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Kultur

Deutschland verliert in der Hochschulausbildung den Anschluss

Deutsche Bildungspolitiker fürchten den Tag, an dem die OECD ihren jährlichen Bildungsvergleich vorstellt. Regelmäßig legt die Studie den Finger in eine offene Wunde. In diesem Jahr fiel die Kritik besonders hart aus.

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Bei der Vorstellung des OECD-Berichts in Berlin

Besserung ist nicht in Sicht, vielmehr ist das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich weiter zurückgefallen. Denn angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften bildet das Land zu wenig Akademiker aus und führt Schüler nicht in ausreichender Zahl zum Abitur. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick", der am Dienstag (12.9.2006) vorgelegt wurde.

"Insgesamt ist Deutschland bei vielen Indikatoren trotz Fortschritten im Vergleich zu den leistungsfähigsten Staaten oder auch nur im Vergleich zum OECD-Mittel zurückgefallen", berichtete der Leiter Andreas Schleicher (rechts im Bild) beim Vorstellen der Studie in Berlin.

Unter dem Durchschnitt

Tatsächlich bilden mittlerweile im OECD-Raum lediglich die Tschechische Republik, Österreich und die Türkei pro Jahrgang weniger Akademiker aus als Deutschland, erläuterte Schleicher. Im OECD-Schnitt liege deren Anteil bei gut einem Drittel, in der Bundesrepublik aber nur bei 20,6 Prozent.

Dieses schlechte Abschneiden führte der OECD-Koordinator auf ein Bündel von Ursachen zurück: eine sehr hohe Abbrecherquote bei den traditionellen, langen Studiengängen, die scharfe Trennung von theoretischer und praktischer Ausbildung sowie das deutsche Schulsystem, das fließende Übergänge kaum zulasse und damit zu vielen Schülern die Möglichkeit vorenthalte, Abitur zu machen und zu studieren.

Wie im 19. Jahrhundert

Schleicher zog ein düsteres Resumee: "Die entscheidende Frage kann heute nicht mehr sein, wie man ein Bildungssystem, das im Grunde im 19. Jahrhundert konzipiert war, ein bisschen optimiert, sondern man muss sich die Frage stellen, wie Bildungssysteme heute auf die grundlegend neuen Anforderungen der Wissensgesellschaft Antworten finden können."

Die Chancen der geburtenschwachen Jahrgänge

Eine Hoch- oder Fachhochschulausbildung ist den Analysen der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zufolge eine lohnende Investition, sowohl volkswirtschaftlich als auch für den einzelnen. In Deutschland konnten Hochqualifizierte in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche Einkommenszuwächse verbuchen, sagte Schleicher. Und mit dem Übergang zur Wissensgesellschaft steige der Bedarf an diesen Hochqualifizierten weiter. Angesichts der Tatsache, dass in wenigen Jahre nur so genannte geburtenschwache Jahrgänge die Schulen verlassen werden, müsse deshalb nicht nur die Zahl der Hochschulzugangsberechtigten deutlich gesteigert, sondern auch in Fragen der Weiterbildung umgedacht werden.

Das schlechte Abschneiden bei diesem jüngsten OECD-Vergleich zeige, so die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ute Erdsieck-Rave (links im Bild), dass die Wertschätzung für Bildung in Deutschland noch nicht hoch genug sei. Deshalb fordert die schleswig-holsteinische Bildungspolitikerin eine neue Qualitäts-Offensive für das deutsche Bildungssystem. Die auf Grund sinkender Schülerzahlen frei werdenden Mittel müssten in die
vorschulische Bildung und in Hochschulen investiert werden und dürften nicht in die Spardosen der Finanzminister wandern.

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