1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Deutschland ist Wald-Europameister

Der Wald dient als Erholungszone, Lebensraum und grüne Lunge. Er liefert Brenn- und Baustoff und bietet Arbeitsplätze. Doch welche Bäume gibt es? Wie wachsen sie? Alle zehn Jahre wird im Wald Inventur gemacht.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (Foto: DW/Heiner Kiesel).

Bundeswaldminister Christian Schmidt (CSU)

90 Milliarden Bäume wurzeln in Deutschlands Wälder. Damit ist ein Drittel der Fläche mit Bäumen bewachsen. Nicht ohne Stolz verkündete Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), dass der Holzvorrat in den vergangenen zehn Jahren um sieben Prozent auf 3,7 Milliarden Kubikmeter gestiegen und damit europaweit am höchsten sei. Es wachse mehr Holz nach als genutzt werde, sagte Schmidt bei der Vorstellung des dritten Bundeswaldinventur-Berichts. Aber auch die Nachfrage sei rege. So sei in den Jahren 2002 bis 2012 jährlich rund 76 Millionen Kubikmeter Holz geerntet worden.

Die gefährlichsten Berufe Holzfäller (Foto: Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa).

Holzfäller - Beruf mit Zukunft?

Rohstoffverheizung

Der steigende Ölpreis macht die energetische Holznutzung immer lukrativer. Die Hälfte des Holzeinschlags wird zur Wärme- und Stromerzeugung verbrannt. Der Bedarf dürfte weiter steigen. Umweltverbände kritisieren die Holzverheizung als "ökologisch und gesellschaftlich untragbar". Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert eine Senkung des Holzverbrauchs.

"Aus der anderen Hälfte werden zu großen Teilen kurzlebige - und Verpackungsprodukte erzeugt", bemängelte Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung.

Weg von Monokulturen

Die Bundesregierung stützt sich bei ihrer Forst-, Klimaschutz-, Energie- und Naturschutzpolitik auf die Ergebnisse der Bundeswaldinventur. Die Erhebung dokumentiert auch die veränderte Zusammensetzung des Waldes. Der Mischwaldanteil ist auf drei Viertel der Gesamtwaldfläche gestiegen. Mischwälder mit Laub- und Nadelbaumbestand halten dem Klimawandel, Stürmen oder dem Befall durch Borkenkäfer und andere Schädlinge eher stand als schnell wachsende Monokulturen aus Fichten. "Der deutsche Wald ist in den vergangenen Jahren strukturreicher und älter geworden. Der gute Zustand des Waldes ist das Ergebnis vorausschauenden, waldbaulichen Handelns von Politik, Waldeigentümern und Förstern", lobte Minister Christian Schmidt.

Deutscher Wandertag 2014 (Foto: Swen Pförtner/dpa).

Das Waldwandern ist der Deutschen Lust

Christoph Rullmann, Bundesgeschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), bezweifelt allerdings, dass sich die Situation in allen Wäldern Deutschlands so positiv darstellt. "Wir werden den gesamten Bericht noch kritisch würdigen, sagte Rullmann. Denn bisher wurden nur 52 Seiten veröffentlicht. Die darin enthaltenen Zahlen dokumentieren, dass der Anteil an Laubbäumen um sieben Prozent gewachsen ist. Noch allerdings besteht der Wald zu mehr als der Hälfte aus Nadelbäumen, wie Fichten und Kiefern - oft in Monokulturen. Das verspricht schnelleren Profit: Während Buchen rund 140 Jahre bis zur Erntereife brauchen und Eichen mehr als 200, sind Nadelbäume schon nach 50 bis 80 Jahren hiebsreif.

Alle zehn Jahre wird der deutsche Wald vermessen

Für den Bericht sammelten 60 unabhängige und selbstständige Waldgutachter 2011 und 2012 im Auftrag von Bund und Bundesländern Daten. Mit Laptop, GPS-gesteuertem Navigationsgerät, Feldstecher und Maßband peilten sie ausgewählte Bäume an, um Umfänge zu messen. Mit dem Fernglas erfassten sie Fruchtstände, den Nadel- oder Blattzustand bis hinauf in die Kronen. Zeigten die Bäume Anzeichen von Krankheitsbefall, Nährstoffmangel anhand abgestorbener Äste oder vergilbtem Laub? Oder hatten Insekten die Rinde angefressen? Die Auswertung der Daten anhand von 150 Merkmalen an 60.000 Messpunkten durch die Forstexperten dauerte zwei Jahre.

Claus Mattheck bei der Baum-Analyse (Foto:KIT (Karlsruher Institut für Technologie).

Einfach sich selbst überlassen - entwurzelte Bäume

Vom Nutzen alter Bäume und toten Holzes

Umweltverbände wie BUND, Forum für Umwelt und Entwicklung, Greenpeace und NABU kritisieren, dass das Ministerium nicht alle Daten offenlegte. So seien keine differenzierten Aussagen über alte Bäume möglich. "Mehr Holz im Wald bindet mehr klimaschädliches Kohlendioxid und ist Voraussetzung für eine größere Artenvielfalt. Unsere Wälder müssen insgesamt deutlich älter werden, sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Außerdem seien nicht einmal zwei Prozent der Wälder streng geschützt. Doch nur auf dauerhaft forstwirtschaftlich ungenutzten Flächen können alte, dicke Bäume und Totholz entstehen, Strukturen, die für den Erhalt der biologischen Vielfalt unverzichtbar sind. Immerhin stieg der Anteil der im Wald belassenen abgestorbenen Bäume um 18 Prozent. Sie sind wichtig für die Erneuerung der Nährstoffe im Waldboden. Außerdem dienen tote Stämme Pilzen und Insekten als Lebensraum.

Darüber hinaus fungieren Wälder als Trinkwasserspeicher und bieten Schutz vor Überschwemmungen. Sie filtern die Luft, binden klimaschädlichen Kohlenstoff und setzen Sauerstoff frei und leisten somit einen unverzichtbaren Anteil gegen den Klimawandel.

"Im Bundeswaldgesetz müssen wichtige Aspekte des Waldschutzes, wie das Kahlschlagsverbot, der Bodenschutz und ein hoher Anteil an Totholz festgeschrieben werden", fordert der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Nach dem Beschluss der Bundesregierung sollen bis 2020 fünf Prozent der Wälder Deutschlands ohne jegliche forstwirtschaftliche Nutzung sein. Dann kann so mancher Baum noch älter werden als heute: 2014 sind 14 Prozent aller Bäume älter als 120 Jahre - und damit besonders wertvoll für Artenvielfalt und Naturschutz.

Audio und Video zum Thema