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Fokus Osteuropa

Deutschland-Erfahrungen für künftige Eliten des Westbalkan

Nachwuchskräfte vom Westbalkan machen ein 6-monatiges Firmenpraktikum in Deutschland. Seit 2003 können sie sich bei der Zoran-Djindjic-Stiftung für solche Stipendien bewerben.

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Berufliche Qualifikation in Deutschland

Stipendiaten der Zoran-Djindjic-Stiftung sind zu einem sechsmonatigen Unternehmenspraktikum in Deutschland eingetroffen. 23 kommen aus Serbien und 25 aus den übrigen Ländern des Westbalkan. Es ist die sechste Hospitantengruppe, die seit der Gründung des Stipendienprogramms vor sechs Jahren Berufs- und Auslandserfahrungen in deutschen Unternehmen sammeln kann. Renommierte deutsche Firmen aus verschiedenen Branchen stellen den jungen Akademikern einen Praktikumsplatz zur Verfügung. Darunter die Deutsche Bank, die Metro Gruppe, Siemens, aber auch Medienunternehmen wie die WAZ-Gruppe und die Deutsche Welle.

Zu den diesjährigen Praktikanten gehört auch der Elektrotechnik-Ingenieur Vukasin Bursac aus Serbien. Er freut sich darauf, einen Einblick in die Arbeitsorganisation und den Arbeitsprozess in einem deutschen Unternehmen zu bekommen. „Ich bin mir absolut bewusst, dass dies eine phänomenale Gelegenheit für mich ist, sowohl in beruflicher als auch persönlicher Hinsicht. Beruflich werde ich die neueste Technik und Technologie eingesetzt sehen, von der ich in Serbien an der Uni erfahren habe. Persönlich werde ich die deutsche Kultur näher kennen lernen und die Sprache besser lernen“, sagt Vukasin. Er will keine dauerhafte Beschäftigung im Ausland. Nach dem Praktikum möchte er vielmehr nach Serbien zurückkehren, auch wenn das Leben dort, wie er zugibt, nicht leicht ist. Sein Ziel ist es, zur Entwicklung seines Landes beizutragen.

Aufbau von Netzwerken erwünscht

Solche Nachwuchskräfte brauche Serbien bei seinem demokratischen Wandel, meint Ruzica Djindjic, die Witwe von Zoran Djindjic und Präsidentin der gleichnamigen Stiftung. „Die Zusammenarbeit der Stiftung mit Deutschland als einem europäischen Land verkörpert den Wunsch der Stipendiaten, in europäischer Umgebung Arbeitserfahrungen zu sammeln, in Deutschland zu leben und Deutschland als modernen zivilgesellschaftlichen Staat kennen zu lernen“, so Ruzica Djindjic.

Die Stiftung Zoran Djindjic wird vom Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung unterstützt. Sie wurde 2003 nach der Ermordung des serbischen Premiers gegründet. Zielgruppe für die Auslandspraktika waren zu Beginn nur serbische Nachwuchskräfte. Inzwischen ist das Stipendienprogramm erweitert worden auf den gesamten Westbalkan. Die Stipendiaten sollen auch ihre Kolleginnen und Kollegen aus den Nachbarländern kennen lernen. So sollen idealerweise Netzwerke der künftigen Eliten des Westbalkan entstehen, die zur besseren Verständigung in der Region beitragen sollen. Denn nach den Kriegsgeschehnissen der 90-er Jahre läuft die Kontaktaufnahme unter den Nachbarstaaten noch eher zaghaft.

Stipendiaten als Botschafter

Die Nachwuchsjournalistin Ana Alibegova aus Skopje macht ihr Praktikum im Mazedonischen Programm der Deutschen Welle. Sie sagt über ihren Deutschlandaufenthalt: „Das wird eine hervorragende Erfahrung. So etwas müsste jeder junge Akademiker machen.“ Seinem Praktikum bei der Deutschen Welle fiebert auch Marko Jelacic entgegen, der gebürtig aus Bosnien stammt, in Berlin aufgewachsen ist und in Zagreb studiert hat. „Ich freue mich schon darauf, etwas zu lernen, meinen Beruf endlich richtig professionell ausüben zu können, auf die journalistische Arbeit als solche. Bis jetzt hatte ich keine Gelegenheit, so etwas kennen zu lernen.“

Die Leiterin des Stipendienprogramms, Alina Gumpert, begrüßt den Enthusiasmus der Nachwuchskräfte vom Westbalkan. Es sei auch Ziel des Praktikums, die jungen Leute für Deutschland zu begeistern. Zugleich seien die Stipendiaten, die nach Deutschland kommen, Botschafter ihres Landes. „Sie sind wichtig, weil sie das Bild ihres Landes in Deutschland verbessern und gleichzeitig ein positives Bild von Deutschland in ihr Land tragen. Das ist wichtig für den zwischenmenschlichen Austausch, die interkulturellen, aber auch die wirtschaftlichen Beziehungen“, so Gumpert. Gleichzeitig könnten deutsche Unternehmen über die Stipendiaten sehen, dass es auf dem Balkan gebildete Nachwuchskräfte gibt, mit denen man zusammenarbeiten kann.

Autorinnen: Selma Filipovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Bernd Johann

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