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Sport

Deutschland verpasst Olympia

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat ein historisches Debakel erlebt und erstmals in der Olympia-Geschichte auf sportlichem Weg die Teilnahme an den Winterspielen verpasst.

Österreichs Florian Iberer (l.) und der Deutsche Andre Rankel kämpfen um den Puck. Foto: Marijan Murat/dpa

Österreichs Florian Iberer (l.) und der Deutsche Andre Rankel kämpfen um den Puck

Deutschlands Eishockey-Nationalteam hat ein beispielloses Debakel erlebt: Die Olympischen Winterspiele 2014 finden zum ersten Mal seit 65 Jahren ohne ein deutsches Männerteam statt. Daran konnte auch das 3:2 (1:0, 0:1, 1:1) nach Verlängerung gegen Österreich im Finale des Olympia-Qualifikations-Turniers nichts mehr ändern. Für die 20. Olympia-Teilnahme wäre zwei Tage nach dem peinlichen 1:2 gegen Italien gegen Österreich ein Sieg in regulärer Spielzeit notwendig gewesen.

Die Tore von Benedikt Kohl (19. Minute), Kapitän Michael Wolf (47.) und Patrick Reimer in der Verlängerung waren aber zu wenig für das Team von Bundestrainer Pat Cortina im "Alles-oder-nichts-Spiel". Nach Treffern von Andre Lakos (31.) und Markus Peintner fahren stattdessen die als Außenseiter gestarteten Österreicher als Sieger des Qualifikationsturniers in Bietigheim-Bissingen nach Sotschi. Deutschland wurde nur Turnierzweiter.

Großer Imageschaden

"Die Nicht-Qualifikation ist ein großer Image-Schaden für das deutsche Eishockey, denn Olympia ist die größte Bühne, auf der man sich präsentieren kann", sagte Christian Ehrhoff. Der NHL-Profi hatte das Spiel in Nordamerika via Livestream verfolgt. "Das ist eine Riesen- Enttäuschung. Jetzt fahren wir nicht nach Sotschi, dabei sind Olympische Spiele eine der tollsten Erfahrungen, die man als Sportler machen kann und die ich bislang hatte. Ich hatte ganz klar an einen Sieg gegen Österreich geglaubt."

Dabei spielte Deutschland sein stärkstes Turnierspiel und war klar überlegen. Von Beginn an setzte Cortinas Team Österreich unter Druck und spielte entschlossen und aggressiv. Große Chancen erspielte sich Deutschland zunächst allerdings nicht. Kurz vor dem Ende des ersten Drittels brachte ein durch Wolfsburgs Kohl abgefälschter Schuss von Constantin Braun die nur scheinbar beruhigende Führung. Im Mittelabschnitt verpasste es Deutschland, das Spiel zu entscheiden. Alex Barta (26.) und Kapitän Michael Wolf (28.) vergaben völlig frei stehend. Das rächte sich, als Lakos kurz darauf wie aus dem Nichts per Gewaltschuss zum Ausgleich traf.

Zwei Punkte reichen nicht

Rob Zepp im deutschen Tor, der im wichtigsten Spiel seit langem für das deutsche Eishockey etwas überraschend den Vorzug vor Mannheims Dennis Endras bekommen hatte, war dabei chancenlos. Dem Berliner Keeper war die Sicht versperrt. Im letzten Drittel versuchte Deutschland noch einmal alles. Bis zum Spielende geschah indes nichts mehr. Deutschland musste in die Verlängerung und verpasste die nötigen drei Punkte. Das Siegtor von Nürnbergs Reimer in der Verlängerung bescherte nur noch zwei Zähler.

Ein herber Imageschaden für das deutsche Eishockey ist damit perfekt. Letztmals war der DEB 1948 nicht bei Olympia vertreten. Damals durfte Deutschland allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg gar nicht erst antreten. In Sotschi geht erstmals nur ein Frauenteam für den DEB an den Start. Dem klammen Verband drohen nun auch finanzielle Einbußen wegen möglicherweise gekürzter Fördermittel des Bundes. "Natürlich ist auch immer das Abschneiden der Nationalmannschaft Gegenstand der Gespräche. Das hat natürlich eine Bedeutung", hatte DEB-Präsident Uwe Harnos zu einem möglichen Scheitern hinsichtlich der Zielgespräche mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Innenministerium gesagt.