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Wirtschaftswachstum

Deutschland im "XXL-Aufschwung"

Die Wirtschaft in Deutschland wächst weiter überraschend munter: Das Bruttoinlandsprodukt legte im dritten Quartal des Jahres um 0,8 Prozent zu. Fachleute hatten mit einem etwas geringeren Zuwachs gerechnet.

Die Zuwachsrate in den drei  Monaten zuvor hatte bei 0,6 Prozent gelegen. Im ersten Quartal zum Jahresbeginn legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach korrigierten Zahlen sogar um 0,9 Prozent zu. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag weiter erklärte, wurde das jüngste Wachstum unter anderem vom Außenhandel angetrieben.

Die Exporteure profitierten in den Sommermonaten vom anziehenden Welthandel. "Die Exporte legten im dritten Quartal stärker zu als die Importe", betonte das Statistikamt. Der private Konsum profitierte von der Rekordbeschäftigung und höheren Löhnen. Der Volkswirt Andreas Scheuerle von der Dekabank spricht deshalb sogar von einer "atemberaubend stabilen Binnennachfrage". Angesichts guter Aussichten investierten die Unternehmen wieder mehr, und der Bauboom in Deutschland ging weiter.

Inzwischen komme der Aufschwung in eine neue Phase sagte der Ökonom Michael Holstein von der der DZ-Bank zu jüngsten Zahlen: "Besonders erfreulich ist, dass der Aufschwung nun auch mehr und mehr investitionsgetrieben zu sein scheint. Das war lange Zeit der größte Schwachpunkt der  aktuellen Konjunkturerholung. Wenn die Unternehmen nun verstärkt investieren, wird das auch die Produktivität stützen." Das könne dann auch zu stärkeren Lohnsteigerungen führen.

Forderungen aus der Wirtschaft

"Wir erleben einen Aufschwung auf breiter Basis", konstatiert auch Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Die Investitionen würden wieder anziehen, Unternehmen angesichts der hohen Nachfrage zunehmend ihre Kapazitäten erweitern. Es sei aber wichtig, dass die neue Bundesregierung diesen Schwung nutze. "Denn während es konjunkturell richtig gut läuft, liegt strukturell einiges im Argen." Aus Sicht der Unternehmen verliere Deutschland als Wirtschaftsstandort an Wettbewerbsfähigkeit - etwa mit Blick auf die Verkehrsinfrastruktur, die Unternehmensbesteuerung und das Fachkräfteangebot. "Ganz oben auf der Prioritätenliste für die neue Bunderegierung setzen die Betriebe den Bürokratieabbau und die Digitalisierung."

Anhaltender Boom

Die Unternehmen waren laut dem Ifo-Institut aus München zuletzt so zuversichtlich wie nie zuvor. "Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat ein neues Allzeithoch erreicht", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest jüngst. "Die deutsche Wirtschaft steht unter Volldampf." Der Chefvolkswirt vom Bankhaus Lampe Alexander Krüger spricht von einem "XXL-Aufschwung".

Der Boom in Deutschland könnte nach Einschätzung von Volkwirten noch eine Weile weitergehen: Etliche Wirtschaftsforscher haben ihre Konjunkturprognosen heraufgesetzt. So trauen beispielsweise die sogenannten "Wirtschaftsweisen"  Deutschland 2017 ein Wachstum von 2,0 Prozent zu. Damit würde Europas größte Volkswirtschaft das achte Jahr in Folge expandieren. Für 2018 werden sogar 2,2 Prozent vorausgesagt.

Das starke Wachstum in Deutschland schiebt weiter auch die Wirtschaft im gesamten Euro-Währungsraum an. Das Bruttoinlandsprodukt in den 19 Euro-Ländern stieg zwischen Juli und September um 0,6 Prozent zum Vorquartal, wie die Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. Im Frühjahr hatte es ein Plus von 0,7 Prozent gegeben. Für Schwung sorgte neben Deutschland als größter Volkswirtschaft im Euro-Raum mit seinem Plus von 0,8 Prozent auch Spanien. Das Land schaffte ein Wachstum in gleicher Höhe. In Frankreich und Italien legte die Wirtschaft jeweils um 0,5 Prozent zu.

ar/hb (dpa, rtr)