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Afrika

Deutschland Schwarz-Weiß

Günter Wallraff hat einen Film gedreht: Schwarz auf Weiß heißt er. In ihm spielt Wallraff einen Schwarzen in Deutschland. Das ist gut gemeint. Und schlecht gemacht. Der Film ist voller Klischees, meint Dirk Bathe.

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Kwami Ogonno allein auf gelber Flur

Schwarze, also afrikanische Schwarze, nicht die Obama-Schwarzen, heißen Kwami Ogonno, tragen 70erJahre-Schnäutzer, 60erJahre-Hemden und zeitlos dämliche Frisuren. Sie sprechen eine Art Höhlen-Deutsch und wundern sich, dass sie mit angetrunkenen Energie-Cottbus-Fans nicht so recht warm werden.

Das finden Sie jetzt rassistisch? Ja, könnte man meinen. Aber genau dieses Bild von Schwarzafrikanern in Deutschland verbreitet der neue Günter-Wallraff-Enthüllungs-Film. Wer Günter Wallraff nicht kennt: Der Mann ist Journalist und hat sich in den 80ern sehr verdient gemacht als "Der Mann, der bei BILD Hans Esser" war. Dort deckte er auf, wie das Springer-Blatt Kampagnen entwickelt, Wahrheit verdreht bis sie ins reaktionäre Weltbild passt und Menschen vorführt, die sich nicht wehren können. Wallraff ist eine Art Michael Moore der Vor-Mauerfall-Bundesrepublik. Jetzt aber wird aus ihm eine Art Borat - nur dass er Klischees ernst nimmt, wo Borat mit ihrer Lächerlichkeit spielt. Und vor allem deshalb ist „Schwarz auf Weiß“ ein gescheitertes Experiment.

Kein Stellplatz für Somalier

Schwarz auf Weiss Günther Wallraff

Unter Trinkern: Kwami im Biergarten

Ja, der Film hat auch seine starken Momente. Etwa wenn Kwami Ogonno samt angeblicher Familie einen Stellplatz für seinen Wohnwagen sucht. Im Tecklenburger Land. Wo ihn der Campingplatz-Besitzer freundlich darauf hinweist, dass er die falsche Hautfarbe hat und auch vom falschen Ort „wechkommt“. Kein Stellplatz für Kwami, und erst recht keine Werbung für das Tecklenburger Land als Reiseziel. Doch wird Kwami Ogonno durchgehend diskriminiert? In seiner Film-Eigenschaft als Schwarzer?

Schwarz, Weiß, Licht und Schatten

Nun, immer dann wenn er als eher arm, eher ungebildet und eher provozierend in seinem Äußeren auftritt. Was keineswegs Diskriminierung rechtfertigt – aber deutlich zeigt, welches Bild er offenbar von Schwarzen in Deutschland hat. Denn wenn er seiner Figur mal ein Outfit im Obama-Stil verpasst, etwa als er – plötzlich topgestylt und seriös im Auftreten - in einem Juweliergeschäft Kaufinteresse heuchelt – da wird der sonst so Diskriminierte zuvorkommend und rücksichtsvoll behandelt. Wie jeder Kunde, der nicht einem Fahndungsfoto gleicht. Und als Kwami Ogonno sich in einer anderen Szene bei einigen älteren Damen erkundigt, ob man im nahegelegenen Flüsschen angeln dürfe, wird er von jenen gleich verpflichtet, im Erfolgsfall die Damen zum Fisch-Essen einzuladen.

Fehlte noch der NPD-Parteitag

Schwarz auf Weiss Günther Wallraff

Zurück zum Weißen: Kwami wird wieder Günter

Und es ist wenig überraschend, dass Hooligans – zumal im Osten – irritiert auf das Auftauchen eines Schwarzen im Fanbus reagieren. Die Antwort auf Ogonnos Frage, wer denn heute wohl gewinnen werde: Du nicht! - ist da fast schon komödiantisch.

Schwarze in Deutschland werden diskriminiert. Das ist eine Tatsache und nicht nur unter den Betroffenen seit Jahrzehnten bekannt. Organisationen wie die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland machen darauf aufmerksam, afrodeutsche Künstler weisen daraufhin, ebenso wie Journalisten und Politiker mit afrikanischem oder afroamerikanischem Hintergrund. Wallraff hat nichts aufgedeckt – im Gegenteil, er hat eine Chance vertan. Denn Schwarze kommen in seinem Film kaum vor und noch weniger zu Wort. Wallraff scheint davon überzeugt, selbst genug Schwarzer zu sein, mit ein bisschen aufgesprühter Schminke und albernen Klamotten. Aber er wirkt nicht wie ein Afrodeutscher, er wirkt wie ein Marsmännchen.

Autor: Dirk Bathe

Redaktion: Katrin Ogunsade

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