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Politik

Deutschland holt auf bei Korruptionsbekämpfung

Finnland, Neuseeland und Dänemark sind weltweit die Länder mit der geringsten Korruption. Deutschland hat sich im aktuellen Korruptionsindex von Transparency International vom 16. auf den 15. Platz verbessert.

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Korruption - längst kein Kavaliersdelikt mehr

Endlich eine gute Nachricht für ausländische Investoren mit Interesse an Deutschland: Das Land wird von Experten und Unternehmen als weniger anfällig für Korruption eingeschätzt als noch vor drei Jahren. Der Korruptionsindex der Organisation Transparency International wurde erstmals 1995 veröffentlich und fasst die Ergebnisse der Befragung von Geschäftleuten und Analysen von Länderexperten zusammen. In Berlin zeigte sich Hansjörg Elshorst, der Chef von Transparency Deutschland, mit dem Ergebnis zufrieden. "Wir können uns freuen: Deutschland ist wieder ein Stückchen nach oben gerutscht. Von einem eher blamablen Patz 20 vor drei Jahren sind wir jetzt auf Platz 15 gekommen. Was immer noch nicht großartig ist - aber immerhin."

Skandinavien weit vorne

Auf einer Skala von zehn möglichen Punkten erreicht die Bundesrepublik diesmal einen Wert von 8,2. Am wenigsten anfällig für Korruption sind skandinavische Länder, allen voran Finnland. Und das, so die Experten von Transparency, weil das Behördenhandeln transparenter ist, und weil jeder Bürger das Recht hat, bei Verdacht aktiv zu werden. In Deutschland dürfen das nur Betroffene tun. Weltweit schätzt Tranparency die Summe, die durch Bestechung verloren geht, auf 400 Milliarden Dollar - eine sehr grobe Schätzung. Anke Martiny, Vorstandsmitglied bei Transparency, sieht eine hohe Dunkelziffer. "Das Bundeskriminalamt schätzt, dass 90 bis 95 Prozent aller Korruptionsdelikte nicht entdeckt werden", erklärt sie. "Jeder Staatsanwalt, der sich damit beschäftigt, sagt: Wenn wir schauen, finden wir auch etwas, und an jedem Zipfelchen, das wir hochheben, hängen ganz schnell 10 bis 15 andere Verfahren."

Der Westen mischt meist mit

Aktenkoffer mit Euroscheinen, thumbnail

Geschmiert wird in allen Bereichen - und mit allen Mitteln. Lange lag der Fokus im Kampf gegen Korruption nur auf denjenigen, die die Hand aufhielten - Bestechungsgelder deutscher Firmen bei Geschäften im Ausland waren sogar steuerlich absetzbar. Jetzt stehen auch die Firmen am Pranger, die Bestechungsgelder zahlen. Insgesamt hat Transparency in 40 von 146 Ländern eine tief verwurzelte Korruption festgestellt, darunter Haiti, Nigeria, Aserbaidschan und Paraguay. In Europa ist Polen einer der schlimmsten Sünder. Ein gutes Beispiel ist für Anke Martiny das Gesundheitswesen. "Die Gehälter für Ärzte sind niedrig, also werden die Patienten zur Kasse gebeten, das heißt Cash für jeden Arzt, um behandelt zu werden", erklärt sie. Der reiche Westen sei aber in vielen Bereichen mitschuldig an der grassierenden Korruption. Auch hier wählt sie das Beispiel der Ärzte. "Sie werden natürlich auch von den Pharma-Konzernen geschmiert, um bestimmte Produkte an den Mann zu bringen".

Aus für schwarze Schafe

In vielen Ländern wird Korruption dadurch erleichtert, dass die bestechenden Firmen nicht belangt werden können, sondern nur einzelne Personen - oft kleine Mitarbeiter. In den USA dagegen sind auch millionenschwere Klagen gegen Unternehmen möglich. Für Deutschland setzt Transparency vor allem auf ein Register, in dem Sünder-Firmen aufgelistet und künftig von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden.

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  • Datum 08.12.2004
  • Autorin/Autor Jens Thurau
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5xNL
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