digitalisieren und damit auch zu archivieren nicht neu. Aber bislang gebe es eben keine zentrale Stelle, an der man die Inhalte abrufen könne, sagt Ute Schwens, die Direktorin der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main und Vorsitzende der Fachgruppe Deutsche Digitale Bibliothek. In Zukunft könne man - so die Idee - zu einem Stichwort Inhalte zentral und medienübergreifend recherchieren. Gebe man beispielsweise den Komponisten "Johann Sebastian Bach" ein, so erhalte man nicht nur Texte, sondern auch Noten, Musik oder Bilder. Es sei diese Medienvielfalt, die das Vorhaben zu dem besagten "Jahrhundertprojekt" mache, von dem der Kulturstaatsminister spreche.

Deutschland trägt damit auch seinen Teil zu der Europäischen Kulturdatenbank "Europeana" bei, die seit rund einem Jahr im Netz ist. Erst vor wenigen Tagen hatten sich Vertreter der EU-Mitgliedstaaten darauf verständigt, die Internetplattform auszubauen. Viele Länder seien derzeit mit dem Thema beschäftigt, sagt Ute Schwens, darunter auch Frankreich, die Niederlande, Polen und Tschechien.

Technische Schwierigkeiten

Digitalisieren macht Arbeit - aber kompliziert sind vor allem die Suchwerkzeuge (Foto: AP)

Digitalisieren macht Arbeit - aber kompliziert sind vor allem die Suchwerkzeuge

Die größte Herausforderung des Projektes sei die "heterogene Informationsmasse", so Ute Schwenz. Es sei etwas anderes, einen Text, ein Musikstück oder eine Objekt zu bearbeiten. Die Daten, die diese Projekte beschreiben seien sehr unterschiedlich und daher sei es rein technisch gar nicht so einfach, sie so zu bündeln, dass man sinnvolle Suchergebnisse erhalte.

Im Unterschied zu Google, so betont auch Ute Schwens, werde bei der Deutschen Digitalen Bibliothek die digitale Verwendung eines Buches oder Musikstückes genau mit dem Urheber beziehungsweise Rechteinhaber abgesprochen. Das mache Google nicht, so Schwens. Das Unternehme versuche eine einmalige Erlaubnis zu bekommen, die Inhalte in Amerika zu digitalisieren und zur Verfügung zu stellen und sei bereit einmalig etwas zu bezahlen, aber auch nur wenn das gefordert würde. "Das ist nicht das, was wir in Deutschland oder überhaupt in Europa unter Urheberrecht verstehen."

Autorin: Petra Lambeck

Redaktion: Sabine Oelze

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