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Deutschland: Mediendialog zum Thema Russland

Über die Situation der russischen Medien im Spannungsfeld zwischen politischer Zensur und Pressefreiheit diskutierten Fachleute aus Politik und Journalismus beim ersten Mediendialog der Deutschen Welle in Bonn.

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Das Flugchaos in Folge des Vulkanausbruchs in Island hatte den Organisatoren des ersten Deutsche Welle Mediendialogs im Vorfeld erhebliches Kopfzerbrechen bereitet: „Einige unserer Gäste aus Moskau konnten leider nicht anreisen“, so Prof. Dr. Christoph Schmidt, Cheforganisator der Veranstaltung. Eigens mit dem Auto gekommen war dagegen Boris Reitschuster, Korrespondent der Zeitschrift Focus in Moskau. Pointiert beschrieb der Journalist seine persönlichen Erfahrungen mit Einschüchterungsversuchen und routinemäßiger Überwachung durch die Behörden: „Ein Klima echter Meinungsfreiheit sieht anders aus“, so das desillusionierte Fazit des Journalisten und Buchautors. Der Alltag kritischer russischer Kollegen allerdings, so der Korrespondent, sei noch weitaus härter als der eines ausländischen Journalisten.

Positiv verwies dagegen der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen darauf, dass sich Russland und damit einhergehend auch die Arbeitsbedingungen von Journalisten seit Ende des Kalten Krieges tiefgreifend verändert hätten. Während der Sowjetzeit etwa, so der ehemalige Moskauer ARD-Korrespondent, sei es beispielsweise für ausländische Korrespondenten undenkbar gewesen, sich ohne staatlich verordnete „Begleitung“ durch das Land zu bewegen. Und heute? „Die gefährdete Pressefreiheit Russlands muss international zur Sprache gebracht werden. Insbesondere, weil Russland als Partner auf Augenhöhe anerkannt werden will. Andererseits sollten wir uns hüten, vom hohen Ross Urteile zu fällen“, so Pleitgen.

Trotz Aschewolke aus Moskau nach Bonn gekommen war Galina Timschenko. Die Chefredakteurin des Onlinemagazins „lenta.ru" berichtete, kritische politische Themen könnten grundsätzlich im Internet eher publiziert werden, als in den Tageszeitungen oder gar im Fernsehen. Allerdings fordere die Mehrheit der russischen Bevölkerung eine kritische Berichterstattung überhaupt nicht ein. Das beklagte auch Ingo Mannteufel, Leiter des Russischen Programms von DW-RADIO/DW-WORLD.DE. „Man hat das Gefühl, dass sich die Bevölkerung mit dem System der gelenkten Medien abgefunden hat“. Selbst junge Internetnutzer, so Galina Timschenko, interessierten sich vorrangig für Lifestyle-, Sport- und Konsumthemen. Kritische Netz-Medien hätten deshalb mit enormen Finanzierungsproblemen zu kämpfen.

„Das Problem der Meinungsfreiheit kann beim Mediendialog beleuchtet werden, lösen lässt es sich aber nicht“, resümierte die Direktorin der DW-AKADEMIE, Gerda Meuer. Da ein vitaler Mediensektor aber für jeden Entwicklungs- und Demokratisierungsprozess von elementarer Bedeutung sei, müsse Journalisten und Medienschaffenden in Russland der Rücken gestärkt werden, so die Leiterin des internationalen Zentrums der Deutschen Welle für Medienentwicklung.

Der Mediendialog der DW-AKADEMIE soll künftig mindestens einmal im Jahr stattfinden - entweder mit dem Fokus auf einen Medienmarkt oder ein spezifisches Medienfachthema.