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Sport

Deutschland scheidet nach großem Kampf aus

Aus der Traum von der K.o.-Runde bei der Basketball-EM in Litauen. Trotz einer beherzten Leistung gegen den Gastgeber im letzten Zwischenrundenspiel reichte es für das Team um Dirk Nowitzki nicht fürs Viertelfinale.

Litauens Jonas Valanciunas (2.v.l.) wirft neben Deutschlands Chris Kaman den Ball, während Deutschlands Dirk Nowitzki (r.) Litauens Paulius Jankunas abdeckt (Foto: dapd)

Die Hürde Litauen war fürs Weiterkommen zu hoch

Am Ende des letzten und entscheidenden Zwischenrundenspiels stand den deutschen Nationalspielern die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Sie hatten alles in die Wagschale geworfen, dennoch reichte es am Ende in der "grünen Hölle" von Vilnius nicht zum Weiterkommen.

Gegen die favorisierten Gastgeber, die von Tausenden in den Landesfarben grün-gelb-rot gekleideten Fans angetrieben wurden, gab es eine 75:84 (33:37)-Niederlage. Um noch ins Viertelfinale einzuziehen, hätte die deutsche Mannschaft aber mit elf Zählern Vorsprung gewinnen müssen. Davon war man am Ende weit entfernt. Dabei machte die DBB-Auswahl eines ihrer besten Spiele im Turnier, ließ sich von den stark besetzten Litauern nie abschütteln und hatte sogar mehrfach die Möglichkeit, das Spiel zu ihren Gunsten zu drehen. Im entscheidenden Moment fehlte aber die Genauigkeit, bei einigen den jüngeren Spieler die Erfahrung und teilweise auch das Glück.

Dirk Nowitzki trocknet sich das Gesicht mit einem Handtuch ab (Foto: dapd)

Deutschlands bester Spieler, Dirk Nowitzki, war am Ende seiner Kräfte und fand nicht recht ins Spiel

"Wir haben alles auf dem Feld gelassen", sagte ein erschöpfter Dirk Nowitzki nach dem Spiel und räumte bescheiden ein: "Es lag an mir. Ich war einfach nicht in der Verfassung, hier ein gutes Turnier abzuliefern." Der Superstar der Dallas Mavericks hatte im Mai nach insgesamt 96 Saisonspielen mit seinem Team den NBA-Titel gewonnen, war danach bei zahlreichen Ehrungen und Empfängen herumgereicht worden und nach nur zwei Wochen Erholungspause zur Nationalmannschaft gestoßen. Dieses Pensum, das sich schon während des gesamten Turniers bemerkbar gemacht hatte, sorgte auch gegen Litauen dafür, dass Nowitzki nicht zu der entscheidenden Figur wurde, die er für das deutsche Team hätte sein können.

Kaman stärkster Spieler

Litauens Mantas Kalnietis hält den Ball, während ihn Deutschlands Chris Kaman und Deutschlands Dirk Nowitzki angreifen (Foto: dapd)

Starke Leistung - Chris Kaman (2. v.r.) von den L.A. Clippers

So war der müde wirkende Nowitzki, der zudem von den Litauern fast ständig doppelt verteidigt wurde, diesmal nicht Deutschlands bester Werfer. Stattdessen zeigte der andere NBA-Profi im deutschen Trikot, Chris Kaman, ungeahnte Scorerqualitäten. Kaman steuerte insgesamt 25 Punkte bei und auch der junge Robin Benzing war mit 18 Zählern erfolgreicher als Nowitzki (16). Außerdem trafen nur Heiko Schaffartzik (13) und Philipp Schwethelm (3). Alle anderen deutschen Spieler blieben ohne Punkte.

Dennoch lobte Bundestrainer Dirk Bauermann sein Team: "Die Jungs haben alles gegeben. Wir hatten die Litauer sogar am Rande einer Niederlage", sagte er. "Schade, am Ende hat es nicht gereicht. Eigentlich hatten wir auf die Verlängerung gehofft, um dort noch mal fünf Minuten extra zu haben für die elf Punkte Vorsprung." Neben dem Aus bei der Europameisterschaft bedeutet das verpasste Viertelfinale auch, dass Deutschland nicht bei den Olympischen Spielen 2012 in London dabei sein wird. Zur direkten Qualifikation hätte man das EM-Finale erreichen müssen, die Plätze drei bis sechs berechtigen zur Teilnahme an einem Qualifikationsturnier im kommenden Jahr.

Vielleicht das letzte Länderspiel

Dirk Nowitzki mit der Trophäe des besten Spielers der NBA-Playoffs (Foto: dapd)

Nowitzki braucht Abstand

Wie es mit dem deutschen Basketball nun weitergeht ist daher offen. Dirk Nowitzki wird sich wohl bis auf weiteres aus dem Nationalteam zurückziehen, vielleicht sogar ganz aufhören, auch wenn er dies unmittelbar nach dem Spiel nicht bestätigen wollte. "Wir müssen schauen, was die Zukunft bringt", sagte der 33-Jährige. "Ich brauche erstmal eine Pause. Es war ein langes Jahr. Danach muss man überlegen und sich in Ruhe unterhalten." Gleichzeitig aber klang auch ein wenig durch, dass die Ära Nowitzki im Nationaltrikot tatsächlich zu Ende sein könnte. "Ich danke allen Journalisten, allen beim DBB, allen Physios – es hat immer sehr viel Spaß gemacht und ich werde deshalb immer mit einem lachenden Auge an die Nationalmannschaft denken." Nowitzki wird nun wieder zu seinem Club in die USA reisen, wo ab November die nächste lange NBA-Saison ansteht.

Mit dem Ausscheiden bei der EM ist auch die Ära von Bundestrainer Dirk Bauermann beendet. Der 53-Jährige wird sich in Zukunft ganz auf seinen Job als Coach des Bundesliga-Aufsteigers FC Bayern München konzentrieren. Bauermann war seit 2003 für die deutschen Korbjäger verantwortlich und feierte mit der Silbermedaille bei der EM in Serbien 2005 seinen größten Erfolg. Seinen Nachfolger will der Verband frühestens Ende des Jahres präsentieren.

Autor: Andreas Sten-Ziemons
Redaktion: Wolfgang van Kann