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Wirtschaft

Deutschland und die neue Wirtschaftswelt

Zerstören die neuen Gravitationszentren der Weltwirtschaft in Asien wirklich Arbeitsplätze in der "alten" Wirtschaftswelt Deutschland und Japan? Rolf Wenkel hat sich umgehört - und erstaunliche Antworten erhalten.

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Partnerschaft mit China: Passt das langfristig zusammen?

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass sich in Ostasien neben den USA ein neues Gravitationszentrum der Weltwirtschaft herausgebildet hat. China und seit einigen Jahren auch Indien partizipieren zunehmend an der internationalen Arbeitsteilung. In den nächsten Jahren werden dort noch einmal über 100 Millionen Menschen ins erwerbsfähige Alter kommen und auf den Arbeitsmarkt drängen. Was bedeutet das für vergleichsweise alte Volkswirtschaften wie Japan oder Deutschland? Ist der Exportweltmeister Deutschland auch Weltmeister im Export von Arbeitsplätzen? Ist Lohnverzicht und Arbeitszeitverlängerung die adäquate Antwort auf die neue Konkurrenz in Ostasien? Die Weltwirtschaft ist im Umbruch - können die Deutschen noch mithalten?

China: Einsatz für die Vielzweck-Graphik

Wenn Professor Markus Taube, Direktor des Instituts für Ostasienwissenschaften an der Universität Duisburg, gebeten wird, einen Vortrag über China zu halten, dann braucht er im Grunde nur eine einzige Grafik. Auf der waagerechten Achse ist die Zeit abgetragen, auf der senkrechten kann man für "X" einsetzen, was man will: Auslandsinvestitionen, Export, Import, Bruttosozialprodukt - was auch immer - die Kurve zeigt für China nach oben. Taube nennt das seine "multi-purpose-chart", seine Vielzweckgrafik. Seine These heißt: China ist bereits viel weiter, als das im öffentlichen Bewusstsein wahrgenommen wird. Er macht das fest an den Exportstrukturen Chinas. Die zeigen, dass China deutlich über den Status eines Landes hinaus gekommen ist, das nur arbeitsintensive Produkte exportieren kann. "Der technologische Gehalt chinesischer Exporte ist deutlich höher als wir uns das meistens vorstellen", hat Taube festgestellt. "Und ist im Endeffekt auch viel höher als die Exporte vieler osteuropäischer Staaten."

Schanghai Schild wird geputzt

Schanghai-Schild wird geputzt

Seit 1992 ist der Kapitalismus in China offiziell mit dem Marxismus-Leninismus vereinbar. Seit 2001 ist das Land Mitglied der Welthandelsorganisation WTO, seit 2004 ist das Privateigentum in der chinesischen Verfassung dem Staatseigentum gleich gestellt. Das hat China innerhalb weniger Jahre auf Spitzenplätze in der Weltwirtschaft katapultiert: Bei den Exporten hinter Deutschland, den USA und Japan auf Platz vier, bei den Importen hinter den USA und Deutschland auf Platz drei. Und Markus Taube ist überzeugt, dass das Wachstum in China auf Jahre hinaus dauerhaft und stabil sein wird. Dafür sprechen stabile Binnennachfrage, aber auch das Interesse der Weltwirtschaft. "Dazu kommt ein weiterer positiver Effekt, und das ist ein permanentes "industrial upgrading" in der chinesischen Volkswirtschaft, die im Zuge eines massiven Zustroms an ausländischen Direktinvestitionen immer neue Technologien, immer neue Herstellungsverfahren in ihre Volkswirtschaft einführt", analysiert Taube.

Mit anderen Worten: China ist längst nicht nur die Werkbank der Welt für einfache Massenprodukte. China wird den Industrieländern des Westens in Zukunft auch immer mehr bei technologisch anspruchsvollen Produkten Konkurrenz machen. Und das zu unschlagbaren Preisen. Denn in China kostet die Arbeitsstunde im produzierenden Gewerbe 80 US-Cent, in den USA dagegen 21 Dollar - und in Deutschland über 30 Dollar. Und Markus Taube ist davon überzeugt, dass China diese Lohnkostenvorteile trotz steigendem Wohlstand noch auf Jahrzehnte behalten wird: In den nächsten zehn Jahren wird China 100 Millionen Menschen zusätzlich in erwerbsfähigem Alter haben. "Das wird ein gewaltiges zusätzliches Arbeitskräfteangebot in China bedeuten, und dazu müssen wir immer bedenken: Wir haben in China noch lange keine Vollbeschäftigung."

Wolkenkratzer in Shanghai

Wolkenkratzer in Shanghai

Diese jungen Menschen werden längst nicht alle als Tagelöhner in der Massenproduktion eingesetzt werden. Denn China bildet zugleich das weltgrößte Heer von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren aus. In Zukunft - davon ist Professor Taube überzeugt - werden im Reich der Mitte Niedriglohnsektoren und High-Tech-Inseln nebeneinander anzutreffen sein.

Wie gehen die alten Volkswirtschaften damit um? Ist Indien ein neuer Tigerstaat? Lesen Sie weiter.

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