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Wirtschaft

Deutschland trudelt in Jobkrise

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft verdunkeln sich zusehends, auch der Arbeitsmarkt ist massiv betroffen. Zur Bekämpfung der Krise beschloss die Regierung, die Abwrackprämie zur Konjukturbelebung aufzustocken.

Eine junge Frau in einem Arbeitsamt. (Foto: AP)

Arbeitssuchende im Hamburger Arbeitsamt

Im Abwärtssog der Rezession droht Deutschland nach Experteneinschätzung nun auch eine Jobkrise. So werde erstmals seit Jahren der nach dem Winter übliche Frühjahrsaufschwung ausbleiben, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken und Konjunkturforscher am Mittwoch (25.03.09). Darauf deute die überdurchschnittlich schlechte Entwicklung im März hin. "Der Trend der Vormonate setzt sich weiter fort. Hinzu kommt das aktuell schlechte Wetter", stellte der Arbeitsmarkt-Experte des Ifo-Instituts, Steffen Henzel, fest.

Auf dem Arbeitsmarkt gehen die Experten davon aus, dass die Arbeitslosenzahlen bei rund 3,55 Millionen im März stagnieren werden. In den vergangenen drei Jahren war die Arbeitslosigkeit im März im Schnitt um rund 100.000 gesunken.

Klimaindex so tief wie seit 1982 nicht mehr

Ortsschild Rezession (Foto: picture alliance)

Die Prognose für den Standort Deutschland ist schlecht


Dazu passt, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex im März von 82,6 auf 82,1 Punkte fiel, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mitteilte. Damit ist der wichtige Indikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft auf dem niedrigsten Stand seit der zweiten Ölkrise 1982. Die befragten Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage erneut schlechter. Zwar sahen sie die Entwicklung für die kommenden sechs Monate weniger pessimistisch, aber "die konjunkturelle Talsohle ist noch nicht erreicht." Industriebetriebe wollten vermehrt Stellen abbauen. Auch Exportunternehmen seien hinsichtlich ihres Auslandsgeschäfts pessimistischer als im Februar.

Gegen den allgemeinen Trend entwickelt sich die Lage für die Baufirmen. "Sie setzen auf das Konjunkturpaket der Bundesregierung", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger. Für den Einzelhandel seien die Aussichten schwerer einzuschätzen. Auf die Verbraucher kämen zwar milliardenschwere Entlastungen durch Steuer- und Abgabensenkungen, die Rückzahlung der Pendlerpauschale und niedrigere Energiepreise zu. "Dem steht aber die steigende Arbeitslosigkeit entgegen", sagte Abberger.

Nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten dämpft die Kurzarbeit die Jobkrise noch. Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld geht davon aus, dass bis Ende Mai wahrscheinlich rund eine Million Männer und Frauen kurzarbeiten werden. "Dadurch wird die Arbeitsmarktstatistik natürlich erheblich entlastet", unterstrich er. Da die Arbeitszeit der Betroffenen nach Erkenntnissen der Bundesagentur für Arbeit im Schnitt um 40 Prozent verringert ist, wären ohne Kurzarbeit rund 300.000 bis 400.000 mehr Menschen arbeitslos. "Das wird allerdings nur bis Mitte des Jahres tragen. Dann wirken sich die Einbrüche bei den Investitionen aus."

Abwrackpräme wird aufgestockt

Schrottautos stapeln sich auf einem Schrottplatz. (Foto: AP)

Die bisher sehr gut angenommene Abwrackprämie wird aufgestockt

Der Chef des deutschen Autokonzerns Daimler, Dieter Zetsche, bekräftigte am Mittwoch, dass bei Daimler in Folge der Wirtschaftskrise von April an 68.000 der 165.000 Beschäftigten in Deutschland in Kurzarbeit gehen werden. Laut Zetsche befindet sich die Autoindustrie in einer "Jahrhundertkrise". Opel sei nur die Spitze des Eisbergs. Eine sehr gute Nachricht kam aber am Mittwoch aus Berlin: Nach Informationen aus Koalitionskreisen wird die Regierung die Abwrackprämie zur weiteren Ankurbelung des Neuwagengeschäfts aufstocken. Bisher stehen staatliche Gelder für etwa 600.000 Neuwagenkäufe zur Verfügung, es sind aber schon 335.000 Anträge auf die Prämie eingegangen. (al/wl/ap/dpa/rtr)