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Musik

Deutschland hat seinen Star gefunden

Roman Lob wird Deutschland beim Eurovision Song Contest 2012 vertreten. Das war schon seit seinem ersten Auftritt in der Casting-Show "Unser Star für Baku“ klar. Trotzdem gab es am Ende eine kleine Überraschung.

Das Gesicht in der Schulter von Finalkontrahentin Ornella de Santis vergraben kann Roman Lob sein Glück kaum fassen. Gerade haben die Zuschauer der Show "Unser Star für Baku" ihn zum Gewinner auserkoren, zum deutschen Teilnehmer beim ESC 2012 in Aserbaidschan. Romans Favoritenrolle war die gesamte Show über so präsent, dass das Ergebnis fast schon vorherzusehen war. Dennoch ging die Sache sehr knapp aus.

Zunächst wählten die Fernsehzuschauer den Teilnehmer Song - für Roman "Standing Still", für Ornella die Ballade "Quietly" - und danach den Gewinner selbst. Beide Songs passten perfekt zum stimmlichen Können der Finalisten, so dass es am Ende ein Kopf-an-Kopf-Rennen gab, aus dem Roman schließlich mit 50,7 zu 49,3 Prozent der durch Telefonanruf abgegebenen Stimmen als Sieger hervorging.

Die Juroren Alina Süggeler, Thomas D und Stefan Raab posieren bei einer Pressekonferenz zur Castingshow Unser Star für Baku in Köln. Foto: Henning Kaiser dpa/lnw (c) dpa - Bildfunk

Jury für den Vorentscheid: Alina Süggeler, Thomas D und Stefan Raab

"Der Drops ist gelutscht"

Ganz Deutschland hat mehrere Wochen einen Teilnehmer für den ESC 2012 gesucht. In acht Folgen der Show "Unser Star für Baku" stellten sich 20 ausgewählte Aspiranten dem Urteil der Zuschauer und der Jury. Die Jury bestand aus Alina Süggeler (Sängerin der deutschen Popband Frida Gold) Stefan Raab (Produzent der Sendung) und Jurypräsident Thomas D (einer der erfolgreichsten HipHop Musiker Deutschlands und Mitglied der Formation "Die Fantastischen Vier").

Um mehr Spannung zu erzeugen, setzte das Team aus ARD und Pro 7 auf ein neues, nie dagewesenes Abstimmungsprinzip: die "Blitztabelle", die das Voting-Verhalten der Zuschauer über die gesamte Sendung hinweg darstellte. Zu Beginn jeder Sendung gab es eine Vorstellungsrunde der Kandidaten. Schon ab diesem Zeitpunkt konnten die Zuschauer für ihren jeweiligen Favoriten anrufen.

Dieses "Sympathievoting" wurde live am Bildschirmrand angezeigt und legte die Reihenfolge der Kontrahenten fest: Der mit den meisten "Sympathieanrufen" sang zuletzt, der mit den wenigsten war als Erster an der Reihe. Hier konnte Roman von der ersten Sendung an überzeugen und belegte immer den vordersten Platz.

Die Zuschauer konnten nun während der Sendung durchgehend mitverfolgen, auf welchem Rang sich ihr persönlicher Favorit befand und durch kontinuierliches Anrufen dafür sorgen, dass der Lieblingskandidat es in die nächste Runde schaffte. Gegen Ende der Sendung wurden dann im Minutenabstand die obersten Rangplätze der Tabelle festgelegt und somit die Teilnehmer der nächsten Runde bestimmt. Auch hier war Roman immer der Erste, der es in die nächste Runde schaffte. Somit zeichnete sich schon sehr früh ab, wer die Show gewinnen würde. Dennoch betonte Stefan Raab im Verlauf der Sendung immer wieder: "Alles ist offen, der Drops ist noch nicht gelutscht".

Eine zweite Chance
 
Der 21-jährige Gewinner aus Neustadt/Wied, der neben seiner Tätigkeit als Industriemechaniker in einer Rockband singt, hat schon in seinen jungen Jahren Erfahrungen mit Casting-Shows gesammelt. Mit 16 schaffte er es schon einmal unter die letzten 20 Teilnehmer der Show "Deutschland sucht den Superstar". Damals musste er allerdings aufgrund einer Kehlkopfentzündung frühzeitig aufgeben. Nun hat Roman Lob eine zweite Chance bekommen und sie genutzt. Mit dem Song "Standing Still", eine Komposition des Jazz- und Popkünstlers Jamie Cullum, wird er Deutschland in Aserbaidschan vertreten.

Die Kandidatin der Castingshow Unser Star fuer Baku, Ornella de Santis. Foto: Hermann J. Knippertz/dapd

Ornella de Santis gab ihr Bestes

Kontrahentin Ornella de Santis schaffte es trotz aller Favoritenprophezeiungen zugunsten Romans zu überraschen: Sie zeigte eine von ihr nie gekannte stimmliche Bandbreite, Intonation und Facettenreichtum und kämpfte sich in der Blitztabelle knapp an Roman heran. So sorgte sie doch noch für ein Herzschlagfinale, denn zurecht bescheinigte ihr Stefan Raab in der Halbfinalshow: "Das war internationales Niveau“.

Um die Zielgruppe zu erschließen, die Roman zum Sieger gekürt hat, reicht ein Blick auf die offizielle "Unser Star für Baku" Facebook-Seite: Roman Lob wurde ca. 27.000 mal "geliked", Tendenz steigend, Kontrahentin Ornella dagegen nur ca. 4000mal (Stand: 16. Februar). Die Masse, die am Ende den Star für Baku auserkoren hat, ist ein junges, in den neuen Medien vernetztes Publikum, das sich von Ornella nicht genügend angesprochen fühlte. Allerdings könnte es schwer werden, diese Menschenmasse auch im Ausland zu mobilisieren.

Hat er auch das nötige Etwas?

Deshalb muss sich der diesjährige ESC-Teilnehmer dem Vergleich mit Lena Meyer Landrut stellen, immerhin hat Lena damals ihre "Mission" erfüllt und den ESC 2010 gewonnen.

Roman Lob singt waehrend der Ausscheidungsshow Unser Star fuer Baku. Foto: Hermann J. Knippertz/dapd

Seine Wahrzeichen sind schmetternde Refrains und große Natürlichkeit

Wo Lena nicht tanzen konnte, das aber konsequent gut, bewegt sich Roman gezielt Kamera affin, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Wo Lena charmant auch mal einen Ton daneben setzte, trifft Roman jede Note so sicher wie ein Sängerknabe im Kirchenchor. Aber genau das ist das Problem mit Roman Lob. Ist er vielleicht zu sehr Sängerknabe, zu glatt, zu perfekt, zu "natürli(s)ch" wie der Rheinländer und die Jury nicht müde werden zu betonen?

Diese Vorhersehbarkeit in Verbindung mit seinem Gesangstalent könnte ihm zum Verhängnis werden. Bei Lena Meyer-Landrut war ihre Unberechenbarkeit Teil ihrer Natürlichkeit. Lenas verrücktes Charisma fiel auf, polarisierte und riss auch die anderen ESC Teilnehmerländer mit.

Am 26. Mai tritt Roman Lob in der "Crystal Hall" in Baku im ESC-Finale auf, um den Titel des größten Musikwettbewerbs der Welt für zu Deutschland zu holen. Ob er der Mission gewachsen ist, wird sich zeigen.


Autor: Michael Lehmann
Redaktion: Matthias Klaus

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