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Deutschland

Deutschland gibt weniger für arme Länder

Während Deutschland bei der Entwicklungshilfe kürzt, weiten andere EU-Staaten laut OECD ihre Hilfe aus. Bundesminister Niebel macht die große Koalition für den geringeren Geldfluss verantwortlich - und gelobt Besserung.

Junge im nigerianischen Dorf Tibiri (Archivbild:dpa)

Ingesamt sank die Hilfe der EU-Staaten für Entwicklunsgländer im vergangenen Jahr

Wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch (14.04.2010) in Paris mitteilte, gab die Bundesrepublik im vergangenen Jahr rund 8,33 Milliarden Euro an Entwicklungshilfe aus. Dies sei ein Rückgang um zwölf Prozent gegenüber 2008. Zugleich entspreche der Wert nur 0,35 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Die der Europäischen Union angehörenden OECD-Länder hätten sich aber verpflichtet, mindestens 0,51 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Entwicklungshilfe bereit zu stellen.

In der offiziellen OECD-Rangliste der Geberländer liegt Deutschland hinter den USA und Frankreich nun auf Platz drei. Vorher hatte es noch direkt hinter den USA rangiert. In einer ersten Reaktion verwies Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel darauf, dass die Zahlen den von der großen Koalition zu verantwortenden Haushalt widerspiegelten. Mit 0,35 Prozent Entwicklungshilfequote liege Deutschland allerdings schon über dem OECD-Durchschnitt von 0,31 Prozent. Auch stehe Berlin zu dem Ziel, 2015 eine Quote von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen, so der FDP-Politiker.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (Foto: AP)

Entwicklungsminister Dirk Niebel bezeichntet die deutsche Entwicklungshilfe trotz Rückgang als Erfolg

Niebel verwies in diesem Zusammenhang auch darauf, dass Deutschland die Entwicklungshilfe bereits in diesem Jahr um 256 Millionen Euro erhöhe, so dass sie "erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik auf über sechs Milliarden Euro" steige. Dies betrachtete der Minister angesichts der schwierigen Haushaltslage als "einen enormen Erfolg".

Einige Länder weiteten Finanzhilfen aus

Andere Euro-Staaten wie Italien, Irland und Österreich kappten 2009 ebenfalls die Unterstützung für die ärmeren Länder dieser Welt, was vor allem afrikanische Empfängerstaaten zu spüren bekamen. Umgekehrt gibt es laut OECD aber auch EU-Staaten, die die finanziellen Hilfen ausweiteten. Am stärksten wuchsen sie in Frankreich (um fast 17 Prozent), in Großbritannien (14,6 Prozent) und in Finnland (gut 13 Prozent). Auch Belgien, Schweden und Dänemark steigerten ihre Entwicklungshilfe.

Insgesamt sei die Hilfe der 15 EU-Staaten unter den OECD-Mitgliedern allerdings leicht gesunken, und zwar um 0,2 Prozent auf 0,44 Prozent, hieß es in Paris weiter. Die EU-Staaten leisteten aber 56 Prozent der gesamten öffentlichen Entwicklungshilfe. Viele von ihnen hielten auch ihre Versprechen ein oder überträfen sie sogar: Dazu gehörten Spitzenreiter Schweden mit mehr als einem Prozent Anteil der Entwicklungshilfe am BIP, Luxemburg (ein Prozent), Dänemark (0,83), die Niederlande (0,8) sowie Belgien (0,7).

Autor: Stephan Stickelmann (dpa, kna, epd, afp)
Redaktion: Herbert Peckmann

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