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Deutschland

Deutschland feiert seine Einheit

Mit der Eröffnung eines Bürgerfestes haben in Bremen die offiziellen Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit begonnen. Der 3. Oktober - auch ein Tag zum "Innehalten", wie Bundespräsident Wulff meint.

Logo 20 Jahre Deutsche Einheit / Bremen 2010

Zu den zentralen Feierlichkeiten in Bremen werden an diesem Wochenende (02./03.10.2010) Hunderttausende Gäste erwartet. Auf einer Festmeile präsentieren sich die 16 Bundesländer, der Bundestag und der Bundesrat. Darüber hinaus hat Gastgeber Bremen ein buntes Programm organisiert - unter anderem mit Kleinkunst, Sport, einer Schiffsparade und viel Musik. Die Feiern zum Tag der Deutschen Einheit werden traditionell jeweils in jenem Bundesland veranstaltet, das den Vorsitz im Bundesrat hat - und das ist in diesem Jahr das kleinste deutsche Bundesland Bremen.

Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen mit Schülern, die Schiffsmodelle mit den Flaggen der Bundesländer halten (Foto: dpa)

Gemeinsam mit Schülern eröffnete der Bremer Regierungschef Böhrnsen (M.) das Bürgerfest

Höhepunkte der Feierlichkeiten sind am Sonntag ein ökumenischer Gottesdienst im Bremer St.-Petri-Dom und ein Festakt mit Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wulff will dabei seine erste große programmatische Rede halten.

"Gewaltige Veränderungen"

Christian Wulff (Foto: AP)

Christian Wulff

Seinen Besuch in Bremen wolle er dazu nutzen, mit vielen Bürgern und Gästen "das große Glück unserer Einheit in Frieden und Freiheit zu teilen", erklärte der Bundespräsident. 20 Jahre Deutsche Einheit seien Anlass zum Feiern, aber auch zum Innehalten. Die Veränderungen, die Deutschland in dieser Zeit erfahren habe, seien gewaltig, besonders in Ostdeutschland.

Aber nicht nur dort, sondern in allen Teilen Deutschlands habe sich das Leben enorm gewandelt, fügte Wulff hinzu. "Neue Kultur- und Lebensmuster, berufliche Flexibilität und der demografische Wandel fordern uns und geben Anlass, über unser Zusammenleben nachzudenken", sagte der Bundespräsident.

Gemeinsam statt Ost/West

Auch Kanzlerin Merkel würdigte die "Gemeinschaftsleistung" der Deutschen in Ost und West. Nur dadurch "ist es uns gelungen, den Aufbau der neuen Bundesländer so schnell voranzubringen und Deutschland als ein Land zu gestalten, das in der Welt heute geachtet ist", sagte Merkel in ihrer am Samstag verbreiteten wöchentlichen Videobotschaft.

Junge Leute spürten heute nicht mehr Ost und West, sondern sie wüchsen in einem gemeinsamen Deutschland auf. "Und das zu gestalten und die Deutsche Einheit zu vollenden und den Wohlstand für künftige Generationen zu sichern, dafür arbeiten wir heute gemeinsam in Ost und West, in Nord und Süd", betonte die Kanzlerin.

Kritische Anmerkungen

Besucher vor einer Karte mit den deutschen Bundesländern (Foto: dpa)

Beim Bremer Bürgerfest stellen sich auch die Bundesländer vor

Dass im Rückblick betrachtet nicht alles bestens verlief, und dass bei manchen Entscheidungen auch Fehler gemacht wurden, darauf wies Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hin. Als Beispiel nannte er die Übertragung des komplizierten westdeutschen Rechts-, Wirtschafts-, Finanz- und Sozialsystems auf das DDR-Gebiet. Eine Chance zur Modernisierung des gesamten Landes sei damit verpasst worden, sagte der CDU-Politiker laut einem Bericht der Sächsischen Zeitung vom Samstag bei einem Treffen mit Bürgern aus seinem Wahlkreis Meißen. Zwar sei der Einigungsvertrag eine große Leistung. Doch manches würde er heute anders machen.

Falsch sei auch gewesen, die Ost-Bildungsabschlüsse bis auf wenige Ausnahmen nicht vollständig in ganz Deutschland anzuerkennen. Der D-Mark-Umtauschkurs sei zwar gut für die Bevölkerung gewesen, aber schlecht für die Wirtschaft, so der Minister. Die Wettbewerbsfähigkeit der DDR-Produkte sei damit "im Keim" erstickt worden. Ähnlich sei es bei Privatisierungen verlaufen, wobei manche Betriebe für wenig Geld gekauft und "platt gemacht" wurden. Dagegen seien die Werft-, Chemie- oder Automobilindustrie mit viel Geld gefördert worden.

Dauerproblem Arbeitslosigkeit

Mit Blick auf das Zusammenwachsen der beiden deutschen Teile glaubt De Maiziere, dass sich die Unterscheidung in Ost und West künftig verlieren werde - mit Ausnahme der drei Themen höhere Arbeitslosigkeit, mangelnde Finanzkraft der Kommunen im Osten sowie die Angleichung der Rentenberechnung. "Alles andere wird sich in den kommenden 20 Jahren erledigt haben."

Polizisten auf Elektrorollern (Foto: dpa)

Sollen vor dem Modell des Brandenburger Tors für Sicherheit sorgen: Polizisten auf Elektrorollern

Bereits am Freitagabend feierten tausende Menschen vor dem Bremer Rathaus das historische Datum mit einem Konzert der DDR-Kultband Karat. Auf einer Video-Leinwand wurden die bewegenden Momente von vor 20 Jahren gezeigt. Bilder innerdeutscher Grenzkontrollen, des Falls der Mauer, von weinenden Menschen oder vom Aufbau Ost erinnerten an die vergangene Zeit.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Um einen friedlichen Verlauf der Feiern sicherzustellen, sind in Bremen rund 3000 Polizisten im Einsatz. Mehr als 2000 Menschen demonstrierten dort am Samstag mit Parolen wie "Nie wieder Deutschland" oder "Patriotismus nervt" gegen die Feierlichkeiten. Zu der Demonstration unter dem Motto "Der 3. Oktober ist kein Tag zum Feiern" hatten linke Gruppierungen aufgerufen.

Autor: Christian Walz (dpa, epd, dapd)

Redaktion: Eleonore Uhlich

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