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Wirtschaft

Deutschland will Entwicklungshilfe reorganisieren

Geplant ist es schon lange, doch nun scheint es bald ernst zu werden: Die Bundesregierung will ihre Entwicklungszusammenarbeit neu organisieren. Nur das "wie" ist noch unklar.

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Gemeinsames Projekt der KfW und der GTZ in Bangladesch

Gedacht ist an eine Zusammenlegung der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Entwicklungsbank der KfW-Bankengruppe. Die Arbeitsteilung der beiden Institutionen in der Entwicklungshilfe ist ganz simpel: Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) gibt das Geld, die GTZ schickt Experten. Ein Zusammengehen könnte Überschneidungen und Doppelarbeit vermeiden helfen. Nur über das "Wie" wird noch beraten. Fusion oder Übernahme?

Schauen wir uns die Kandidaten näher an: Die GTZ in Eschborn bei Frankfurt beschäftigt 1000 Mitarbeiter in Deutschland und weitere 8500 Experten in 130 Ländern. Sie betreut rund 2700 Entwicklungsprojekte. Die KfW-Entwicklungsbank in Frankfurt und die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG bringen es zusammen auf 720 Mitarbeiter und haben im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Euro zur Förderung von Entwicklungs- und Schwellenländern zugesagt. Die GTZ ist in 66 Ländern mit eigenen Büros vertreten, KfW und DEG haben 50 Büros im Ausland - das kann schon mal Verwirrung stiften in den Partnerländern.

Zu komplizierte Strukturen

"Wir sind das einzige Land, das so breit und differenziert aufgestellt ist", sagt der Staatssekretär im Entwicklungsministerium, Erich Stather. "Das heißt nicht, dass wir schlecht arbeiten, aber wir sind einfach kompliziert." Schon vor einem Jahr hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Bundesregierung ermutigt, "die einzelnen Strukturen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu einem geschlossenen Ganzen zu verzahnen. Das könnte auch zur Abschaffung der zunehmend künstlichen Unterscheidung zwischen finanzieller und technischer Zusammenarbeit beitragen."

"Wir begleiten das positiv. Wir haben auch in der Vergangenheit intensiv und immer besser mit der GTZ zusammengearbeitet, insbesondere, nachdem durch die Konzentration auf bestimmte Förderschwerpunkte die Voraussetzungen dafür auch schlicht und einfach günstiger geworden sind", sagt Wolfgang Kroh, Vorstandsmitglied der KfW-Bankengruppe. Und auch GTZ-Sprecherin Dorothee Hutter bestätigt: Die Zusammenarbeit zwischen GTZ und KfW vor Ort laufe schon heute in der Regel ausgezeichnet. Natürlich gebe es Verbesserungspotenzial. Zu überlegen sei nur, ob dieses Verbesseungspotenzial nicht ohne eine kostspielige und risikoreiche Fusion ausgeschöpft werden könne.

Zusammenlegung, Fusion oder Übernahme?

Die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers hat im Auftrag der Bundesregierung sieben Modelle zur künftigen Organisation von GTZ und KfW erarbeitet, über die im Oktober entschieden werden soll. Drei Modelle stehen in der engeren Wahl, bei zwei von den drei Vorschlägen würde die GTZ von der KfW-Bankengruppe mehr oder weniger übernommen - was bei der GTZ in Eschborn nicht gut ankommt.

Wolfgang Kroh, Vorstandsmitglied der KfW-Bankengruppe, interessiert vor allem die Frage, ob eine weitere Verbindung einen entwicklungspolitischen Mehrwert schafft. "Das ist für uns die Frage, ob es gelingt, auf diese Weise bessere, wirksamere Entwicklungspolitik für Deutschland zu machen, den bilateralen Bereich zu stärken, auch im Konzert der internationalen Geber."

Politisches Kalkül?

Mancher unabhängige Beobachter wird den Verdacht nicht los, dass die Vorschläge zur Übernahme der GTZ nicht zufällig überwiegen - die KfW, 100-prozentige Bank des Bundes, kauft die GTZ. Die GTZ ist eine GmbH, ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen im Eigentum des Bundes. Bank des Bundes kauft Firma des Bundes - da wäre doch ein Kaufpreis fällig. Und wer bekäme den? Der Finanzminister. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

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