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Fußball

Deutschland und Spanien träumen vom Finale

Im WM-Halbfinale von Durban wollen an diesem Mittwoch Deutschland und Spanien der Niederlande ins Finale folgen. Zu erwarten ist ein Duell auf Augenhöhe. Beide Teams bekunden großen Respekt vor dem Gegner.

Symbolbild Semifinale Deutschland Spanien

"Spanien ist für mich der Favorit", sagt Bundestrainer Joachim Löw respektvoll vor dem Halbfinale der deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch (07.07.2010) gegen Spanien. Zwar konnte seine Elf England überraschend klar mit 4:1 schlagen und auch das argentinische Team um Superstar Lionel Messi mit 4:0 aus dem Turnier werfen, aber: "Spanien hat nicht nur einen Messi, sondern die haben mehrere Messis in ihrer Mannschaft, gerade auch in der Offensive", schwärmte Löw.

Bundestrainer Joachim Löw im Kreise seiner Nationalspieler (Foto: AP)

Joachim Löw und seine Jungs

Doch der Bundestrainer ist vorbereitet auf den Europameister und baut vor allem auf das Selbstbewusstsein seiner jungen Mannschaft. "Diese Spieler haben von ihrem Charakterwesen keine Angst. Sie haben zwar Respekt vor dem Gegner, aber keine Angst, weil sie eben auch wissen, dass sie gut Fußball spielen können."

Respekt bekundet tatsächlich auch Deutschlands neuer Superstar, Bastian Schweinsteiger: "Spanien ist für mich die beste Mannschaft der Welt. Es wird schwieriger sein als gegen England oder Argentinien." Der spanische Coach Vicente Del Bosque schiebt die Favoritenrolle indes den Deutschen zu: "Sie sind momentan die beste Mannschaft der Welt."

Duell der EM-Finalisten von 2008

Spaniens Fernando Torres feiert den EM-Triumph 2008 (Foto: AP)

Torres feiert den EM-Triumph

Beim letzten großen Turnier standen sich beide Mannschaften im Endspiel gegenüber. Spanien gewann 2008 den Europameistertitel durch ein knappes, aber dennoch souveränes 1:0. Gedanken an eine Revanche weist Stürmer Miroslav Klose jedoch zurück. "Das waren damals andere Mannschaften und andere Spieler. Ich glaube, was die Qualität angeht, sind wir besser als 2008. Das wollen wir in dem Spiel auch zeigen."

Für Spaniens Nationalkeeper Iker Casillas hat das Halbfinale "eine noch höhere Bedeutung als das EM-Endspiel vor zwei Jahren. "Das ist das wichtigste Spiel in unserer Geschichte", sagte der Kapitän und schwört die Seleccion auf die Begegnung in Durban ein: "Für uns gibt es nur ein Ziel: Wir wollen als Weltmeister nach Madrid zurückkehren. Das ist es, was unsere Landsleute erwarten. Sie wollen den WM-Pokal. Der EM-Titel ist Vergangenheit."

Kampf der Torjäger

Miroslav Klose schlägt einen Salto nach seinem 4:0 gegen Argentinien (Foto: AP)

Auch gegen Spanien würde Klose sein Markenzeichen, den Tor-Salto, gerne zeigen

Es ist auch ein Duell der Torschützenkönige. Vor dem Halbfinal-Krimi liegt Barcelonas Star David Villa mit fünf Treffern noch knapp vor seinem in Südafrika bislang viermal erfolgreichen Bayern-Kollegen Klose. "Deutschland hat bisher die stärksten Leistungen bei der WM gezeigt. Aber wir glauben an uns und wissen, dass wir sie schlagen können", sagt EM-Torschützenkönig Villa, der damals im Finale noch verletzt zuschauen musste. Jetzt soll ihn niemand stoppen: "Dieses Spiel ist etwas ganz Besonderes für mich. Dieses Mal werde ich auf dem Platz dabei sein. Ich werde alles dafür geben, dass wir das Endspiel erreichen."

Der 32-Jährige Klose möchte hingegen Villa nicht nur die Final-Teilnahme wegschnappen, sondern auch die Torschützenkrone von 2006 verteidigen. Trifft Klose einmal, zieht er zudem mit insgesamt 15 Toren mit WM-Rekordschütze Ronaldo (Brasilien) gleich.

Spanier suchen noch WM-Form

Jubel der spanischen Spieler David Villa (r) und Andres Iniesta (Foto: AP)

Spaniens WM-Torschützen Villa (rechts) und Iniesta

Die Spanier waren mit einem 0:1 gegen die Schweiz ins Turnier gestartet, hatten danach aber ihren bekannt guten Kombinationsfußball gezeigt und vier Siege in Folge gefeiert. Beim 1:0 im Viertelfinale gegen Paraguay jedoch quälte sich das Team zum Erfolg. Roque Santa Cruz, ehemaliger Bayern-Profi in Diensten Paraguays, meinte dennoch: "Man hat gesehen, dass Spanien eine gute Mannschaft ist. Die können ebenso gut zusammen spielen wie die Deutschen. Ich glaube aber, dass Deutschland eine Superchance hat, ins WM-Finale zu kommen."

