1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Deutschland kein Pay-TV-Land

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die Live-Übertragungsrechte für die Bundesliga ab 2013 erneut dem Bezahlsender Sky eingeräumt. Ein gutes Geschäft hat der damit bislang nicht gemacht.

Ein Kameramann des Pay-TV-Senders Sky ist am Samstag, 8. Aug. 2009 in Dortmund, vor dem Bundesliga-Spiel Borussia Dortmund gegen 1. FC Koeln zu sehen. Alle 306 Spiele der Bundesliga und alle 306 Partien der 2. Bundesliga in der am Wochenende beginnenden Saison werden von Sky (frueher Premiere), das weiter auf sein eingespieltes Team von Kommentatoren und Moderatoren setzt, live gezeigt. (ddp images/AP Photo/ Roberto Pfeil) A cameraman of Germany's pay tv broadcaster Sky can be seen prior to the German first division Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and FC Cologne in Dortmund, Germany, Saturday, Aug. 8, 2009. (ddp images/AP Photo/ Roberto Pfeil)

Pay-TV-Sender Sky in Deutschland

Fußballfans in England, Spanien oder Italien müssen, wenn sie ein Spiel ihres Lieblingsvereins am Bildschirm sehen wollen, tief in die Tasche greifen. Profifußball wird dort nur im Pay-TV übertragen. Anders in Deutschland: Jedes Spiel der Fußball-Bundesliga kann man im frei empfangbaren Fernsehen oder im Radio mitverfolgen. Auch hierzulande hat sich zwar mit Sky ein Pay-TV-Sender die Erstverwertungsrechte gesichert, doch wem eine Zusammenfassung eine Stunde nach Abpfiff reicht, der braucht auch kein Abo bei Sky. Der Sender gehört mehrheitlich dem Medienunternehmer Rupert Murdoch.

Der Privatsender bietet Live-Übertragungen aller Spiele und auf Wunsch auch eine Konferenzschaltung, in der alle parallel ausgetragenen Spiele in Ausschnitten live gezeigt werden. Doch die Zahl der Abonnenten ist immer noch zu gering, als das Sky Gewinne machen könnte. Der Sender bleibt vorläufig in den roten Zahlen.

Warum für etwas bezahlen, das es auch kostenlos gibt?

Für Christoph Fritsch, Wirtschaftswissenschaftler und Dozent an der Universität Köln, ist es nicht erstaunlich, dass das Bezahlfernsehen in Deutschland mit dem Fußball kein Geld verdient. Denn warum, so gibt der Medienexperte zu bedenken, sollte ein Fußballfan Geld ausgeben für etwas, dass er auch im Programm der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten von ARD und ZDF sehen kann. Ohne einen Extrabeitrag bezahlen zu müssen.

Die gebührenfinanzierten deutschen Sender seien für Pay-TV-Sender eine mächtige Konkurrenz. Das deutsche Fernsehen biete, "auch im Vergleich zu England, Italien und Spanien eine hohe Qualität ", so Fritsch und fügt hinzu: "Das gilt insbesondere auch für den Fußball."

Das Free-TV-Angebot in Deutschland scheint den meisten Fußballfans zu genügen. Sie können ein Spiel zwar nicht live verfolgen, wenn sie nicht im Stadion sind, aber, so Fritsch, es gibt "trotzdem die Möglichkeit, Fußball zu sehen. In der Sportschau gibt Spielzusammenfassungen und Kurzberichte. Und das ist in anderen Ländern sicherlich nicht gegeben."

König Fußball

Der Fußball ist wegen seiner Beliebtheit ein begehrter Programminhalt. Kein anderes Thema allein lockt so viele an Zuschauer an. Deshalb sind diese Fußballrechte von entscheidender Bedeutung. Gerade die Bezahl-Sender, so Fritsch, brauchen diese populären Inhalte, denn: "Die Fußball-Bundesliga ist ein ganz exquisiter Inhalt mit einer hohen Publikumswirkung."

Rechnen wie ein Gastwirt

Sport allein reicht allerdings nicht, um einen Pay-TV-Anbieter in die Gewinnzone zu bringen. Das weiß auch Brian Sullivan, Chef des Bezahlsenders Sky. In einem Interview mit der Financial Times Deutschland gab er zu, dass das runde Leder allein nicht ausreiche, um Geld verdienen zu können. "Wenn man nur ein Produkt hat, dann kann es so stark sein wie die Bundesliga, das Geschäftsmodell wird nicht funktionieren."

Christoph Fritsch sieht das auch so. Wer ausschließlich auf Sportsenderechte setze, werde kein Geld verdienen, denn "Fußball alleine ist ein relativ teurer Sendeinhalt." Wie ein Gastronom oder ein Tankstellenbetreiber müsse sich auch ein privater Fernsehsender durch Mischkalkulation finanzieren. Man müsse, so Fritsch, "einen teuren, sehr begehrten Inhalt mit anderen, eher austauschbaren, Inhalten mischen, um das Gesamtpaket finanzierbar zu machen."

Wahlkampf mit dem Sport

Die Mischkalkulation wird aber nur dann aufgehen, wenn sein teurer und begehrter Haupt-Inhalt auch verfügbar ist. Für einen Privatsender heißt das: Wird ein interessantes Spiel angepfiffen, wird ein großes Turnier ausgetragen, dann dürfen nur noch die Mikrophone und Kameras seines Senders das Ereignis begleiten und niemand sonst darf darüber berichten. Diese Exklusivität ist aber gerade in Deutschland schwer herzustellen.

In der föderalen Struktur Deutschlands, mit sechzehn, auf kulturellem Gebiet autonomen Bundesländern und einer ganzen Reihe von öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, in deren Aufsichtsgremien Politiker sitzen, wird mit dem Programm auch Politik gemacht. Ein Politiker, der seinen Wählern verspricht, dass die Spiele der Nationalmannschaft oder die Spiele der Bundesliga kostenfrei im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt werden, kann für die nächste Wahl vielleicht entscheidend punkten.

Kulturgut Fußball

So wird auch von politischer Seite dafür gesorgt, dass der Vorsprung der öffentlich-rechtlichen Sender beim Kampf um die Fußballsenderechte erhalten bleibt: Der Fußball sei ein Kulturgut, dem eine besondere Bedeutung zukomme und die öffentlich-rechtlichen Sender müssten im Sinne ihres Kulturauftrages darüber frei berichten. So werden, sagt Christoph Fritsch, sportliche Großereignisse "als informationeller Grundbedarf mit gesellschaftlicher Relevanz eingestuft. Dieses Bewusstsein ist in Deutschland nun wirklich sehr ausgeprägt."