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Sport

Deutschland - USA: "Das wird kein Freundschaftsspiel"

Im letzten Gruppenspiel trifft die DFB-Elf auf ihren Ex-Trainer Jürgen Klinsmann und die USA. Ein besonderes Spiel, vor dem beide Seiten ihren Respekt voreinander betonen - und Spekulationen um Absprachen widersprechen.

Der Vergleich drängt sich auf, aber er hinkt. Als Thomas Müller das Podium auf der DFB-Pressekonferenz betritt, wird er schnell gefragt, ob er sich wie ein Boxer fühle. Ein Veilchen ziert sein rechtes Auge, ein Pflaster verdeckt die mit fünf Stichen genähte Wunde über der Augenbraue, die bei einem Zusammenprall im

Ghana-Spiel

blutend aufgeplatzt war. Optisch also ein angeschlagener Boxer, vom ernüchternden Ergebnis gegen Ghana in die Ecke gedrängt oder vielleicht sogar schon angezählt? Nein, diese Symbolik haut nicht hin, findet auch Thomas Müller: "Ich weiß nicht, wie sich ein Boxer fühlt. Das hier", sagt er und zeigt auf sein Auge, "ist eher eine optische Geschichte. Ich habe keine Gehirnerschütterung." Alles okay, geht schon, ist Müllers Botschaft, auch wenn er noch nicht wieder schmerzfrei ist.

Müllers Beispiel soll für die ganze Mannschaft stehen, das wird schnell deutlich. Das 2:2 gegen Ghana hinterließ nur ein blaues Auge, war halt ein Punkt für den Gegner, aber umgehauen hat dieser Treffer die deutsche Elf sicher nicht. Sie steht und ist kampfbereit: "Alle Spieler sind einsatzfähig. Der Trainer kann auf alle zurückgreifen", berichtet Teammanager Oliver Bierhoff nach dem "Geheimtraining". Damit stehen also vor dem dritten und letzten Gruppenspiel gegen USA (26.6.2014 ab 18 Uhr MESZ im DW-Liveticker) auch die angeschlagenen Defensivkräfte Sami Khedira und Jérôme Boateng wieder zur Verfügung. Boateng hatte sich nach seiner Muskelverhärtung zuvor bereits im

DW-Interview

wieder fit gemeldet und Khedira hat seine Innenbandzerrung offenbar auch auskuriert.

Klinsmann: "It's about business now"

Fit sein, das dürfte auch die Grundvoraussetzung für einen Sieg gegen die USA sein. Denn die US-Kicker zeigten in beiden bisherigen Spielen WM-Spielen eine exzellente Physis und hohe Laufbereitschaft. Erst rangen sie die körperlich starken Ghanaer nieder, dann hätten sie in der Hitze von Manaus auch beinahe auch die Portugiesen geschlagen, die erst in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielten. Das US-Team beeindrucke mit einem "hohen Fitnesszustand", lobt Oliver Bierhoff und macht dafür vor allem einen Verantwortlichen aus: Jürgen Klinsmann. Wie schon im deutschen Fußball, den er mit seinen alternativen und auf Fitness ausgerichteten Konzepten weiterentwickelt habe, präge Klinsmann nun mit seiner Philosophie und Motivationskraft den US-Fußball, sagt Bierhoff.

Jürgen Klinsmann und Joachim Löw bei der WM 2006 (Foto: DPA/ARNE DEDERT)

Einst Teamgefährten und Trainerkollegen, nun Rivalen: Klinsmann (l) und Löw (r)

Beide bildeten bei der EM 1996 in England erfolgreich ein Stürmerpaar

und holten unter dem Trainer Berti Vogts den Titel. Nun kreuzen sich die Wege dieser drei erneut: Klinsmann ist US-Trainer, Berti Vogts sein Berater und Bierhoff DFB-Teammanager. Das Wiedersehen im WM-Stadion von Recife soll aber von freundschaftlicher Professionalität geprägt sein, wie beide Seiten betonen. Man werde sich natürlich vor dem Spiel begrüßen, doch dann sei eben jeder mit seinen Zielen beschäftigt, macht Bierhoff klar. Jürgen Klinsmann, Vorgänger von Joachim Löw als Bundestrainer und voller Lob für die Arbeit seines ehemaligen Assistenten, formuliert es etwas amerikanischer: "It's about business now."

Gijon ist Thema und doch eigentlich nicht

Mit diesen Statements wollen beide Seiten natürlich auch allen Spekulationen entgegenwirken. Da ein Unentschieden reiche, könne es schnell zu einem Agreement à la Gijon 1982 kommen, unken viele Stimmen im Netz. Damals kam es in der spanischen Hafenstadt zu einem viel kritisierten "Nichtangriffspakt" zwischen Deutschland und Österreich, der am Ende beide Teams eine Runde weiter brachte. Eine ähnliche Ausgangslage im USA-Spiel wäre nun gegeben, beiden Teams reicht ein Unentschieden. Eine Wiederholung schließen beide Seiten aber klar aus. "Das Spiel von Gijon ist Jahre her. Für eine US-Mannschaft war und ist so etwas undenkbar", sagt Klinsmann und führt dabei die Sieg-Mentalität der Amerikaner als Begründung an. Mit einem Spiel auf Ergebnis "fliegst du meistens auf die Schnauze. Wir wollen auf Gruppensieg zu spielen", ist auch Oliver Bierhoff überzeugt. "Wer uns kennt, der weiß, dass wir ehrgeizig genug sind, dieses Spiel professionell anzugehen", betont auch Löw. Ein weiterer hinkender Vergleich also, wenn man den Protagonisten denn glauben darf.

Jermaine Jones jubelt bei einem Freundschaftsspiel zwischen USA-Deutschland (Foto: REUTERS/Jason Reed)

Etliche USA-Kicker spielten mal in Deutschland und sind besonders motiviert - wie Jermaine Jones (l.)

Die deutsche Mannschaft dürfte ohnehin gewarnt sein. Nach dem überraschenden Ausscheiden der europäischen Topteams Italien, Spanien und England ist deutlich geworden, dass auch in der Vorrunde Schwächen schnell das Aus bedeuten können. Zwar könnte unter Umständen auch eine Niederlage gegen die USA für die deutsche Elf zum Weiterkommen reichen, doch auf diese Rechenspielchen will sich beim DFB keiner einlassen. Da beide im Achtelfinale den starken Belgiern aus dem Weg gehen wollen, dürfte es ein intensives Spiel in der Mittagshitze von Recife werden - vielleicht ja am Ende mit Grund zum Jubeln für Löw und Klinsmann auch ganz ohne Absprachen.

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