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Wirtschaft

Deutschland vor der Rezession?

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechtert sich, Aufträge aus dem Ausland brechen ein, große Firmen melden Kurzarbeit an. Steht die Wirtschaft in Deutschland vor einer Rezession?

Auf die Frage, wie sie ihre aktuelle wirtschaftliche Lage einschätzen, antworten immer mehr deutsche Unternehmer: nicht so gut. Und von der Zukunft erwarten immer mehr von ihnen: nicht viel Gutes. Das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo aus München befragt monatlich etwa 7000 deutsche Unternehmer und errechnet danach den "Geschäftsklimaindex". Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn fasste in der vergangenen Woche die aktuelle Studie mit den Worten zusammen: "Die Eurokrise belastet zunehmend die Konjunktur in Deutschland."

Demonstration in Spanien gegen die Auswirkungen der Finanzkrise (Foto:AP/dapd)

Werden auch in Deutschland die Menschen gegen die Auswirkungen der Krise demonstrieren, wie hier in Spanien?

Wenn die weichen Indikatoren hart werden …

Bis jetzt zeigen sich in der deutschen Wirtschaft nur "Eintrübungen", sagt Heiko Peters, Analyst bei der Deutschen Bank, im Gespräch mit der DW. Ein Stimmungsbarometer wie der Geschäftsklimaindex sei erst einmal ein "weicher Indikator". Und zurzeit zeige sich "die Verschlechterung noch nicht in den harten Konjunkturindikatoren, wie Produktion, Auftragseingänge und Einzelhandelsumsätze".

Sollte sich die Stimmung aber nicht wieder aufhellen, dann werde sich das auch bald in diesen harten Indikatoren niederschlagen - schließlich bekäme auch Deutschland die europäische Depression zu spüren. Das könnte schon in naher Zukunft der Fall sein, denn die Deutsche Bank erwartet, dass die deutsche Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte "schwächer ausfallen wird".

Vom Export abhängig

Bei den Exporten ist der ehemalige "Weltmeister "Deutschland inzwischen auf den dritten Platz zurückgefallen. Wäre das eine olympische Disziplin, gäbe es dafür noch die Bronzemedaille, und tatsächlich ist der Export für Deutschland immer noch ein entscheidender Konjunkturmotor. Rudolf Hickel, Direktor des Institutes Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen, warnt, dass es "die Wirtschaft in Mark und Knochen trifft, wenn die Exporte belastet sind".

Prof. Dr. Rudolf Hickel, Universität Bremen (Foto: Universität Bremen) Angeliefert durch: Zhang Danhong

Rudolf Hickel ist "gar nicht überrascht"

Heiko Peters von der Deutschen Bank sieht dafür schon die ersten Anzeichen, denn "40 Prozent der deutschen Exporte gehen in andere Länder der Euro-Zone, und da geht die Nachfrage deutlich zurück". Für den Bremer Professor Hickel ist das alles andere als überraschend. "Dort haben die Leute immer weniger Geld für den Konsum, in der Wirtschaft wird nicht mehr investiert: Die Nachfrage geht zurück und damit auch die Importe von Waren und Dienstleistungen aus Deutschland."

Bislang aber, so Heiko Peters, sei die wirtschaftliche Depression in den südlichen Euroländern deshalb in Deutschland noch nicht angekommen, weil "zuletzt die Nachfrage aus den USA und aus China relativ stark war". Das ändere sich aber bereits, denn das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China und die Stagnation in den USA erschwerten schon jetzt deutsche Exporte in diese Länder.

Gerade etwas mehr als eine Schwarze Null

Wie stark die europaweite Depression auf den deutschen Markt durchschlägt, ist nicht seriös vorherzusagen. So schnell jedenfalls nicht, meint Heiko Peters. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal dieses Jahres um 0,5 Prozent gewachsen und hat auch im zweiten Quartal noch etwas zugelegt. Und trotz einer dicken Delle in der wirtschaftlichen Entwicklung werde Deutschland auch mittelfristig noch schwarze Zahlen schreiben: "Wir erwarten für das dritte und vierte Quartal positive Wachstumsraten. Auch für das Jahr 2013 rechnen wir mit einem Wachstum von einem Prozent."

Rudolf Hickel ist da nicht ganz so zuversichtlich. Zwar sieht er die deutsche Konjunktur in diesem Jahr nicht gleich in die roten Zahlen rutschen, aber ob es im 2013 schon wieder aufwärts gehen wird, wagt er im Gespräch mit DW nicht vorherzusagen: "Das ist sehr, sehr unsicher."

Leiden auf hohem Niveau

Schrumpft die Wirtschaft im europäischen Ausland, ist in Deutschland die Konjunktur in Bedrängnis, und Arbeitsplätze sind in Gefahr. Aber die Deutschen könnten von der europäischen Krise auch ganz direkt betroffen werden - wenn nämlich die Gemeinschaftswährung, der Euro, zusammenbricht. Deshalb schaut Deutsche-Bank-Analyst Heiko Peters mit Spannung auf den September, wenn der Troika-Bericht über Griechenland vorgelegt wird und feststeht, "wie das Programm für Spanien und für Zypern aussehen wird".

"Wir sind im Sog der Euro-Krise", sagt Rudolf Hickel. Er weist aber darauf hin, dass die Deutschen "auf einem vergleichsweise hohen Niveau leiden". Dennoch denkt er nicht, dass "wir einen tiefen Abschwung bekommen". Heiko Peters von der Deutschen Bank teilt diese Zuversicht. Unter der Voraussetzung, dass der Euro als Gemeinschaftswährung überlebt, und davon gehe er aus, erwarte die Deutsche Bank, "dass es nicht zu einer Rezession kommt".

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