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Deutschland

Deutschland freut sich für Obama

Den allermeisten Deutschen ist Barack Obama äußerst sympathisch. Kein Wunder also, wenn die Entscheidung des Nobelpreiskomitees hierzulande überwiegend positiv aufgenommen wird. Es gibt allerdings auch kritische Stimmen.

Barack Obama bei seiner Rede vor der Siegessäule in Berlin am 24. Juli 2008(Foto: AP)

Obama in Berlin (Juli 2008)

Dass der amerikanische Präsident nach gerade einmal neun Monaten Amtszeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird, das hatte auch in Deutschland kaum jemand erwartet. Aber Barack Obama ist hierzulande natürlich äußerst populär, weit populärer noch als daheim in den USA. Für viele Deutsche verkörpert er geradezu das Idealbild eines politischen Führers; mit seinem Charisma, seiner Intelligenz und seiner Bereitschaft zum Dialog.

Gratulation vom Bundespräsidenten

Den zahllosen deutschen Obama-Anhängern spricht Bundespräsident Horst Köhler wohl aus dem Herzen, wenn er in seinem offiziellen Glückwunschschreiben den Politikstil des neuen Friedensnobelpreisträgers lobt: "Ihr Name wird mit einer neuen, kooperativen Weltpolitik verbunden, die im fairen, partnerschaftlichen Miteinander den globalen Herausforderungen begegnet." Angesichts von Obamas Engagement für eine friedliche Zusammenarbeit zwischen Staaten und Völkern sei der Nobelpreis eine verdiente

Auszeichnung. Und Köhler verspricht: "Auf Deutschland können Sie immer zählen."

Glückwünsche von Merkel und Steinmeier

US-Präsident Obama und Bundeskanzlerin Merkel 2009 in Dresden (Foto: AP)

Obama und Kanzlerin Merkel 2009 in Dresden

Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte von Leipzig aus. Es sei Obama in kurzer Zeit gelungen, "einen neuen Ton zu setzen und Gesprächsbereitschaft zu schaffen." Das Ziel einer atomwaffenfreien Welt müsse in den nächsten Jahren gemeinsam umgesetzt werden. "Die Auszeichnung ist sicherlich ein Ansporn für den Präsidenten und für uns alle", sagte die Kanzlerin.

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier hofft, dass die Symbolwirkung des Nobelpreises den internationalen Abrüstungsbemühungen neuen Schwung verleiht. Obama setze sich nicht erst seit seinem Amtsantritt "unermüdlich für die Lösung internationaler Probleme und Krisen" ein, lobte Steinmeier. Die "mutige Politik der ausgestreckten Hand" sei der richtige Weg, um die verhärteten Fronten in vielen Konflikten aufzubrechen.

Kommt die Auszeichnung zu früh?

Auch Steinmeiers designierter Nachfolger, FDP-Chef Guido Westerwelle, beglückwünschte den US-Präsidenten. Der Friedensnobelpreis an Barack Obama sei "weniger die

Auszeichnung für bereits Erreichtes, sondern eine Rückenstärkung für eine Politik, die auf Kooperation statt Konfrontation und auf Abrüstung statt Aufrüstung setzt". Andere wurden da noch deutlicher. So etwa der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe, der in einem Interview im Deutschlandfunk die Auszeichnung als verfrüht bezeichnete. Zwar sympathisiere er mit Obama, aber mit den "Vorschusslorbeeren" tue man dem Präsidenten gar keinen Gefallen. In der Tagespolitik ständig an den hohen Maßstäben eines Friedensnobelpreisträgers gemessen zu werden, "mache die Dinge nicht einfacher".

So ähnlich sieht das auch der amtierende außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Eckart von Klaeden: Der Preis sei eine große Ehre, aber auch eine Bürde. "Die mit dem Preis verbundenen hohen Erwartungen werden die schwierigen Verhandlungen etwa mit dem Iran oder Russland oder die Entscheidungen im Hinblick auf Afghanistan und Pakistan nicht leichter machen."

Kritiker wollen erst noch Taten sehen

Obama-Fan in Berlin (Foto: AP)

Obama-Fan in Berlin

Kritische Zwischentöne also, aber keine harsche grundsätzliche Ablehnung der Preisverleihung von Seiten der deutschen Politik. Die kommt stattdessen von einer Gruppierung, von der der Verfassungsschutz vermutet, sie sei "linksextremistisch beeinflusst" und verfolge eine "leninistische Kriegsursachenanalyse": Der "Bundesausschuss Friedensratschlag" ist nach eigenem Bekunden ein "Zusammenschluss von Friedensinitiativen und Einzelpersonen zur Entwicklung und Durchsetzung friedenspolitischer Alternativen zur gängigen Außen- und Sicherheitspolitik". Der Friedensnobelpreis für Barack Obama sei ein "kolossaler Fehlgriff", meint der Ausschuss: Der US-Präsident habe bislang noch nicht mit Taten einen wertvollen Beitrag zum Frieden geleistet, sondern vorerst nur mit guten Worten geglänzt.

Diskussionen im Internet

Ähnliche Töne finden sich auch in den Internet-Diskussionsforen der deutschen Presse. "Der gute Wille gilt heutzutage für die Tat", schreibt da ein User. Und ein anderer meint, im Grunde habe Obama die amerikanische Politik doch nur wieder auf ein "Normalmaß" gebracht; und dafür müsse man nicht gleich den Nobelpreis verleihen. Andere Diskussionsteilnehmer aber verteidigen die Entscheidung; der US-Präsident habe einen Paradigmenwechsel weg vom traditionellen Gut-Böse-Schema hin zu einer Politik des Dialogs vollzogen. Und manche sehen in der Preisvergabe gar einen geschickten Schachzug, Einfluss auf Obamas künftiges politisches Handeln zu nehmen: Als Friedensnobelpreisträger werde er kaum einen Angriff etwa gegen den Iran anordnen können.


Autor: Michael Gessat
Redaktion: Hartmut Lüning

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