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Wirtschaft

Deutschland Top in Europa

Zu teuer, unflexibel, ja reformresistent. Das ist das zweifelhafte Gütesiegel, das dem Wirtschaftsstandort Deutschland vorauseilt. Doch internationale Unternehmen schätzen das Land vollkommen anders ein.

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Für internationale Unternehmen ist Deutschland Standort Nummer eins in Europa

Dem lauten "Nichts wie weg!" hallt plötzlich ein hoffnungsvolles "Hier geblieben!"" entgegen, denn internationale Unternehmen haben Deutschland zum Top-Standort in Europa und zur Nummer Drei weltweit gewählt. Von 1000 international tätigen Unternehmen wollte die Unternehmensberatung Ernst & Young wissen, wie attraktiv Deutschland für sie ist. Nur die USA und China haben weltweit besser abgeschnitten. Aber was genau macht den Wirtschaftsstandort Deutschland eigentlich attraktiv? Und gibt es vielleicht sogar eine Chance, im Ranking noch höher zu klettern?

Dag Valand findet das Ergebnis der Studie von Ernst & Young nicht überraschend: "Deutschland wird unterschätzt, am meisten von den Deutschen selbst. Es gibt hier vieles, was Unternehmen attraktiv finden. Ein solides ökonomisches System, ein solides Rechtssystem." Valand ist Geschäftsführer bei Wavetech, einer norwegischen Hightech-Firma. Auch, wenn man hier nicht direkt produziere, sagt er, könne man hier sehr gut Forschung und Entwicklung betreiben, die ersten Schritte bis hin zur Produktion eben. "Und man kann sein Unternehmen von hier aus managen."

Deutschland ist nicht nur ein Durchlauferhitzer

Wavetech ist eine sehr kleine Firma, sie sind nur zu fünft. Zwei arbeiten in Norwegen und drei in Rheinbach, in der Nähe von Bonn. 2003 haben sie Wavetech in Norwegen gegründet, vor zwei Jahren kamen sie auch nach Deutschland. Damit ihr Unternehmen möglichst schnell wächst, haben sie sich in ganz Europa nach günstigen Standorten umgesehen. Deutschland hat sie am meisten überzeugt: "Für uns ist hier alles viel rentabler als in Norwegen", sagt Valand. "Wir sparen Geld bei der Forschung, der Produktentwicklung und dem Industrialisierungsprozess." In Norwegen sind ihre Auftragsbücher voll, die Wirtschaft ist stark. In Deutschland ist das nicht ganz so. "Wir erleben, dass unsere Geschäftspartner nach Aufträgen lechzen und deshalb können wir hier günstiger und schneller arbeiten als in Norwegen."

EU-Kommission stellt Bezeichnung Made in Germany in Frage

Es ist immer noch vorteilhaft, wenn "Made in Germany" auf den Produkten steht

Nicht nur Valand sieht das so. Auch Klaus Bauer ist vom "Standort D" überzeugt: "Deutschland ist sicherlich eine der treibenden Wirtschaftskräfte überhaupt in Europa. Alles, was von Ost nach West geht oder von Süd nach Nord muss irgendwie durch Deutschland." Bauer ist Geschäftsführer von Chep in Deutschland, einem australischen Logistikunternehmen, das Transportpaletten und -behälter herstellt. Seiner Meinung nach liegt es nahe, in Deutschland zu sein: "Dadurch, dass wir in der Mitte liegen, haben wir nicht nur einen Durchlauferhitzerstatus, sondern wir können natürlich auch sehr viel bewegen. Und Deutschland ist ja bekannt dafür, dass es aktiv ist, besonders gut sortiert, besonders innovativ. So einen Markt kann man sich nicht entgehen lassen."

"Da kommt kein böser Geist um die Ecke"

Den Kölner Standort von Chep gibt es schon seit 20 Jahren. Aus gutem Grund, so Bauer: "Wenn Sie in anderen Ländern sind, dann müssen Sie mit Behörden kämpfen, Sie haben viele Dinge, die in Grauzonen liegen. In Deutschland ist alles relativ klar geregelt. Da wissen Sie, wenn Sie irgendetwas tun, was dabei hinten heraus kommt." Das meint er durchaus im positiven Sinne. Man wisse immer, womit man zu rechnen habe und könne als Unternehmen sehr gut kalkulieren: "Da kommt kein böser Geist um die Ecke und sagt 'Hah! Da habt ihr zwar nicht dran gedacht, aber da kommt jetzt noch eine böse Überraschung.'"

Die so oft beklagte deutsche Regulierungswut hat also auch ihr Gutes. Dag Valand von Wavetech hat sich mit dem Bürokratiewust inzwischen abgefunden. Für ihn gibt es mehr Vor- als Nachteile: "Es ist immer noch vorteilhaft, wenn 'Made in Germany' auf den Produkten steht. Wenn die Forschung und Entwicklung hier passiert, dann hat sie eine hohe Qualität. Und - wie sagt man - Deutschland ist auch vertrauenswürdig". Deshalb kann er auch kleinen Firmen nur empfehlen hierher zu ziehen.

Besser wird es kaum werden

Eine gute Infrastruktur, die Qualität von Forschung und Entwicklung, gut ausgebildete Arbeitskräfte und ein attraktiver Binnenmarkt, das sind die Stärken des Wirtschaftsstandorts Deutschland, bestätigen auch die Befragten in der Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young. Also alles eitel Sonnenschein? Nichts, was besser sein könnte? "Da könnte man jetzt sicher in viele Kerben hauen", sagt Klaus Bauer. Das Arbeiten hier wäre generell sicher einfacher, wenn es eine klar geregelte Unternehmensbesteuerung gäbe. "Und natürlich würde es uns Arbeitgebern helfen, wenn wir viel flexibler auf die Anforderungen des Marktes reagieren könnten."

Das haben die USA den Deutschen noch voraus. China, nach der Studie von Ernst & Young auf Platz zwei weltweit, trumpft mit einem riesigen Markt der Möglichkeiten auf. Unternehmen, die Wert auf niedrige Arbeitskosten legen, produzieren immer noch lieber in China, Indien oder osteuropäischen Ländern als in Deutschland. Platz drei auf der Liste der attraktivsten Wirtschaftsstandorte in der Welt - besser wird es für Deutschland wohl kaum werden.

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