Doch diese Chance wollen auch die spanischen Spieler nutzen. Natürlich haben auch sie die guten deutschen Offensivleistungen bemerkt, aber: "Wir werden vorbereitet sein. Es wird wie ein frühes Endspiel", sagte Mittelfeldstar Andres Iniesta. Größtes Sorgenkind der Spanier ist Fernando Torres. Der Topstürmer blieb noch ohne Torerfolg, im EM-Finale vor zwei Jahren riss er die DFB-Elf mit seinem 1:0-Siegtor noch aus allen Träumen. Ob er am Mittwoch von Beginn an dabei sein darf, ist ungewiss.

Wer ersetzt Müller?

Müller und Klose im Torjubel (Foto: AP)

Auf Müllers Torjubel (links neben Klose) müssen die deutsche Fans gegen Spanien verzichten

Ein Manko auf deutscher Seite könne das Fehlen von Nachwuchsstar Thomas Müller sein, der wegen seiner zweiten Gelben Karte gesperrt ist. "Klar, der Ausfall wiegt schwer", sagte Bundestrainer Löw, "weil der Thomas Müller zuletzt gezeigt, mit welcher Torgefahr er bei diesem Turnier präsent ist." Der Bayern-Spieler, der bereits vier WM-Tore erzielte, hofft, im Finale wieder dabei zu sein. "Es wird nicht einfach gegen Spanien, aber die Jungens werden es schon machen", so Müller.

Bundestrainer Löw hat aber "volles Vertrauen" in seinen "Ersatz-Müller". Wer dies sein wird, ließ der DFB-Chefcoach aber noch offen. Er nannte Piotr Trochowski, Toni Kroos und Sami Khedira als Alternativen. Die besten Chancen dürfte aber der Hamburger Trochowski haben, der bei der WM bereits dreimal für den 20 Jahre alten Müller eingewechselt worden war. Im Gegensatz zu Kroos und Cacau spielt der 26-Jährige zudem auch beim HSV auf der rechten Seite.

Abgesehen von Müller stehen Löw alle Akteure zur Verfügung. Die leicht angeschlagenen Sami Khedira (Muskelverhärtung im Oberschenkel) und Arne Friedrich (Prellung am Oberschenkel) haben ebenso rechtzeitig ihre Blessuren überwunden wie Stürmer Cacau. Der Stuttgarter hatte zuletzt im WM-Achtel- und -Viertelfinale wegen einer Bauchmuskelzerrung gefehlt.

Machtkampf um die Kapitänsbinde?

Spielführerbinde der deutschen Nationalmannschaft (Foto: AP)

Heißbegehrte Binde

Brillieren konnte das deutsche Team bei dieser WM auch ohne seinen verletzten Alt-Kapitän Michael Ballack. Der 33-Jährige hatte seine Spielerkollegen zum Viertelfinale besucht und war angetan von der gebotenen Leistung. "Es ist schon teilweise unheimlich, wie diese junge Mannschaft so ein Klasseteam wie Argentinien schlägt." Ballack, der wegen einer schweren Bänderverletzung im rechten Fuß die WM am Kap als Spieler verpasste, ist inzwischen überraschend aus dem DFB-Quartier abgereist. Fast zeitgleich verkündete Philipp Lahm, den der Bundestrainer zum WM-Kapitän ernannt hatte, dass er auch nach dem Turnier weiter die Kapitänsbinde tragen wolle: "Die Rolle des Kapitäns macht mir sehr viel Spaß. Ich habe Freude daran. Wieso sollte ich das Amt dann freiwillig abgeben?", so Lahm in verschiedenen Interviews.

Spekuliert wird nun über eine Missstimmung im deutschen Team. Oliver Bierhof wies das jedoch zurück. "Ich glaube nicht, dass dieses Thema die Mannschaft berührt", sagte der Teammanager und forderte die Mannschaft unmissverständlich auf, über die künftige Besetzung des Kapitäns-Amtes bis zum WM-Schluss kein Wort mehr zu verlieren.

Spaniens Angreifer Fernando Torres jedenfalls freut sich auf die Partie jetzt gegen Deutschland: "Das wird ein tolles Spiel." Und nicht minder ist auch die Freude bei Schweinsteiger und Co. "Ich spiele immer am liebsten gegen die stärksten Mannschaften. Wir freuen uns alle schon sehr auf das Halbfinale."

Autor: Arnulf Boettcher
Redaktion: Calle Kops

DW-Radio überträgt das Halbfinale zwischen Deutschland und Spanien am Mittwoch (07.07.2010) ab 20.30 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit live und in voller Länge.

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