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Wirtschaft

Deutschland Plagiatorland

Dass in China besonders viele Produktfälscher zum Schaden der deutschen Wirtschaft unterwegs sind, weiß jeder. Weniger bekannt ist, dass Deutschland seit Jahren auf Platz zwei liegt.

Steffen Zimmermann ist kaum zu stoppen. Der Geschäftsführer der "Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz" im Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) hat gerade die neueste #link:http://pks.vdma.org/documents/105969/1437332/VDMA%20Studie%20Produktpiraterie%202014_final.pdf/94453892-0f19-4afb-95d6-dcf0779a7651:Studie seines Verbandes zur Produktpiraterie# vorgelegt. Seit 2003 befragt der VDMA alle zwei Jahre seine Mitgliedsfirmen zu dem Thema, und jedes Mal steigt die Zahl der betroffenen Firmen.

Steffen Zimmermann, Geschäftsführer der AG Produkt- und Know-how-Schutz (Foto: privat)

Steffen Zimmermann: Neue Rekorde

"Wir haben in der neuesten Umfrage einen neuen Rekord: Mittlerweile sind über 70 Prozent der Unternehmen von Produktpiraterie betroffen", sagt Zimmermann zur DW. "Der Schaden liegt bei rund 7,9 Milliarden Euro. Nur für unsere Branche, den Maschinen- und Anlagenbau, und nur für 2013." Mit fast acht Milliarden Euro Umsatz hätte man rund 38 000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen können, rechnet Zimmerman vor.

Underground Factories

Plagiat Druckmessgerät (Foto: Plagiarius e.V.)

WIKA-Druckmesser: Links das Original

Nachgemacht wird übrigens so gut wie alles, was irgendwie profitträchtig ist. "Sie können davon ausgehen, dass sogar ganze Maschinen nachgebaut werden. Das heißt, das Metall und die Software in der Maschine wird kopiert. Dann Ersatzteile, manchmal auch nur das Design", sagt Zimmermann. "Im Inneren sieht es dann ganz anders aus, da wird die Funktion manchmal nicht erfüllt. Und das sind mir eigentlich die Liebsten", so Zimmermann, denn bei solchen Produkten ist der Nachweis der arglistigen Täuschung relativ einfach.

Als Plagiatoren bezeichnen die befragten Unternehmen vor allem die Wettbewerber. "An zweiter Stelle kommen so genannte 'underground factories', also Hinterhof- oder Garagenwerkstätten, wo unter widrigsten Bedingungen - sowohl menschlich als auch für die Gesundheit - produziert wird", so Zimmermann. "An dritter Stelle stehen dann Kunden und Zulieferer, die auch als Plagiatoren auftreten."

China führt, Deutschland Zweiter

Plagiate Hochdruckreiniger (Foto: Plagiarius e.V.)

Der linke Hochdruckreiniger kommt aus Winnenden, der rechte aus China

Bei Hinterhof-Werkstätten denkt man unwillkürlich an die Volksrepublik China, den Marktführer sozusagen. 72 Prozent aller entdeckten Fälschungen stammen von dort. Erschreckend sei aber, so heißt es in der VDMA-Studie, dass mit 23 Prozent mittlerweile fast jede vierte Fälschung aus Deutschland kommt. Deutsche Plagiatoren haben damit die Türkei von Platz zwei verdrängt.

"Das hat natürlich verschiedene Gründe", sagt VDMA-Mitarbeiter Steffen Zimmermann. "Zum einen ist es das Problem des Unrechtbewusstseins, also Sie und ich, wir sind auch Käufer von solchen Produkten. Und in Deutschland ist es noch immer so, dass man zuerst auf den Preis schaut und dann auf die Qualität." Chinesische Plagiate gelten in der Regel als qualitativ minderwertig, während die Fälschungen deutschen Ursprungs vom VDMA als Hightech-Plagiate bezeichnet werden. "Diese Hightech-Plagiate zeigen, dass die Gefahr im eigenen Land sehr ernst zu nehmen ist", schreibt der VDMA in seiner Studie.

Regressforderungen nehmen zu

Hergestellt werden die meisten Produktfälschungen durch so genanntes "re-engeneering". Man baut ein Produkt auseinander, analysiert die Einzelteile, Prozesse und Funktionen, um es dann kostengünstiger nachzubauen. Sieben von zehn Produktfälschungen sind auf diese Weise entstanden. Erst danach folgt der Abfluss von Firmen-Know-how, etwa durch ehemalige Mitarbeiter. Und die klassische Industriespionage rangiert mit 15 Prozent ganz weit hinten.

Ein Viertel aller befragten deutschen Maschinen- und Anlagenbauer wird übrigens durch Plagiate doppelt bestraft. Ihnen ist nicht nur Umsatz entgangen, sondern sie werden von Käufern in Regress genommen, die meinen, im Besitz eines Originals zu sein. "Wenn Leib und Leben in Gefahr waren, kann es durchaus sein, dass langwierige Prozesse auf das Unternehmen zukommen und es schwierig wird, sich dort herauszuwinden" sagt Steffen Zimmermann. "Denn oft ist der Nachweis, dass es ein Plagiat war, gar nicht mehr möglich. Zum Beispiel, wenn das Produkt verbrannt ist."

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