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Aktuell Deutschland

Deutschland flucht über das Sch...wetter

Fleecejacke statt Flipflops, Schirm statt Sonnenbad: Das Regenwetter schlägt zunehmend auf das Gemüt. Einzelhändler und Bauern werden sogar langsam nervös.

Jeden Tag erleben Millionen Menschen in Deutschland dasselbe: Graue Wolken, Regengüsse, dazu recht kühle Temperaturen und allenfalls ein paar Stündchen Sonnenschein. Der wechselhafte Sommer hält die Menschen in Deutschland nicht nur von Biergärten und Freibädern fern.

Nasse Bierbank-Garnituren am Ederseeufer (Foto: dpa)

Niemand will derzeit draußen sitzen

Auch in den Medien ist das schlechte Wetter Thema: Das auflagenstärkste Boulevard-Blatt Deutschlands, die "Bild"-Zeitung, titelte am Montag: "Sommer, verzweifelt gesucht". Auf Facebook hat die Seite "Die neuen vier Jahreszeiten: Frühling, Arschloch, Herbst und Winter" mittlerweile 226.000 Fans. Doch nicht nur den Normalbürgern schlägt der Dauerregen aufs Gemüt, auch die Wirtschaft leidet: Sommerkleidung wird zunehmend zum Ladenhüter und die Landwirte schauen wegen der anstehenden Ernte besorgt gen Himmel.

Leere Bäder, leere Läden

Sorge und Frustration spürt auch Thomas Podeyn. Der Leiter des Leipziger Schreberbades hat momentan viel Zeit zum Hecken schneiden und Rasen mähen. Derzeit freut er sich über jeden Besucher, der sich ins Freibad wagt. Am Sonntag kamen 60, am Samstag sogar nur 20. "An normalen Tagen haben wir mindestens 600 Badegäste, an guten Tagen mehr als 1200", sagt er.

Der Textilhandel hadert ebenfalls mit dem Wetter, denn die Händler werden ihre Sommerware nicht los. "Die Geschäfte laufen schlecht", sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels, Siegfried Jacobs, der "Welt". Die Folge sei eine verschärfte Rabattschlacht. Mit Beginn des Sommerschlussverkaufs am kommenden Montag sei mit weiteren Nachlässen auf die ohnehin schon niedrigen Preise zu rechnen.

Bauern fürchten Ernteausfälle

Video ansehen 01:20

Sommer in Deutschland: verwaiste Strände

Auch viele Bauern sind hochgradig nervös, weil sie wegen der ständigen Regengüsse nicht ernten können. In vielen Regionen seien Gerste und Winterraps reif, doch es sei einfach zu nass, sagt Michael Lohse, Sprecher des Deutschen Bauernverbandes. Je nach Boden dauere es ein bis drei Tage, bis die Felder abgetrocknet seien. Steht das Getreide zu lange, drohen Qualitätseinbußen.

Eine gemischte Zwischenbilanz zieht auch die Gastronomie. Das teils kühle und regnerische Wetter habe vor allem den Freisitzen und Biergärten bislang keine optimale Saison beschert, heißt es beim deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). Andererseits hätten Gastwirte mit Innengastronomie profitiert.

Meteorologen winken ab

Gleichwohl werden die Meteorologen nicht müde zu versichern, dass dies ein ganz normaler mitteleuropäischer Sommer ist. Der sei eben nicht von langen Trocken- oder Hitzeperioden geprägt, sondern von einem Auf und Ab der Temperatur mit immer wiederkehrenden Niederschlägen, heißt es in einer Erklärung des Deutschen Wetterdienstes. Und nach dessen Messungen war die erste Sommerhälfte 2012 sogar um 0,2 Grad Celsius wärmer als der langjährige Durchschnitt.

Aber: Sonnenanbeter kamen bislang kaum auf ihre Kosten. Zur Halbzeit gab es im Schnitt 247 Sonnenscheinstunden, das sind nur 40 Prozent des Sommersolls. "Und die meisten verbinden Sommer mit Wärme und nicht mit Regen", sagte die Medizinmeteorologin Christina Koppe.

Deshalb haben immer mehr Deutsche die Nase voll: Die Nachfrage nach kurzfristigen Flugreisen in den Sommer-Sonnenurlaub stieg zuletzt deutlich an. Einzelne Reiseveranstalter, wie etwa alltours, reagieren bereits darauf. Das Unternehmen nahm zusätzliche Flüge in den Süden ins Programm, um die gestiegene Nachfrage zu befriedigen.

mm/kis (dpa, afp)

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