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Gesellschaft

Deutschland: Jeder Fünfte von Armut und Ausgrenzung bedroht

Im Europa-Vergleich liegt Deutschland zwar unter dem Schnitt. Trotzdem zeichnet eine aktuelle Statistik ein düsteres Bild über die materiellen Verhältnisse, in denen rund 16 Millionen Menschen leben müssen.

Keine Waschmaschine und kein Telefon im Haushalt oder Probleme mit der Mietzahlung: Das sind nach einer EU-Definition klare Anzeichen für Armut. Im vergangenen Jahr war in Deutschland jeder Fünfte von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Der Anteil von 19,7 Prozent der Bevölkerung entspricht etwa 16 Millionen Menschen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Die Zahlen stammen aus der Erhebung "Leben in Europa (EU-SILC)". Europaweit liegt der Schnitt der Betroffenen mit 23,5 Prozent etwas niedriger.

Anzeichen für drohende Armut

Eine Person gilt als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Lebenssituationen zutrifft: Ihr Einkommen liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze, ihr Haushalt ist von erheblicher materieller Entbehrung betroffen oder sie lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung. Nach Angaben der Statistiker waren 3,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland 2016 von "erheblicher materieller Entbehrung" betroffen. Das bedeutet, dass ihre Lebensbedingungen aufgrund fehlender finanzieller Mittel eingeschränkt waren. So waren sie nicht in der Lage, Miete, Hypotheken oder Versorgungsleistungen zu bezahlen, ihre Wohnungen angemessen zu beheizen oder eine einwöchige Urlaubsreise zu finanzieren.

Armut trotz guter Konjunktur

Arme Menschen hätten oft große Schwierigkeiten, "am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen", erklärte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Der Sozialverband VdK nahm die Politik bei der Armutsbekämpfung in die Pflicht. "Armut ist ein drängendes Problem in Deutschland und ein unhaltbarer Zustand, den die neue Bundesregierung schnell angehen muss", mahnte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. "Wenn trotz der guten wirtschaftlichen Konjunktur 16 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung in unserem Land bedroht sind, dann darf die Politik das Problem der Armut nicht länger kleinreden."

"Wir müssen Geld in die Hand nehmen"

Die Grünen drängen auf größere Anstrengungen zur Bekämpfung der Armut in Deutschland. Diese bewege sich "nach wie vor auf einem Rekordniveau", sagte der Grünen-Sozialexperte Wolfgang Strengmann-Kuhn. Er verwies darauf, dass sich die vier Jamaika-Parteien bei ihren Sondierungen grundsätzlich zur Bekämpfung der Kinderarmut bekannt hätten. Nun gehe es darum, "dies mit konkreten Maßnahmen zu unterfüttern". Dafür "müssen wir allerdings Geld in die Hand nehmen". Die Grünen wollen Familien um zwölf Milliarden Euro entlasten und das bisherige System aus Kindergeld und Kinderfreibetrag durch die Kindergrundsicherung ersetzen. Dies soll vor allem Familien mit kleinen und mittleren Einkommen helfen. Dieser Vorschlag wird auch bei den derzeit laufenden Sondierungen von CDU, CSU, FDP und Grünen erörtert. Einigkeit gibt es darüber aber bislang nicht.

bri/sti (epd, afp, dpa)