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Fokus Osteuropa

Deutschland unterstützt Toleranz-Projekte im Süden Serbiens

Im Süden Serbiens ist das Zusammenleben von Serben und Albanern vielerorts noch immer von Misstrauen und Distanz geprägt. Mit deutscher Unterstützung plant man nun Projekte zur gezielten Stärkung von Toleranz.

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Serbische Patrouille an der Grenze zum Kosovo (2003)

Der deutsche Botschafter in Serbien-Montenegro, Andreas Zobel, und der serbisch-montenegrinische Minister für Menschen- und Minderheitenrechte, Rasim Ljajic, haben am Dienstag (7.6.) einen Vertrag über deutsche Hilfe in Zusammenhang mit dem Programm zur Stärkung des gegenseitigen Vertrauens in den Kommunen Presevo, Bujanovac und Medvedja im Süden Serbiens unterzeichnet.

Zusammenleben statt Misstrauen

Deutschland schätze die Lage in dieser Region immer noch als empfindlich ein, sagte der deutsche Botschafter. Um die Toleranz in den genannten Kommunen zu stärken, verlange die deutsche Seite konstruktive Lösungen: „Mit dem Programm Alphabet der Toleranz und Vojvodina-Beispiel knüpfen wir an unsere bisherigen Aktivitäten und die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Ministerium für Menschen- und Minderheitenrechte an“, betonte Zobel. Für das Projekt stehen 27.000 Euro zur Verfügung. Mit dieser Summe sollen die Einführung des Wahlfaches „Alphabet der Toleranz“ in Mittelschulen im Süden Serbiens sowie Studienreisen von Jugendlichen aus diesem Gebiet in die Vojvodina finanziert werden. Dort werden sie die Gelegenheit haben, sich mit den erfolgreichen Konzepten des Zusammenlebens unterschiedlicher ethnischer Gruppen vertraut zu machen.

Hilfe aus Deutschland

Botschafter Zobel erinnerte daran, dass Deutschland bisher schon sechs Millionen Euro zur Verfügung gestellt habe, sowohl für günstige Kredite als auch für kleine und mittlere Unternehmen aus Südserbien. Außerdem unterstützte die Bundesrepublik mit 500.000 Euro den Bau und Zusammenschluss von Jugendzentren. Das Belgrader Ministerium für Menschen- und Minderheitenrechte erklärte, man konzentriere sich mit diesem Projekt insbesondere auf die Arbeit mit Jugendlichen im Süden Serbiens, da die ethnische Distanz unter dieser Bevölkerungsgruppe am größten sei.

Strategien zur Krisenbewältigung

Minister Rasim Ljajic betonte, Staatsstrategie zur Krisenbewältigung bestehe aus drei Aspekten: ökonomischer, politischer und ethnischer Strategie. Die ökonomische Strategie schließe Anstrengungen zur Wiederbelebung der Wirtschaft ein. Unter der politischen Strategie verstehe man Integration der Albaner im Süden Serbiens in das politische Leben. „Außerdem müssen wir den Anhängern gemäßigter politischer Strukturen in Südserbien helfen. Wenn ich „wir“ sage, dann meine ich vor allem sowohl unseren Staat als auch internationale Organisationen. Wir müssen ein günstiges Klima schaffen, um den Einfluss von Politikern gemäßigter Strukturen in diesem Gebiet zu stärken. Leider herrscht zurzeit kein solcher Zustand. Wir können nicht sagen, dass die Anzahl der Personen, die den gemäßigten politischen Strukturen angehören, überwiegen. Sowohl bei der serbischen als auch bei der albanischen Bevölkerung ist stärkerer Einfluss von Personen radikaler politischer Strukturen zu beobachten“, so Ljajic.

Instabile Grenzgebiete

Der Minister betonte, die Probleme im Süden Serbiens könne man nicht mit der Lösung des Kosovo-Problems verbinden. Der Staat werde in dieser Frage von der internationalen Gemeinschaft unterstützt. Deswegen sei auch keine Eskalation der Gewalt zu befürchten, urteilte Ljajic: „Ich denke, der Staat wird alles tun, um die Normalisierung und Förderung der gesamten Beziehungen weiterhin fortzusetzen und zu entwickeln. Ich denke, dass er dabei mit der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft rechnen kann. Leider schließe ich einzelne Zwischenfälle nicht aus, da es sich um eine instabile Gegend handelt und da wir uns den Gesprächen über den endgültigen Status Kosovos nähern.“

Ivica Petrovic, Belgrad

DW-RADIO/Serbisch, 7.6.2005, Fokus Ost-Südost

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