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Reise

Deutschlands kleinstes Kloster

In einer Altbauwohnung in Köln haben drei Mönche das kleinste Benediktinerkloster Deutschlands gegründet. Es ist alles da, was man normalerweise in einem großen Kloster findet. Und Gäste sind auch willkommen.

Eines der Schlafzimmer im Kloster

Eines der Schlafzimmer im Kloster

Klöster haben abgeschiedene, düstere Gemäuer. Meist findet man sie irgendwo fernab der Städte auf dem Land, die Lage lässt keinen Blick auf das klösterliche Leben zu. So mag es früher vielleicht einmal gewesen sein. Doch mittlerweile schreiben wir das 21. Jahrhundert. Und außerdem leben hinter diesen Mauern Menschen, die mit beiden Füßen im Leben stehen. So wie zum Beispiel die drei Mönche aus Köln, die mitten in der geschäftigen und amüsierfreudigen Millionenstadt das kleinste Benediktinerkloster Deutschlands gegründet haben. Berührungsängste mit weltlichen Gästen sind ihnen fremd. Jeder Besucher wird im wahrsten Sinne des Wortes mit offenen Armen empfangen, begleitet von einem "Herzlich willkommen in unserer kleinen Kommunität".

Das kleinste Kloster Deutschlands befindet sich im 2. Stock dieses Kölner Mietshauses

Das Kloster befindet sich im 2. Stock eines Mietshauses

Diese Begrüßung darf man getrost wörtlich nehmen. Denn die Kommunität ist wirklich klein, ja geradezu winzig im Vergleich zur 80 Kilometer entfernt gelegenen, berühmten Benediktinerabtei von Maria Laach. Nur 90 Quadratmeter stehen Pater Placidus, Pater Philipp und Abt Thomas zur Verfügung. Und dennoch ist diese so genannte Monastische Zelle ein richtiges Kloster, wie Abt Thomas erklärt. "Die Monastische Zelle ist die erste und damit kleinste Form eines Benediktinerklosters". Laut Kirchenrecht ist eine solche benediktinische Gemeinschaft zulässig, wenn sich mindestens drei Mönche zusammengefunden haben. Und diese Voraussetzung ist im Fall des Kölner Klosters erfüllt.

Die Ausstattung ist komplett

Das kleinste Kloster in Deutschland

Abt Thomas im Allerheiligsten der winzigen Kappelle

Trotzdem ist alles da, was man in einem großen Kloster auch findet. Sogar eine kleine Kappelle für die täglichen Gebete fehlt nicht. Nur auf eine Klausur, also einen für die Außenwelt gesperrten Rückzugsraum, müssen die drei Mönche verzichten. So etwas findet sich nur in einer Abtei. Doch dazu braucht es mindestens zwölf Ordensbrüder. Gegründet haben die drei Benediktiner ihr Kloster mit bischöflichem Segen im Jahre 1980. Auch wenn Platz in der Altbauwohnung im zweiten Stock Mangelware ist, hätten sie vielleicht noch den einen oder anderen Bruder aufgenommen. Dass es dazu nie gekommen ist, schreibt Abt Thomas dem geringen Bekanntheitsgrad seines Klosters zu.

Rücksichtsnahme auf Nachbarn

Denn wer vermutet schon mitten in der für ihr ausgeprägtes Nachtleben bekannten Kölner Südstadt ein Kloster. Doch dafür haben die drei Glaubensbrüder weder Zeit noch Sinn. Schließlich ist ihr Tagesablauf dicht gedrängt, auch wenn sie wegen der ungewöhnlichen Lage Zugeständnisse an die Mitbewohner machen müssen. Deshalb klingelt der Wecker nicht wie in anderen Klöstern üblich schon um vier oder fünf Uhr in der Früh. Abt Thomas und die Seinen können bis sieben Uhr liegen bleiben. Sie wohnen schließlich in einer Mietwohnung und müssen deshalb ein bisschen Rücksicht auf die Nachbarschaft nehmen. Um acht Uhr beginnt dann der Klosteralltag in der fünfzehn Quadratmeter kleinen Kappelle mit der Laudis, dem Morgengebet. Anschließend ziehen die drei Ordensbrüder in einer "kleinen Prozession", während sie einen Hymnus zur Muttergottes singen, in die Küche oder wie man in einem Großkloster sagen würde ins Refektorium. Dort steht dann das Frühstück mit Tischlesung auf dem Programm. "Und danach überlegen wir uns wie wir die Arbeit verteilen", führt Abt Thomas weiter aus.

Das Geld fällt nicht vom Himmel

Das kleinste Kloster in Deutschland

Diese ungewöhnliche Urkunde bescheinigt die Gründung des Klosters im Jahre 1980

Aber ohne Geld wäre dies alles nicht möglich, denn auch ein Kloster finanziert sich nicht von selbst. Das heißt, dass neben der Hausarbeit und den seelsorgerischen Tätigkeiten gearbeitet werden muss, um den Lebensunterhalt wie zum Beispiel die Miete von 730 Euro aufzubringen. So ist sich Abt Thomas nicht zu schade, jeden Samstag für 25 Euro das ganze Treppenhaus zu putzen. Hinzu kommen Spenden und die kleine Rente vom Senior, dem 94-jährigen Pater Placidus. Doch was ist, wenn Pater Placidus eines Tages vom Herrn abberufen wird? Diese Frage bereitet Abt Thomas große Sorge, er sucht einen Novizen. Dabei spielen Alter und Bildung eine untergeordnete Rolle.