1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Deutschland vor längerer Phase des Wachstums

Die deutsche Wirtschaft strotzt nur so vor Optimismus. Die Nachfrage nach Arbeitskräften liegt wieder über Vorkrisenniveau, und die Institute rechnen mit einem anhaltenden Wachstum.

Passanten laufen über Duesseldorfs teuerste Einkaufsstrasse, die Königsallee (Foto: apn)

Auch der private Konsum trägt wieder zum Wachstum bei

DIW-Präsident Klaus Zimmermann (Foto: dpa)

DIW-Präsident Klaus Zimmermann: Anhaltender Aufwärtstrend

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet einen unverändert starken Anstieg der deutschen Wirtschaftsleistung bis Ende des Jahres. Das preis- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im letzten Quartal des Jahres voraussichtlich um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zulegen, teilten die Volkswirte am Montag (29.11.2010) in Berlin mit. Dieses Ergebnis runde das konjunkturelle Geschehen im ersten Jahr nach dem stärksten Produktionseinbruch der deutschen Nachkriegsgeschichte eindrucksvoll ab. Im dritten Quartal war die Wirtschaft ebenfalls um 0,7 Prozent gewachsen, im vorangegangenen zweiten Quartal sogar um 2,3 Prozent und damit so schnell wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

Begleitet werde die aktuelle Entwicklung von einer deutlichen Verbesserung zahlreicher Stimmungsindikatoren, hieß es weiter. Insbesondere in der gewerblichen Wirtschaft würden derzeit Rekordumfragewerte registriert, die inzwischen über dem Stand des zurückliegenden Aufschwungs lägen. Auch das Vertrauen der Konsumenten zeige einen anhaltenden Aufwärtstrend. "Bleibt die Tendenz bestehen, wird der private Verbrauch immer mehr zum Motor des Wirtschaftswachstums", sagte DIW-Konjunkturexperte Vladimir Kuzin. Die anhaltende Schuldenkrise im Euro-Raum könnte allerdings die Kauflust nachhaltig verschlechtern.

Krisental verlassen

IW-Direktor Michael Hüther (Foto: dpa)

IW-Direktor Michael Hüther : Das Krisental verlassen

Die deutschen Unternehmen sehen einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) glänzende Geschäfte auf sich zukommen. 55 Prozent der Firmen gingen davon aus, ihre Produktion im kommenden Jahr weiter nach oben zu fahren, nur neun Prozent erwarteten einen Rückgang, teilte das IW am Montag zu seiner Umfrage unter 1800 Betrieben mit. "Die deutsche Wirtschaft verlässt in schnellem Lauf das Krisental", sagte IW-Direktor Michael Hüther.

Im kommenden Jahr sei mit einem Wirtschaftswachstum von 2,25 Prozent zu rechnen, nach plus 3,5 Prozent 2010. Besonders zuversichtlich blicken die Hersteller von Investitionsgütern in die Zukunft: Hier gehen fast drei Viertel von Produktionssteigerungen aus. Sie dürften dabei von der weltweit anhaltend hohen Nachfrage als auch der steigenden Investitionslust im Inland profitieren. Doch auch in den anderen Industriesektoren erwartet die Mehrheit der Firmen bessere Geschäfte. Im Bausektor gibt es ebenfalls mehr Optimisten als Pessimisten.

Arbeitskräftenachfrage über Vorkrisenniveau

Ein Passant geht am Schaufenster des Jobcenters der Bundesanstalt für Arbeit entlang (Foto: dpa)

Bundesanstalt für Arbeit: Nachfrage steigt

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist im November weiter kräftig gestiegen und liegt nun sogar über Vorkrisenniveau. Das teilte Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) am Montag mit. Die positive Stimmung der Wirtschaft schlage sich auch auf die Nachfrage nach Fachkräften nieder, erklärten die Experten. Große Nachfrage herrsche derzeit nach Zeitarbeitern. Gut jede dritte gemeldete Stelle am ersten Arbeitsmarkt komme derzeit aus dieser Branche. Gesucht seien zudem Mitarbeiter im Handel, im Bausektor, in der Gastronomie und im Gesundheits- und Sozialwesen. Mehr als drei Viertel der bei der BA gemeldeten Job seien Vollzeitarbeitsplätze, ebenfalls mehr als drei Viertel unbefristete Stellen. Teilweise klagten die Unternehmen wieder über Probleme, ausreichend hochqualifizierte Fachkräfte zu finden, hieß es weiter.

Zu all den guten Nachrichten kommt noch eine weitere dazu: Der Aufschwung hat auch die Pleitewelle in Deutschland gestoppt. Nach dem Negativrekord im Krisenjahr 2009 geht die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2010 um 2,5 Prozent auf 32 100 zurück. Das sagte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Montag in Frankfurt voraus. Da im laufenden Jahr anders als 2009 - als Firmen wie Arcandor, Woolworth oder der Chiphersteller Quimonda Insolvenz angemeldet hatten - meist Kleinstbetriebe mit maximal fünf Beschäftigten den Gang zum Amtsgericht antreten mussten, sank die Zahl der Jobverluste durch Insolvenz 2010 stark um 53,9 Prozent auf 240 000.

Autor: Rolf Wenkel (rtr, dpa)
Redaktion: Henrik Böhme

Die Redaktion empfiehlt