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Kultur

Deutschlands größter Balletttänzer

Während Balletttänzerinnen immer noch bestimmten Maßen entsprechen müssen, setzt der riesengroße Russe Rishat Yulbarisow am Staatsballett Berlin neue Maßstäbe. Ironischerweise übernimmt er auch weibliche Rollen.

Es hat sich nicht viel hat sich verändert, seitdem im Paris des 19. Jahrhunderts der impressionistische französische Maler Edgar Degas Dutzende von Ballerinen malte. Balletttanzen erfordert immer noch ein großes Maß an Präzision und Feinheit – und geht immer noch mit Schmerzen einher.

Tänzer beider Geschlechter haben ebenso schlank wie muskulös zu sein und bitte nicht allzu groß. So fällt es direkt ins Auge, wenn ein Tänzer wie Rishat Yulbarisow die Bühne betritt. Der 27-jährige russische Tänzer gab vor kurzem sein Debüt am

Staatsballett Berlin

. Während die Welt des klassischen Balletts Tänzerinnen immer noch enge Grenzen setzt, was Körpergröße und Figur anbelangt, könnte die Anstellung von Yulbarisov darauf hindeuten, dass es nun zumindest für ihre männlichen Kollegen mehr Flexibilität gibt.

Staatsballett Berlin Tänzer Rishat Yulbarisov EINSCHRÄNKUNG

Für Rishat Yulbarisow gehört das Herumziehen ganz einfach zum Job.

"Die Tatsache, dass Yulbarisow jetzt in der Truppe arbeitet, bedeutet, dass man seinen Körpertyp in einer größeren Vielfalt von Rollen einsetzen kann", meint Wesley Lim, Professor und Tanzexperte am Colorado College in den Vereinigten Staaten. "Im Hinblick auf die Vielfalt ist das interessant. Man kann seinen Körper frei verwenden oder eben eher konservativ, so wie es jeweils erwünscht ist. "

Die richtige Rolle finden

Yulbarisow ist nicht der größte Tänzer der Welt – diesen Rekord hält Fabrice Calmels vom

Joffrey Ballet

in Chicago. Aber mit seinen 1,93 m ist er sicherlich größer als der Durchschnitt. Für Yulbarisow war es eine echte Herausforderung, sich auf der Bühne anzupassen. "Manchmal kann ich bestimmte Rollen nicht tanzen, weil es nicht genügend andere große Tänzer gibt oder ich der einzige so große Tänzer bin," erzählte er der DW. "Aber trotzdem gibt es viele Rollen, die ich mir zu eigen machen und adaptieren kann."

Einige davon sind übrigens weibliche Rollen, wie die der bösen Fee Carabosse in Tschaikowskis "Dornröschen" oder der Zauberin in "Der Nussknacker" des russischen Komponisten. Die Neigung, geschlechtlich eigentlich festgelegte Rollen zu verbiegen und vertauschen, ist typisch für das Staatsballet Berlin. "Es ist nicht traditionell", stellt Lim fest. "Das ist keine typisch männliche Rolle. Ihre Kräfte sind nicht hypermännlich wie die eines Soldaten, sondern übernatürlich."

Yulbarisow begann seine Karriere im Alter von sieben Jahren in Sterlitamak in seiner Heimat Russland. Mit 18 Jahren hatte er bereits eine Stelle am St. Petersburg Eifman Ballett, 2008 wechselte er zum ebenfalls in St. Petersburg ansässigen Michailowski Theater, wo er Nacho Duato kennenlernte, damals der Künstlerische Direktor des Theaters. 2014 ging Yulbarisow nach Berlin, wo Duato Direktor des Staatsballetts geworden war. "Man könnte sagen, ich ziehe eben gerne um", sagte er lachend der DW.

Staatsballett Berlin Tänzer Rishat Yulbarisov EINSCHRÄNKUNG

In einigen Rollen ist Yulbarisows Größe Teil des Ausdrucks.

Besessen vom Erscheinungsbild

Während Yulbarisows Erfolg darauf hindeuten könnte, dass die Ballettwelt nun eine größere Vielfalt von männlichen Körpertypen akzeptiert, scheint das nicht für Tänzerinnen zu gelten – bei ihnen ist nicht nur die Figur, sondern offenbar auch die Hautfarbe ausschlaggebend für Rollenentscheidungen.

Tatsächlich erschien 2014 in der "Washington Post" ein Artikel mit dem Titel "Wo sind die schwarzen Ballerinen?", wonach die Ballettwelt noch einen langen Weg vor sich hat, um mehr ethnische Vielfalt zuzulassen: "Eine Karriere beim professionellen Ballett ist schon schwierig genug für die meisten Mädchen, aber die Chancen scheinen für schwarze Mädchen noch schlechter zu stehen. Schwarze Primaballerinen sind nur selten oder nie erfolgreich."

Und dann geht es auch um den Körperumfang – eine Frage, die explodierte, nachdem ein Kritiker der "New York Times" angemerkt hatte, dass Jenifer Ringer, die im New York City Ballet die Rolle der Zuckerpflaumenfee in "Der Nussknacker getanzt hatte, "aussah, als ob sie eine Zuckerpflaume zu viel gegessen hatte. "

Auf den Kommentar folgten hitzige Debatten über den Druck, dem die Tänzerinnen ausgesetzt werden, um ihr Körpergewicht niedrig zu halten.

"Ich kann meine Größe akzeptieren"

Unterdessen wird in Berlin zumindest ein zaghafter Versuch unternommen, die Anforderungen an Geschlecht und Körper zu erweitern. "Yulbarisow setzt die russische Tradition solider Qualifikationen und hervorragender Technik fort", erklärt Lim. "Ich verfolge mit Interesse, welche Rollen er zukünftig bekommen wird."

Was ihn selbst anbelangt, sagt Yulbarisow, fühle er sich wohl mit dem, was er ist und zufrieden mit den Möglichkeiten, die er hat. "Ich bin sehr groß, aber meine Körpergröße funktioniert für mich, und manchmal ist sie sogar hilfreich," sagt er. "Ich bin also glücklich damit, ich kann meine Größe akzeptieren."

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