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Deutschland - Super! Aber auch sexy?

Daniel Heinrich21. Januar 2016

Jetzt ist es offiziell: "Deutschland ist das beste Land der Welt". Nicht nur beim Fußball und den Exporten. Überhaupt und generell! Eine Studie aus den USA kommt zu dem Ergebnis. Anlass zum Staunen oder Erschrecken?

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Gartenzwerg mit Deutschland-Flagge (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance/dpa/J. Stratenschulte

"Fußball ist ein einfaches Spiel, es dauert neunzig Minuten und am Ende gewinnen die Deutschen". Was Gary Lineker schon 1990 wusste, weiß seit dem 7:1 gegen gedemütigte Brasilianer bei der letzten Fußball-Weltmeisterschaft auch der Rest der Welt: Deutschland ist die Nummer eins, zumindest auf dem grünen Rasen. Jetzt gibt es zu dieser Erkenntnis ein Update aus den USA: Beim Fußball macht "unser" Sieger-Gen nicht halt. Laut der Studie "Best Countries", die tatsächlich beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt wurde, ist Deutschland generell super. Immer. Egal ob bei der Wiedervereinigung, der Verarbeitung der beiden Weltkriege, oder der Einführung der sozialen Marktwirtschaft. Deutschland hängt alle ab.

Flüchtlingskrise? Kein Problem! Wenn es um Migration gehe, sei Deutschland weltweit mit Abstand das beliebteste Land, das sehe man doch schon an der ethnischen Vielfalt der neuen Generation. Deutschland als Vorbild für gelebtes Multikulti? Gemessen an der Debatte in Deutschland um "Assimilierung" und "Flüchtlingskrise" ist das doch mal ein ganz neuer Ansatz.

Sonate und Maßkrug - Die Mischung macht's

Neben altbewährten Zugpferden deutschen Kulturguts wie Beethoven und Kant loben die Autoren auch das deutsche "Traditionsbewusstsein". Dieses wird in der Studie primär festgemacht am Oktoberfest, das in den höchsten Tönen gelobt wird. Rundum ist die Studie ein Totalerfolg für Deutschland, nur folgerichtig scheint denn auch die Würdigung: "Bestes Land der Welt".

Während man bei solchen angelsächsischen Analysen als vorsichtig patriotischer deutscher Zeitgenosse erst einmal schlucken muss, war es den Machern der Studie tatsächlich ernst: Länder sollten sich als "Marken" verkaufen und dementsprechend großes Interesse haben, ihr Image zur pflegen, so der Tenor.

Neben der Medienagentur "U.S. News & World Report" und der Beraterfirma "BAV Consulting" saß bei der Zusammenstellung aller Umfragen und Recherchen auch die Wirtschaftsfakultät der Universität Pennsylvania mit im Boot. Als wissenschaftliche Unterstützung sozusagen. Der Ansatz war durchaus breit gefächert: Insgesamt wurden 16.000 Personen befragt, die insgesamt 60 näher betrachteten Länder wurden anhand von 75 Kategorien beurteilt und so landete alles am Ende in 24 Einzelbewertungen.

Oktoberfest-Besucherinnen (Foto: dpa)
Da soll noch einer sagen, deutsche Traditionen seien langweilig. Besucherinnen beim Münchner OktoberfestBild: picture-alliance/dpa/A. Gebert

Ganz großes Kino - Auch in Zukunft

In den allermeisten Fällen waren die Deutschen ganz vorne mit dabei: Nummer eins bei wirtschaftlichen Innovationen, Spitze bei der Unterstützung von Frauen, Unübertroffen bei der Einhaltung von Menschenrechten und wunderbar eingebunden ins Konzert der internationalen Mächte. Egal ob bei EU, OECD, NATO, oder UN: Überall dabei und - natürlich - beliebt.

Neudeutsch würde man jetzt also sagen: "Läuft für Deutschland" und das nicht nur, weil es hierzulande - laut Studie - im weltweiten Vergleich nur minimale Unterschiede bei den Einkommen gibt. Es kommt sogar noch besser: Gerade weil Deutschland so gut abgeschnitten habe, würden Direktinvestitionen, Tourismus und Außenhandel in Zukunft ein einziger Selbstläufer.

Nachteil "Sexyness"

Aber seien wir ehrlich: "Bestes Land"? Was für eine Ansage! Sicher: Die Busse kommen pünktlich, der Müll wird getrennt und Krankenversicherung für alle gibt es auch. Aber "Die Besten"? Sieger-Gen und Goldmedaille für alle mit dem bordeauxroten Reisepass? Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Der Blick geht zum Schluss noch einmal über die Studie und ..... tatsächlich findet sich noch eine Spur von negativem Realismus!

Es folgt deshalb hier eine Art Warn-Hinweis für all diejenigen, die an dieser Stelle schon bierselig fahnenschwenkend im deutschen Markenauto laut hupend die Metropolen der Welt beschämen möchten. Eine Kategorie gab es nämlich doch, in der Deutschland so richtig schlecht abschneidet. In der Rubrik "Abenteuer" ist es nachzulesen. Die Kriterien dort: "Freundlichkeit", "Spaß" und - Achtung -"Sexyness". Hallo?? "Sexyness"?? Man ahnt es schon. Genau: 0,1 Punkte. Von maximal 10,0. Insgesamt Platz 45 für Deutschland in dieser Kategorie. Man kann offenbar nicht alles haben. Doch mal ganz im Ernst: Überlassen wir "Sexyness" lieber den Profis! Wem? Genau. Brasilien. Volle Punktzahl.