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Deutschland

Deutschland für Zuwanderer immer attraktiver

Knapp 300.000 Menschen sind 2011 in die Bundesrepublik eingewandert, rund ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Das ist gut für Deutschland, sagt die OECD in ihrem jüngsten Migrationsbericht.

Von denen, die ihre Heimat verlassen, um im Ausland ein besseres Leben zu finden, machen sich immer mehr auf den Weg nach Deutschland. Die dauerhafte Zuwanderung zwischen 2010 und 2011 ist mit einem Plus von 68.000 Menschen in kaum einem anderen Industrieland so stark angestiegen wie in der Bundesrepublik. Das geht aus dem Migrationsausblick 2013 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hervor, der an diesem Donnerstag (13.06.2013) in Brüssel und Berlin vorgestellt wurde.

Insgesamt sind 2011 gut vier Millionen Menschen in die OECD-Staaten eingewandert. Das ist ein Plus von zwei Prozent. Nach drei Jahren des Stillstands, bedingt durch die Wirtschaftskrise in Europa, ist die Migrationsrate damit erstmals wieder angestiegen. Für 2012 wird von einem gleichbleibenden Trend ausgegangen. In der Riege der 34 OECD-Länder steht Deutschland jetzt an fünfter Stelle unter den Zielländern. Nur die USA, Spanien, Großbritannien und Italien ziehen trotz teils erheblichen Rückgangs seit Ausbruch der Krise noch immer mehr Menschen an.

Auf der Suche nach einem Job

275.000 der 2011 Zugewanderten stammen aus den Krisenländern der EU. Von ihnen ging ein Drittel nach Großbritannien, Deutschland war mit 78.000 Zuwanderern für Migranten aus Südeuropa das zweitwichtigste Zielland.

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Gelungene Integration - wie geht das? (28.05.2013)

Unabhängig von der Krise ist die sogenannte Freizügigkeit im Europäischen Wirtschaftsraum in Deutschland für den größten Teil der dauerhaften Zuwanderung verantwortlich. Mit einigem Abstand folge der Familiennachzug und in noch geringerem Umfang humanitär begründete Migration.

"Die Regierungen müssen alles dafür tun, um die Chancen der Migranten auf einen Arbeitsplatz zu verbessern", sagte der Generalsekretär der OECD, Angel Gurría, bei der Vorstellung des Migrationsausblicks in Brüssel. "Die Bekämpfung der hohen und lang andauernden Arbeitslosigkeit ist essenziell."

Während im OECD-Durchschnitt nach wie vor jeder zweite Migrant länger als zwölf Monate arbeitslos ist, ist die Beschäftigungsquote unter den Migranten in Deutschland von 2008 bis 2012 um fünf Prozentpunkte angestiegen. Bei in Deutschland geborenen Menschen betrug der Zuwachs im selben Zeitraum nur 1,5 Prozentpunkte. Thomas Liebig von der Abteilung für Internationale Migration der OECD führt das in erster Linie auf die Veränderungen in der europäischen und auch deutschen Gesetzgebung zurück.

In Deutschland tut sich etwas

Vor allem die Einführung der EU-Bluecard habe viel bewegt, sagt er. "Die Betroffenen haben immer bemängelt, dass niemand das Zuwanderungssystem in Deutschland verstanden hat und die alte Beschäftigungsordnung, die ja bis heute auch noch gilt, ist doch eigentlich auch ein Anwerbestopp mit Ausnahmen." Inzwischen gebe es aber doch erheblich mehr Transparenz. "Durch eine Trennung zwischen temporärer und dauerhafter Migration hat Deutschland sich doch eine wesentlich modernere Struktur gegeben."

Aus den vorläufigen Zahlen für 2012 geht hervor, dass die krisenbedingte Zuwanderung aus Griechenland und Spanien weiter ansteigt. Zwischen 2007 und 2011 stieg der Zuzug aus Griechenland um 73 Prozent und aus Spanien um knapp 50 Prozent. Die Statistik zeigt aber auch, dass viele Migranten aus diesen Ländern Deutschland auch schnell wieder den Rücken zukehren. Nur jeder zweite Grieche und nur jeder dritte Spanier blieb in den vergangenen Jahren länger als ein Jahr.

"Das Interesse an Deutschland ist nicht das Problem", sagt OECD Migrations-Experte Thomas Liebig. "Das Problem ist die Sprache." Die meisten Arbeitgeber verlangen von den Migranten, dass sie die deutsche Sprache beherrschen. "Dieser Punkt wird immer genannt, der ist wichtiger als jeder Universitätsabschluss oder jede andere berufliche Qualifikation", so Liebig.

Ein Plus für die Staatskasse

Thomas Liebig (Foto: dpa)

"Das Problem ist die Sprache": OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig

Deshalb müsse viel mehr in die Sprachförderung investiert werden. Auch wenn sich jetzt einiges bewege, habe Deutschland auf diesem Gebiet viel versäumt. Die Goethe-Institute beispielsweise hätten erst seit 2011 überhaupt das Mandat, zuwanderungsspezifische Sprachkurse anzubieten. Sprachlehrer seien daher im Moment "echte Mangelware". Eine zweite Forderung der OECD betrifft das Thema Diskriminierung. Ein Migrant muss in Deutschland immer noch doppelt so viele Bewerbungen schreiben, um einen Job zu finden. Männer mit türkischen Wurzeln müssen statistisch gesehen knapp doppelt so oft mit Arbeitslosigkeit rechnen wie jene ohne Migrationshintergrund.

Der Migrationsausblick der OECD zeigt, wie groß der volkswirtschaftliche Nutzen der Zuwanderer sein kann. So könnten die Nettoeinnahmen des Staats um etwa 0,3 Prozent der Wirtschaftskraft wachsen, wenn Menschen mit deutschen und ausländischen Wurzeln gleichermaßen auf dem Arbeitsmarkt vertreten wären. Allein bei hoch qualifizierten Migranten lägen die möglichen Mehreinnahmen bei mehr als 3,5 Milliarden Euro.

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