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Deutschland: „Wir brauchen eine ehrlichere Debatte über Afrika“, so Günter Nooke, der neue Afrika-Beauftragter der Bundesregierung

Günter Nooke, ist auch Mitglied des Rundfunkrats der Deutschen Welle. Der CDU-Politiker über die Bedeutung von Medien für die menschliche Entwicklung.

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Eine große Frage für einen großen Kontinent: Was ist Afrikas schwerwiegendstes Problem?

Die Frage ist gefährlich, weil Afrika viele Probleme, aber auch viele Chancen hat. Meist sind die von Land zu Land unterschiedlich. Aber für Subsahara-Afrika liegt das vielleicht größte Problem in der fehlenden Entwicklungsdynamik. Seit Jahrzehnten wird Afrika „geholfen“, aber es hilft nichts, wenn sich in den Ländern selbst zu wenig bewegt.

Das Amt des G8-Afrika-Beauftragten der Bundesregierung wurde neu geschaffen. Geht damit eine Stärkung des deutschen Engagements für den afrikanischen Kontinent einher?

Nein, das Amt ist nicht neu. Es wurde früher durch die Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul selbst wahrgenommen. Es ist ein Zeichen, wenn ich die Möglichkeit habe, mich ganz dieser wichtigen Aufgabe zu widmen und dieses Thema in der Bundesregierung auch mit einem konkreten Gesicht verbunden wird. Ich werde mich auf jeden Fall für eine Stärkung unseres Engagements bezüglich Afrika einsetzen, aber das heißt nicht, dass es dabei immer nur um die Erhöhung der ODA-Mittel gehen sollte.

Welche Schwerpunkte werden Sie in den kommenden Jahren setzen?

Ich bin zurückhaltend, wenn es um wirklich funktionierende Lösungen geht. Rezepte helfen eher beim Kochen als beim Gestalten. Eins allerdings scheint mir klar zu sein: Wir brauchen eine ehrlichere Debatte über Afrika, über Verantwortlichkeiten und Pflichten auf beiden Seiten einer echten Partnerschaft. Wenn einige Kritiker der bisherigen Entwicklungszusammenarbeit des Nordens wie auch in Afrika selbst meinen, die „ausgestreckte Hand“ sei zum Symbol des Kontinents geworden, dann ist es genau dieses Bild, das wir gemeinsam ändern müssen. Es geht nicht zuerst um unser gutes Gewissen, um unsere Arbeitsplätze in den Entwicklungsorganisationen, um unser Geld, sondern darum, was den Menschen in Afrika dauerhaft hilft, ihre Probleme selbst zu lösen und eigene Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet.

Sie sind Mitglied des Rundfunkrates der Deutschen Welle und beschäftigen sich dort auch mit den entwicklungspolitischen Aktivitäten der DW-AKADEMIE. Wie beurteilen Sie die Rolle von Kommunikation und Medien in Entwicklungsprozessen?

Wenn ich sage, wir brauchen eine ehrlichere Debatte über Afrika, dann betrifft das natürlich auch Afrika selbst. Dazu braucht es gut ausgebildete Journalisten, aber auch eine hinreichende Presse- und Meinungsfreiheit, die solche Diskussionen zulässt. Es ist doch oft eine kleine Elite, die nicht selten korrupt und Menschenrechte verletzend mehr an der eigenen Macht interessiert ist als am Wohlergehen des eigenen Landes und seiner Bewohner. Die sollten wir im Rahmen der Medienentwicklung nicht noch ausbilden, damit sie besser erzählen können, was wir hier in Europa gerne hören. Das heißt, wir sollten noch mehr Verantwortung übernehmen, dass die tollen Angebote der DW-AKADEMIE auch von den „richtigen“ Leuten wahrgenommen werden können.

Hat die deutsche Entwicklungshilfe die Möglichkeiten der afrikanischen Medien, einen Beitrag in Demokratisierungsprozessen zu leisten, bislang unterschätzt?

Auf jeden Fall hat die Rolle der Medien in der Entwicklungszusammenarbeit bisher eine zu geringe Rolle gespielt. Ich glaube aber, dass wir auch nicht unterschätzen sollten, wie schwer und gefährlich es für afrikanische Journalisten sein kann, wenn sie über wirklich machtrelevante Sachverhalte aufklären.

Sie haben in der Vergangenheit wiederholt die Entwicklungshilfe kritisiert und eine Unterstützung von „unten nach oben“ gefordert. Was bedeutet das übertragen auf die Medienförderung in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit?

Entwicklung auch im Medienbereich muss von innen kommen, dafür braucht es Rahmenbedingungen. Deshalb kommt den Kommunikationsrechten wie Meinungs-, Medien- und Versammlungsfreiheit bei den Menschenrechten eine ganz besondere Bedeutung zu. Es ist nämlich wichtig, dass man sich austauschen und angstfrei sagen kann, was man will, ob man Hunger hat, was einem weh tut oder welche Probleme sonst einem besonders wichtig sind.

Das Interview führte Ellen Schuster.