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Wirtschaft

Deutschland sucht den "Big Boss"

Der Ex-Manager von Bayer-Leverkusen, Reiner Calmund, lässt im Fernsehen Würstchen verkaufen. So will er einen Top-Manager für die deutsche Wirtschaft finden.

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Findet er die Rettung für die deutsche Wirtschaft im TV?

Reiner Calmund ist im deutschen Fußball bekannt wie ein bunter Hund. 27 Jahre betätigte sich der schwergewichtige Geschäftsmann als Manager bei Bayer Leverkusen und eroberte mit rheinischer Offenheit nicht nur die Fans seines Vereins. Nach seinem vorläufigen Abschied vom Fußball wechselt der 55-Jährige für kurze Zeit das Genre. Für den privaten Fernsehsender RTL präsentiert Calmund seit Ende Oktober elf Folgen der Reihe "Big Boss" - und der ist natürlich Calmund. Der Ex-Manager soll in der neuen Show aus zehn Kandidaten den fähigsten herausfiltern.

Die Rettung Deutschlands

Big Boss Reiner Calmund mit Kandidaten, RTL

Sie würden alles für einen Managerjob tun: Reiner Calmund darf aussuchen

Die deutsche Wirtschaft, darin sind sich Experten einig, benötigt neue Impulse und einfallsreiche Köpfe. Für deren Förderung engagiert sich nicht nur Wirtschaftsminister Clement, sondern auch Rainer Calmund:" Ich möchte all mein Gewicht in die Waagschale werfen, dass Deutschland wieder nach vorn schaut. Denn es ist ein tolles Land. Mit Marken, die die ganze Welt kennt." Calmund will Menschen suchen, die richtig anpacken und Mut haben.

Erfolgsvorbilder aus den USA lassen sich unter arbeitsmarktpolitischen Aspekten in der Bundesrepublik jedoch nicht automatisch zum Quotenkracher machen. "Big Boss", der sich stark am amerikanischen Original von NBC "The Apprentice" ("Der Lehrling") anlehnt, bescherte RTL mit etwas mehr als zehn Prozent noch nicht den erhofften Markanteil. Solche Spielshows, so Professor Bernd Kriegesmann vom Institut für angewandte Innovationsforschung, taugen hierzulande nicht zur Talententdeckung: "Leute die bei der Show gut spielen können, sind nicht unbedingt die Geeigneten später im Job."

Würste verkaufen

Dem Sieger bei "Big Boss", der sich gegen elf Konkurrenten durchsetzen muss, winkt entweder ein Top-Job in der Industrie oder 250.000 Euro als Startkapital für eine Firmenneugründung. Die auf dem Weg dahin aufgestellten Hürden sollten allerdings keinen ambitionierten Unternehmer ins Straucheln bringen. In Frankfurt etwa gab es folgende sinnige Aufgabe von Reiner Calmund: "Ihr werdet heute eine Frankfurter Spezialität verkaufen - Frankfurter Würstchen. Das Team, was den höchsten Gewinn erwirtschaftet, wird von mir belohnt."

Reiner Calmund, Big Boss mit Jungunternehmer, RTL

Alle an einem Tisch. Sitzt hier die zukünftige Managerelite Deutschlands?

Professor Bernd Kriegesmann betrachtet diese Aufgaben aber nicht als Kriterium für unternehmerische Kompetenz im realen Leben. "Unternehmensgründungen verlaufen nach anderen Mustern. Sie setzen vor allen Dingen eben auch bestimmte Persönlichkeitsstrukturen bei den Gründern voraus", erklärt Kriegesmann. Wenn in diesem Fall das maskuline gegen das feminine Team mit 108 Euro Unterschied unterliegt, dann mag zwar Big Boss Calmund unterhaltsam lospoltern, "bei Eurem Ergebnis krieg ich wirklich volle Kreislaufstörungen." Doch wenn sich vier von sechs Teammitgliedern ums Management, aber nur zwei um den Verkauf kümmern, dann könne das wirtschaftlich nur in die Hose gehen.

Ohne Symbolwirkung

Darüber amüsiert sich womöglich der Zuschauer, nicht aber der den Arbeitsmarkt analysierende Fachmann. Der Bildschirm tauge nun einmal nicht als Showtreppe für die Entdeckung neuer Wirtschafts-Talente. Eine Symbolwirkung für Nachahmer sieht Kriegesmann nicht.